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19.09.2026 22:34:00
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Tesla, American Express & Co: Warum Milliarden-IPOs wie OpenAI und Anthropic Blue-Chip-Aktien treffen könnten
Evercore ISI warnt vor einer frühen Verkaufswelle bei acht bekannten US-Blue-Chip-Aktien, ausgelöst durch die erwarteten Milliarden-Börsengänge von Anthropic und OpenAI.
- Evercore sieht acht US-Blue Chips als Kandidaten für vorgezogene Verkäufe
- Tesla, Trade Desk und DraftKings zeigen die stärksten Gewinnrevisionen
- Der SpaceX-Börsengang im Juni gilt als Blaupause für die anstehende IPO-Welle
Evercore ISI warnt in einem Bericht, der Investing.com vorliegt, vor einer frühen Verkaufswelle bei schwächelnden Blue-Chip-Aktien in den USA: Fondsmanager könnten sich mit steuerlich motivierten Verkäufen bereits vor den erwarteten Milliarden-Börsengängen von Anthropic und OpenAI Platz in ihren Portfolios schaffen. Am härtesten treffen dürfte es dabei ausgerechnet jene Titel, die ohnehin schon hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben.
Diese Blue-Chip-Aktien stehen auf der Kandidatenliste
Um verwundbare Titel zu identifizieren, screente Evercore den Russell 3000 nach Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 5 Milliarden US-Dollar, die seit Jahresbeginn mehr als 10 Prozent verloren haben, nicht mehr als 20 Prozent über ihrem Jahrestief notieren und deren Gewinnschätzungen in den vergangenen drei Monaten gesenkt wurden. Acht Namen erfüllen laut dem Bericht alle drei Kriterien deutlich: Tesla, IBM, American Express, McDonald's, Lowe's Companies, Lululemon, DraftKings und Trade Desk.
Über alle acht Titel hinweg zeigt sich ein klares Muster: Sie haben seit Jahresbeginn deutlich stärker verloren als der Gesamtmarkt, und ihre Gewinnschätzungen wurden in den vergangenen drei Monaten nach unten korrigiert. Am stärksten fällt der Kursverlust bei Lululemon mit rund 52 Prozent aus, während IBM mit knapp 21 Prozent Kursverlust und einer vergleichsweise moderaten Gewinnkorrektur von 1,0 Prozent den unteren Rand markiert. Bei American Express, McDonald's und Lowe's Companies bewegen sich die Kursverluste zwischen rund 12 und 16 Prozent, begleitet von nur leicht gesenkten Gewinnschätzungen. Deutlich schärfer fällt das Bild bei Tesla aus, das seit Jahresbeginn 21 Prozent verliert und dessen Gewinnschätzungen um 10 Prozent gekappt wurden. Am unteren Ende der Liste stehen DraftKings mit einem Kursverlust von 30 Prozent und einer Gewinnkorrektur von 50 Prozent sowie Trade Desk mit einem Minus von 62 Prozent und einer Gewinnanpassung von nahezu 60 Prozent.
Warum ausgerechnet jetzt Kasse gemacht wird
Um die anstehenden Zeichnungen ohne den Einsatz von Fremdkapital zu finanzieren, bauen Portfoliomanager ihre Positionen in den schwächsten Titeln ab. Investmentfonds realisieren Steuerverluste normalerweise im Oktober, doch Evercore erwartet, dass Fondsmanager diesen Prozess nach dem Feiertag Labor Day, der in den USA am 7.September begangen wurde, beschleunigen, um zusätzliche Liquidität freizusetzen. Anders als bei klassischen Jahresend-Verkäufen wollen sich Fondsmanager damit offenbar schon jetzt Flexibilität verschaffen, für den Fall, dass die Zeichnungsfristen für Anthropic noch in diesem Jahr eröffnet werden. Ein Börsengang von OpenAI ist dagegen für 2026 zunächst nicht vorgesehen.
Der Vergleich mit dem SpaceX-Rekord-IPO
Der aktuelle Kapitalmarktzyklus folgt auf den Börsengang von SpaceX am 12. Juni, bei dem von dem Raumfahrtunternehmen 75 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar eingenommen wurden. Manche Marktteilnehmer werteten die Transaktion als möglichen Gipfel des Marktes, vergleichbar mit der Fusion von AOL und Time Warner im Januar 2000. Evercore zieht stattdessen eine Parallele zum Börsengang von Netscape 1995 und sieht darin den Auftakt eines langfristigen, von künstlicher Intelligenz getriebenen Produktivitätszyklus. Der mögliche Börsengang von Anthropic könnte laut Evercore eine Bewertung von rund 100 Milliarden US-Dollar anstreben und das jährliche US-Emissionsvolumen in Richtung historischer Höchststände treiben. Ein OpenAI-Börsengang ist 2026 hingegen zunächst nicht geplant.
"In einem Jahr mit mehr KI, mehr Volatilität, mehr Gewinnen und mehr Marktpotenzial sollte es nicht überraschen, dass die grossen KI-Namen, Anthropic und OpenAI, über einen Börsengang nachdenken", zitiert Investing.com die Strategen von Evercore ISI. "Es ist durchaus denkbar, dass der Rekord von SPCX in Bezug auf Emissionsvolumen und Bewertung bis zum Jahresende nicht mehr Bestand haben wird."
Die Kandidatenliste relativiert den Optimismus
Evercore stützt seinen robusten Ausblick auf das Fehlen klassischer Signale für das Ende eines strukturellen Bullenmarkts: Ein aggressiver Zinserhöhungszyklus der Federal Reserve, Anleiherenditen von mehr als 5 Prozent, eine drohende Rezession oder euphorische Privatanleger fehlen demnach derzeit. Zudem bleibt die Quote positiver Gewinnüberraschungen im S&P 500 mit rund 23 Prozent stabil. Ein Blick auf die Kandidatenliste selbst relativiert diesen Optimismus jedoch: Die Gewinnkorrekturen bei Trade Desk und DraftKings fallen so viel stärker aus als bei den übrigen sechs Titeln, dass reine Steuerverkäufe als Erklärung kaum ausreichen, was auf substanzielle fundamentale Probleme jenseits des IPO-Effekts hindeutet.
Martina Köhler, Redaktion finanzen.ch
Dieser Text dient ausschliesslich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schliesst jegliche Regressansprüche aus.
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