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Zweistelliges Wachstum 13.02.2019 18:07:00

Temenos wächst profitabel - überraschender Chefwechsel - Aktie tiefer

Temenos wächst profitabel - überraschender Chefwechsel - Aktie tiefer

Der amtierende CEO David Arnott (Jahrgang 1969) wird Temenos per Ende Monat verlassen. Sein Nachfolger wird per Anfang März der heutige Finanzchef Max Chuard, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Die Funktion des Finanzchefs wird dann Ende März Panagiotis Spiliopoulos übernehmen. Dieser ist heute Chefanalyst bei der Bank Vontobel.

Arnott wolle nach 18 Jahren im Unternehmen mehr Zeit mit seiner neuen Familie und seinem Kind verbringen, wurde der Rücktritt in der Mitteilung begründet. Der Abgang wird vom Unternehmen bedauert. Arnott sei massgeblich für den Erfolg in der letzten Zeit verantwortlich gewesen.

Sein Nachfolger Chuard sei aber ebenfalls schon seit 17 Jahren für Temenos tätig. Er sei seit 2012 CFO und seit 2015 zusätzlich als COO für einen Teil des operativen Geschäfts verantwortlich, wurde betont. Er soll die gewählte Strategie fortsetzen und das Unternehmen in die nächste Wachstumsphase führen.

Zweistelliges Wachstum

Der abtretende CEO kann gute Zahlen vorlegen. Der Umsatz (Non-IFRS) stieg im vierten Quartal um 11 Prozent auf 257,8 Millionen US-Dollar (in Lokalwährungen: +12%). Davon entfielen 135,1 Millionen auf Lizenzeinnahmen, womit der entsprechende Vorjahreswert um 14 Prozent übertroffen wurde.

Der operative Gewinn (EBIT) stieg derweil um 15 Prozent auf 100,9 Millionen. Unter dem Strich schaute pro Aktie ein Gewinn von 1,15 Dollar heraus, das sind ebenfalls 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Im Gesamtjahr 2018 kam der Umsatz damit auf 846,7 Millionen US-Dollar (+14% in LW) zu liegen, der EBIT bei 266,3 Millionen (+19%) und der Gewinn pro Aktie bei 2,96 Dollar (+21%).

Die Dividende soll auf 0,75 Franken pro Aktie erhöht werden (VJ 0,65). Beim Umsatz und EBIT wurden damit Werte leicht über der Prognose des Unternehmens erzielt. Die Erwartungen der Analysten wurden in etwa erfüllt.

"Märkte beschleunigen sich"

"Unser Endmarkt beschleunigt sich weiter, und wir nutzen diese Dynamik, um ein signifikantes Wachstum zu erzielen", liess sich CEO Arnott zitieren. Treiber des Geschäfts seien nach wie vor die Digitalisierung und der regulatorische Druck, dem Banken ausgesetzt seien.

Das Wachstum im Jahr 2018 sei geografisch und bei den Kundengruppen breit abgestützt gewesen, hiess es weiter. Insbesondere seien auch in den USA Aufträge an Land gezogen worden. Konkret steuerten US-Kunden bereits 15 Prozent zu den Lizenzeinnahmen bei. Das Ziel seien jedoch 25 Prozent, sagte der designierte Firmenchef Chuard.

Weltweit gewann Temenos im vergangenen Jahr 76 neue Kunden, wobei es im Schlussquartal allein 28 waren. CFO Chuard meinte dazu, dass sich die Investitionen in die Produkte nun auszuzahlen begännen.

Die Wachstumsgeschichte soll sich im laufenden Jahr denn auch fortsetzten. Das Unternehmen stellt ein Umsatzwachstum zu konstanten Wechselkursen im Bereich von 16 bis 19 Prozent in Aussicht. Dies entspräche einem Umsatz von rund 975 Millionen bis 1 Milliarde Dollar. Dabei wird für die Lizenzeinnahmen ein Wachstum um 17,5 bis 22,5 Prozent veranschlagt. Der EBIT wird zwischen 310 und 315 Millionen erwartet.

Mittelfristig peilt das Unternehmen ein jährliches Wachstum im Rahmen von 2018 an (10-15%). Auch der Trend zu einer verbesserten Profitabilität soll anhalten. Konkret wird laut den Angaben bei der EBIT-Marge eine jährliche Verbesserung um 100 bis 150 Basispunkte angepeilt und unter dem Strich ein mindestens 15 Prozent höherer Gewinn pro Aktie angestrebt.

Temenos-Aktie

Temenos notierten am Mittwoch zum Börsenauftakt nach Zahlen deutlich im Minus. Das am Vorabend publizierte Q4-Ergebnis lag in etwa im Rahmen der Erwartungen wie auch die Zielvorgaben für 2019. Überraschend kommt derweil der Abgang von CEO David Arnott.

Nachdem die Papiere zwischenzeitlich um 4,6 Prozent fielen, verbuchten sie zum Börsenschluss einen Abschlag von 0,58 Prozent auf 138,20 Franken.

Insgesamt werden die Ergebnisse im Schlussquartal von Analysten positiv, wenn auch als unspektakulär aufgenommen. Man sei sich inzwischen an die makellose Leistung von Temenos gewöhnt, heisst es etwa im Kommentar von Barclays. Auch bei der Deutschen Bank ist von insgesamt soliden Resultaten die Rede, wenn auch ohne wirkliche Überraschungen gegenüber den Erwartungen.

Unvorbereitet getroffen hat aber wohl alle der Abgang von Unternehmenschef David Arnott. Gemäss Analysten war Arnott massgeblich am Erfolg der letzten Jahre beteiligt. Entsprechend werde der Abgang für Enttäuschungen sorgen, heisst es etwa bei Barclays. Arnott habe Temenos durch die Perioden des stärksten Wachstums in der Unternehmensgeschichte geführt und sei eine starker Kommunikator gewesen.

Begrüsst wird allerdings, dass mit dem bisherigen Finanzchef Max Chuard der Nachfolger bereits feststeht, während Panagiotis Spiliopoulos, Chefanalyst der Bank Vontobel, neuer CFO wird. So geht etwas die Credit Suisse davon aus, dass der Führungswechsel reibungslos vonstattengeht.

Die Zielvorgaben für 2019 bewegen sich in etwa im Rahmen der Erwartungen, wobei die geplante Umstellung bei der Rechnungslegung und die Integration von Avoka den Vergleich mit den Konsenserwartungen erschweren.

Die Bewertung der Aktien erachten zudem viele Analysten als ausgereizt. So geht man bei Barclays zwar auch künftig von einer starken Geschäftsentwicklung aus, sieht diese aber bereits im Kurs eingepreist. Auch bei der ZKB heisst es, die Aktie sei "eher hoch bewertet".

Auf der Gegenseite hält Goldman Sachs allerding an seiner Kaufempfehlung fest und sieht die Aktie historisch günstig bewertet, basierend auf den erwarteten Cash-Rückflüssen.

rw/jb

Genf/Bern (awp)

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Bildquelle: Keystone

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