12.01.2016 14:00:37

Swissgrid-Interims-CEO: Aktuelle Netzsituation weiter angespannt

Bern (awp) - Swissgrid spricht sich vehement für einen Ausbau der Netzkapazitäten aus: "Wir müssen nun dringend die geplanten Massnahmen umsetzen", sagte CEO ad interim Yves Zumwald am Schweizerischen Stromkongresses am Dienstag in Bern. "Weitere Verzögerungen der im 'Strategischen Netz 2025' vorgesehenen Massnahmen führen potenziell zu einer Verschlechterung der Versorgungssicherheit", so der Chef des nationalen Netzbetreibers.

Wichtig sei auch, die Verfahren - wie in der Strategie Stromnetze des Bundes vorgesehen - "drastisch" zu verkürzen, "damit wir mit den Projekten rascher vorwärtskommen und das Netz sicher betreiben können". Die aktuelle Netzsituation zeige sich nach wie vor von einer angespannten Seite, so Zumwald weiter. Nach der Wiederinbetriebnahme von Beznau II am 23. Dezember habe sich die Lage zwar "leicht entspannt", aber es gebe noch keine Entwarnung. Eine Diskussion über einen schweizweiten Blackout sei dies aber nicht.

NAGELPROBE STEHT BEVOR

Anfang Dezember hatte Swissgrid die Energie- und Netzsituation für den Winter als angespannt bezeichnet. Durch den damaligen Ausfall der Axpo-Kernkraftwerke Beznau I (Wiederstart nicht vor Ende Juli 2016 erwartet) und II, musste fehlende Bandenergie hauptsächlich durch Strom aus Schweizer Speicherseen ersetzt werden. Wegen der begrenzten Transformatorenkapazität aus dem 380 Kilovolt-Netz auf die tieferen Netzebenen können auch Importe nicht vollständig zur Kompensation genutzt werden, obwohl genügend Energiereserven im Ausland und ausreichende Importkapazität an den Grenzen zur Verfügung stehen würden.

Die optimale Nutzung der verfügbaren Netto-Importkapazität und die Schonung der Speicherinhalte sei wegen der gennannten Gründe weiterhin eine Voraussetzung für eine sichere Energie- und Netzsituation im Winter 2015/2016, sagte Zumwald am Dienstag. Die Nagelprobe stehe erst noch bevor, und Swissgrid beobachte die Situation genau.

Für den mittelfristigen Wegfall des Kernkraftwerks Mühleberg seien zusätzliche Transformatoren eingeplant in Mühleberg, Breite/Beznau, Chippis, Romanel und Beznau, sagte Zumwald.

KONSULTATION ZU MARKTDESIGN

Weiter hat Swissgrid eine Konsultation zu Vorschlägen zum Marktdesign Strom für die Energiestrategie 2050 lanciert. Alle Interessierten seien aufgefordert, das zukünftige Marktdesign mitzugestalten, so Zumwald. Die Vorschläge sollen die Effizienz und Sicherheit des schweizerischen Strommarkts verbessern und würden sich auf drei Bereiche konzentrieren: Stärkung des Preissignals, Optimierung des grenzüberschreitenden Handels sowie die Entwicklung eines regionalen Ansatzes für Versorgungssicherheit. Die Ergebnisse sollen im April 2016 veröffentlicht werden, erläuterte Zumwald den Zeitplan.

Mit Blick auf die internationale Ebene beklagte er sich, dass Swissgrid markttechnisch bei vielen Diskussionen aussen vor sei. Bern müsse bei den Gesprächen für ein Stromabkommen mit der EU vorwärtsmachen, sodass die Schweiz komplett an den europäischen Binnenmarkt angeschlossen werden könne. Die "tägliche Arbeit" mit Entso-E - dem Zusammenschluss der europäischen Übertragungsnetzbetreiber - laufe aber gut, fügte er hinzu.

Zumwald hat seit September 2015 interimistisch die Swissgrid-Leitung inne, nachdem CEO Pierre-Alain Graf das Unternehmen verlassen hat. Letzterer hatte sich nach dem Abschluss der Übertragung der Höchstspannungsnetze sowie der strategischen und organisatorischen Neuausrichtung des Unternehmens zu dem Schritt entschieden. Swissgrid ist im Zuge der Schweizer Strommarktliberalisierung entstanden: Das Stromversorgungsgesetz sieht die Entflechtung (Trennung von Netzbetrieb und Produktion) vor, womit die Gesellschaft ins Leben gerufen wurde. Anfang 2013 wurde bereits der Grossteil des Höchstspannungsnetzes von den bisherigen Eigentümern überführt.

ys/cf

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