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Gespräche mit Bund 30.06.2022 17:24:00

Uniper-Aktie sackt ab: Uniper kassiert Ziele wegen Gasengpass - Uniper fordert Staatshilfen

Uniper-Aktie sackt ab: Uniper kassiert Ziele wegen Gasengpass - Uniper fordert Staatshilfen

Der Energieversorger Uniper hat seine Ergebnisprognosen für das laufende Jahr wegen der eingeschränkten Gaslieferungen aus Russland kassiert und spricht mit der Bundesregierung über Stabilisierungsmassnahmen.

Das Unternehmen prüfe, wie die Liquidität der Gesellschaft weiter gesichert werden könne, hiess es aus Düsseldorf am Mittwochabend. Unter anderem spreche man mit der Bundesregierung über mögliche Massnahmen wie Garantie- und Sicherheitsleistungen, eine Erhöhung der aktuell noch nicht in Anspruch genommenen Kreditlinien bei der staatlichen Förderbank KfW, aber auch über Beteiligungen in Form von Eigenkapital.

Die bisherige Ergebnisprognose setzte das MDAX-Unternehmen aus. Im ersten Halbjahr dürften die operativen Gewinne auch deutlich unter denen des Vorjahreszeitraums liegen, hiess es. Hintergrund seien die Auswirkungen der derzeitigen Gaslieferbeschränkungen durch den russischen Staatskonzern GAZPROM. Seit dem 16. Juni 2022 erhält Uniper nach eigenen Angaben nur noch 40 Prozent der vertraglich zugesicherten Gasmengen von GAZPROM und muss teuer Ersatzmengen beschaffen. Uniper geht davon aus, dass im Falle der Feststellung und Bekanntgabe der Gasmangellage durch die Bundesnetzagentur die derzeitigen Belastungen teilweise weitergegeben werden können.

/men/tih

Habeck befürchtet Nord-Stream-Blockade - Uniper in Bedrängnis

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck befürchtet ein vollständiges Ausbleiben russischer Gaslieferungen durch die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream. Es drohe ab dem 11. Juli "eine Blockade von Nord Stream 1 insgesamt", sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag bei einem "Nachhaltigkeitsgipfel" der "Süddeutschen Zeitung". Deswegen könne es im Winter wirklich problematisch werden. Die Gasversorgung über den Sommer sei gewährleistet.

Mitte Juni hatte Russland unter Verweis auf technische Probleme die Lieferungen durch Nord Stream bereits stark gedrosselt. Als Reaktion darauf hatte die Bundesregierung die Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. "Gas ist von nun an ein knappes Gut in Deutschland", hatte Habeck gesagt. Er hatte ein Massnahmenpaket auf den Weg gebracht, damit der Gasverbrauch in der Industrie sinkt und Gas stattdessen eingespeichert werden kann.

Die Appelle und Massnahmen zur Verringerung des Gasverbrauchs zeigen nun offenbar Wirkung: Bundesweit lag der Gasverbrauch zwischen Januar und Mai bei rund 460 Milliarden Kilowattstunden, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) am Donnerstag mitteilte. Das waren demnach 14,3 Prozent weniger als in den ersten fünf Monaten des Vorjahres.

Neben der milden Witterung im Frühjahr seien auch die hohen Gaspreise ein wesentlicher Grund dafür, hiess es. Denn auch bereinigt um Temperatureffekte lag der Rückgang im Vorjahresvergleich laut Verband noch bei knapp 6,5 Prozent. Besonders deutlich sei der Rückgang im Mai gewesen, erklärte der BDEW und verwies auf "persönlich motivierte Einspareffekte".

Am 11. Juli beginnen nun jährliche Wartungsarbeiten an Nord Stream 1. Die Pipeline werde in der Regel für zehn Tage heruntergefahren, sagte Habeck bei dem "Nachhaltigkeitsgipfel". Aber nach dem Muster, dass man gesehen habe, wäre es nicht "superüberraschend", wenn irgendein kleines Teil gefunden werde. "Und dann sagt man: Ja, das können wir halt nicht wieder anmachen, jetzt haben wir bei der Wartung irgendwas gefunden und das war's dann. Also insofern ist die Situation durchaus angespannt."

Die Speicher müssten zum Winter hin voll sein, so Habeck weiter, zwei schwimmende Terminals zum Import von Flüssigerdgas (LNG) in Deutschland müssten angeschlossen sein. Die aktuellen Füllstände der Speicher in Deutschland liegen laut Bundesnetzagentur bei rund 61 Prozent. Nach der russischen Drosselung werde pro Tag 0,3 bis 0,5 Prozent Gas eingespeichert, sagte Habeck. Das sei ungefähr die Hälfte dessen, was vor dem "Cut" von Nord Stream 1 passiert sei. Es seien aber noch erhebliche Mengen.

Bereits die Drosselung der russischen Gaslieferungen bringt derweil den Energieversorger Uniper in Bedrängnis. Die Bundesregierung befindet sich nach Darstellung des Wirtschaftsministeriums mit dem Unternehmen in Gesprächen über Stabilisierungsmassnahmen.

Uniper hatte seine Ergebnisprognosen für das laufende Jahr wegen der eingeschränkten Gaslieferungen aus Russland kassiert. Bereits im ersten Quartal waren wegen des Russland-Engagements Milliardenverluste bei den Düsseldorfern aufgelaufen. Für Stabilisierungsmassnahmen kommt nach Angaben von Uniper eine Reihe von Instrumenten in Frage, zum Beispiel Garantie- und Sicherheitsleistungen, Erhöhung der aktuellen Kreditfazilität bis hin zu Beteiligungen in Form von Eigenkapital.

Seit Mitte Juni erhält Uniper, das mehrheitlich dem finnischen Versorger Fortum gehört, nach eigenen Angaben nur noch 40 Prozent der vertraglich zugesicherten Gasmengen von Gazprom und muss teuer Ersatzmengen beschaffen. Das Unternehmen geht davon aus, dass im Falle der Feststellung und Bekanntgabe der Gasmangellage durch die Bundesnetzagentur die derzeitigen Belastungen teilweise an die Kunden weitergegeben werden können.

Fortum sieht auch Deutschland in der Pflicht. Nötig sei eine "nationale und industrieweite Anstrengung", teilten die Finnen am Donnerstag mit. Wie hoch und wie eine mögliche Unterstützung ausfallen müsste, wollte Fortum nicht kommentieren. Uniper habe einen von Fortum gewährten Kreditrahmen von acht Milliarden Euro teilweise ausgenutzt, hiess es weiter. Uniper sollte in der Lage sein, seine Verpflichtungen zu erfüllen, auch wenn die Gaskürzungen in Deutschland durch Russland anhielten oder sich sogar ausweiteten.

Die im MDax notierte Uniper-Aktie des Unternehmens brach am Donnerstag ein. Im frühen Handel verlor das Papier zwischenzeitlich knapp 23 Prozent, konnte die Verluste anschliessend aber reduzieren. Mit rund 14 Euro kostete das Papier zuletzt so wenig wie seit 2017 nicht mehr. Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste auf nunmehr fast 70 Prozent./hoe/DP/stw

Uniper ruft nach Staatshilfen

Deutschlands grösster Importeur von russischem Erdgas, Uniper, gerät wegen der starken Drosselung der Lieferungen in Turbulenzen und ruft nach staatlichen Hilfen. Der Energiekonzern musste wegen der Auswirkungen der Lieferbeschränkungen seine Ergebnisprognosen kassieren und prüft, wie die Liquidität der Gesellschaft weiter gesichert werden kann, wie es in einer Pflichtmitteilung an die Börse hiess. Unter anderem sei Uniper mit der Bundesregierung in Gespräche über mögliche Stabilisierungsmassnahmen eingetreten.

Dafür komme eine Reihe von Instrumenten in Frage, hiess es - wie zum Beispiel Garantie- und Sicherheitsleistungen, eine Erhöhung eines noch nicht gezogenen Kreditrahmens über die Staatsbank KfW bis hin zu Beteiligungen in Form von Eigenkapital.

Eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte am Donnerstag, die Gespräche zwischen der Bundesregierung und Uniper über Stabilisierungsmassnahmen dauerten an. "Anlass sind die stark gestiegenen Gaspreise und die reduzierten Liefermengen aus Russland infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine."

Die Aktie von Uniper brach ein. Der Konzern spielt eine zentrale Rolle in der deutschen Energieversorgung. Mitte Mai hatte Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach die Bedeutung des Unternehmens unterstrichen. "Uniper importiert jährlich rund 370 Terawattstunden Gas und beliefert damit direkt zahlreiche Industrieunternehmen und Stadtwerke", sagte Maubach bei der Online-Hauptversammlung. Diese Menge entspreche rund einem Drittel des durchschnittlichen jährlichen Gasverbrauchs in Deutschland. Uniper sei auch der grösste Betreiber von Erdgasspeichern in Deutschland.

Die Speicher wiederum spielen eine zentrale Rolle in der Strategie der Bundesregierung, um im Falle eines Ausfalls russischer Lieferungen für den Winter gewappnet zu sein. Der Füllstand der Speicher in Deutschland liegt laut Bundesnetzagentur zurzeit bei 61 Prozent. Bis zum Beginn der Heizperiode müssten sie aber voll sein, wie Habeck immer wieder betont hat.

Der Wirtschaftsminister machte am Donnerstag deutlich, dass er ein vollständiges Ausbleiben russischer Gaslieferungen durch Nord Stream befürchtet. Es drohe ab dem 11. Juli "eine Blockade von Nord Stream 1 insgesamt", sagte der Grünen-Politiker bei einem "Nachhaltigkeitsgipfel" der "Süddeutschen Zeitung". Deswegen könne es im Winter wirklich problematisch werden. Die Gasversorgung über den Sommer sei gewährleistet.

Am 11. Juli beginnen jährliche Wartungsarbeiten von Nord Stream. Die Pipeline werde in der Regel für zehn Tage heruntergefahren, so Habeck. Aber nach dem Muster, dass man gesehen habe, wäre es nicht "superüberraschend", wenn irgendein kleines Teil gefunden werde. "Und dann sagt man: Ja, das können wir halt nicht wieder anmachen, jetzt haben wir bei der Wartung irgendwas gefunden und das war's dann. Also insofern ist die Situation durchaus angespannt."

Uniper erhält seit Mitte Juni nach eigenen Angaben nur noch 40 Prozent der vertraglich zugesicherten Gasmengen von Gazprom und muss teuer Ersatzmengen beschaffen. Diese Mehrkosten könne Uniper bislang nicht weitergeben - daraus entstünden signifikante finanzielle Belastungen.

Habeck hatte wegen der Drosselung der russischen Gaslieferungen die Alarmstufe als zweite Stufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Ausserdem hatte er ein Massnahmenpaket angekündigt, um den Gasverbrauch in der Industrie zu senken und stattdessen die Speicher zu füllen.

Ein rechtlich mögliches "Preisanpassungsrecht" für Versorgungsunternehmen hat die Bundesregierung aber noch nicht gezogen - dann könnten Versorger die stark gestiegenen Preise an ihre Kunden weitergeben. Damit soll verhindert werden, dass sie insolvent werden. Vorher müsste aber die Bundesnetzagentur eine "erhebliche Reduzierung der Gesamtgasimportmengen nach Deutschland" formal feststellen, was noch nicht geschehen ist.

Uniper geht davon aus, dass im Falle der Feststellung und Bekanntgabe einer solchen Gasmangellage durch die Bundesnetzagentur die derzeitigen Belastungen teilweise weitergegeben werden können, wie es hiess. Bereits im ersten Quartal waren wegen des Russland-Engagements Milliardenverluste bei den Düsseldorfern aufgelaufen.

Die Bundesregierung hatte im April ein Hilfspaket für Firmen beschlossen, die unter den Folgen des Ukraine-Kriegs leiden. Das Paket sieht etwa Zuschüsse vor. Zudem hiess es, geprüft werden sollten zielgerichtete Eigen- und Hybridkapitalhilfen. In der Corona-Pandemie wurde über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds zum Beispiel die Lufthansa gerettet.

Die Chefin des Energieverbands BDEW, Kerstin Andreae, sagte mit Blick auf Uniper: "Es muss sichergestellt sein, dass die gesamte Lieferkette weiter funktioniert und nicht ein Baustein herausbricht. Dazu gehört auch die Möglichkeit, erhöhte Kosten schnellstmöglich weitergeben zu können. Der BDEW präferiere eine Umlagenlösung, die die Mehrkosten in Zeiten der Krise solidarisch verteile. Da über eine solche Umlage die Kosten erst zeitversetzt refinanziert werden, sollte die Bundesregierung diese Kosten zunächst vorfinanzieren.

Uniper gehört mehrheitlich dem finnischen Versorger Fortum . Dieser sieht auch Deutschland in der Pflicht. Nötig sei eine "nationale und industrieweite Anstrengung", teilten die Finnen am Donnerstag mit. Wie hoch und wie eine mögliche Unterstützung ausfallen müsste, wollte Fortum nicht kommentieren. Uniper habe einen von Fortum gewährten Kreditrahmen von acht Milliarden Euro teilweise ausgenutzt, hiess es weiter. "Als Mehrheitseigentümer von Uniper wollen wir als Fortum dafür sorgen, dass Uniper auch im Falle eines anhaltenden oder sich verschärfenden Gasmangels in der Lage ist, seine Verpflichtungen zu erfüllen."

Die Uniper-Aktie sackt auf XETRA zeitwiese um 14,68 Prozent ab auf 14,12 Euro. Das ist der tiefste Kurs seit mehr als fünf Jahren.

DÜSSELDORF / MÜNCHEN/BERLIN (awp international)


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Bildquelle: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images