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Aktienrückkauf im Blick 03.05.2019 17:50:37

Swiss Re-Aktie verliert deutlich: Gewinnrückgang belastet

Swiss Re-Aktie verliert deutlich: Gewinnrückgang belastet

Der Gewinn tauchte, die Finanzgemeinde reagierte enttäuscht.

Unter dem Strich erzielte die Swiss Re von Januar bis Ende März einen Reingewinn von 429 Millionen Dollar, wie der zweitgrösste Rückversicherer der Welt am Freitag in einem Communiqué bekannt gab. Im Vorjahreszeitraum, als Naturkatastrophen ausgeblieben waren, hatte der Konzern 457 Millionen Dollar verdient. Dass der Gewinn nicht noch stärker fiel, ist dem Steigflug der Börsen seit Jahresbeginn zu verdanken.

Naturkatastrophen und von Menschenhand verursachte Grossschäden hätten das Ergebnis im Startquartal belastet, schrieb die Swiss Re. Darunter seien die Überschwemmungen in Nord-Australien, der Zyklon Idai in Mosambik, der Flugzeugabsturz von Ethiopian Airlines und das anschliessende Flugverbot für Maschinen des Typs Boeing 737 Max. Zudem wurde das Ergebnis durch weitere erhebliche Schadenforderungen infolge von Ereignissen des Vorjahres, insbesondere durch den Taifun "Jebi" in Japan, beeinträchtigt.

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Dies führte zu einer Verschlechterung des Schaden-Kostensatzes (Combined Ratio) im Sach-Rückversicherungsgeschäft (P&C) auf 110,3 Prozent, nachdem er im vergleichsweise schadenarmen ersten Quartal 2018 bei 92,0 Prozent gelegen hatte. Bei einem Wert von über 100 Prozent ist das Geschäft versicherungstechnisch nicht profitabel.

Gewinneinbruch in der Sach-Rückversicherung

Der Gewinn im Sach-Rückversicherungsgeschäft stürzte auf 13 Millionen Dollar ab von 345 Millionen ein Jahr zuvor. Alleine die Überschwemmungen in Nord-Australien hätten mit rund 210 Millionen zu Buche geschlagen, hiess es. Die Zusatzbelastung durch "Jebi" bezifferte die Swiss Re dagegen nicht.

Etwa 90 Millionen Dollar fielen in der Sach-Rückversicherung für den Absturz der Boeing-Maschine in Äthiopien und das anschliessende Flugverbot für die Boeing 737 Max-Flotte an. Die Gesamtbelastung durch den Fall sei noch nicht absehbar, sagte Finanzchef John Dacey in einer Telefonkonferenz.

Denn ein Ende des Flugverbots ist noch nicht in Sicht. Bis zur Feststellung der Absturzursache müssen alle Maschinen dieses Typs am Boden bleiben, da bereits wenige Monate vor dem Unglück in Äthiopien ein solches Flugzeug in Indonesien abgestürzt war.

Derzeit gehe man zusammen mit anderen Versicherern die Policen von Boeing durch, um abzuschätzen, wie viele Policen zur Auszahlung kommen könnten, sagte Dacey. Denn es könnten wegen des Groundings aller Boeing 737 Max-Maschinen noch Schadenersatzklagen von Airlines auf den amerikanischen Flugzeugbauer zukommen.

Firmenversicherung mit Verlust

Der Fall schlug auch auf das Erstversicherungsgeschäft der Swiss Re mit Unternehmenskunden durch. Die Belastung hierdurch sei weniger als halb so gross wie im Sach-Rückversicherungsgeschäft, erklärte Dacey - im Klartext also weniger als 45 Millionen Dollar.

Die gesamte Firmenversicherungssparte erlitt durch mittlere und grosse von Menschen angerichteten Schäden einen Verlust von 55 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 41 Millionen im Vorjahr. Die Performance sei unbefriedigend, erklärte Konzernchef Christian Mumenthaler im Communiqué.

Nun geht die Swiss Re bei ihrem Sorgenkind über die Bücher: Die Geschäftseinheit führe derzeit eine umfassende Strategieanalyse durch und prüfe bis zum Sommer sämtliche Geschäftssparten und Schadenrückstellungen. Insbesondere das Probleme verursachende Haftpflichtgeschäft in den USA solle weiter zurückgestutzt werden, sagte Finanzchef Dacey.

Immerhin ist an der Preisfront eine Entspannung erkennbar. Im ersten Quartal seien die Preise breit abgestützt um 5 Prozent gestiegen.

Konzernchef optimistisch

Im Gegensatz zu den anderen Sparten glänzte die Leben- und Krankenrückversicherung: Mit dem Schub durch die weltweite Börsenhausse konnte die Einheit einen Rekordgewinn von 328 Millionen Dollar einfahren nach 201 Millionen im Vorjahr.

Das Volumen konnte die Swiss Re derweil im ersten Quartal steigern: Die verdienten Nettoprämien wuchsen konzernweit um 5,5 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar.

Aufgrund der erfolgreichen Vertragserneuerungen seit Jahresbeginn bleibe man auch für das Sach-Rückversicherungsgeschäft optimistisch, erklärte Mumenthaler. Bei der Firmenversicherung gehe man die ungenügende Leistung an.

Analysten zeigten sich dagegen enttäuscht und sprachen von einem weiteren schwachen Resultat.

Vor allem der Taifun "Jebi" habe der Swiss Re einen Strich durch die Rechnung gemacht, halten die Analysten von RBC fest. Sie schätzen aufgrund der Quartalszahlen, dass der Taifun, der im September in Japan getobt hatte, die Swiss Re-Rechnung im Quartal mit über 0,5 Milliarden Dollar belastet hat - geschätzt hatten sie den Schaden zuvor mit 0,4 Milliarden. Die kanadische Bank stuft die Swiss Re-Aktien mit "Sector Perform" ein.

Das Kennzahlenset sei insgesamt schlechter als erwartet, stellen auch die ZKB-Experten fest. Positiv ausgefallen seien immerhin die Lebens- und Krankenrückversicherung und der Anlageerfolg. Ob das ReAssure-IPO erfolgt, sei weiterhin offen, stellen das Research der Kantonalbank fest, die an ihrer Einstufung "Marktgewichten" festhalten.

Erneut seien die Belastungen aus Grossschäden höher ausgefallen als erwartet, heisst es auch bei JPMorgan. Nicht nur in der Sach-Rückversicherung, sondern auch im Geschäft mit Grossfirmen vermeldete Swiss Re grössere und mittlere Schäden, die zu einer klar verschlechterten "Combined Ratio" führten. Immerhin sei der Ausblick auf die Erneuerungsrunde im April mit guten Volumen und höheren Preisen etwas positiver, so die US-Analysten, die Swiss Re mit "Overweight" einstufen.

Als "klar enttäuschend" werden die Resultate der Sach-Rückversicherung auch von den Goldman Sachs-Analysten bewertet. Swiss Re dürfte auch stärker vom Taifun Jebi belastet worden sein als die Wettbewerber. Positiv zu vermerken sei dagegen das "unterstützende" Marktumfeld für den Rückversicherer. Insgesamt würden die derzeitigen Probleme die langfristige Performance aber nicht beeinträchtigen, so die Experten der US-Investmentbank. Sie bleiben bei ihrer Kaufempfehlung.

Vor allem die Combined Ratio für das Schadengeschäft wie auch für das Grossfirmensegment seien klar schwächer ausgefallen als erwartet, heisst es auch bei der Deutschen Bank. Als enttäuschend bewerten die Analysten aber auch die Erneuerungsrunden im April, wobei der Preiseffekt von +1 Prozent relativ schwach ausgefallen sei. Die Deutsche Bank hält allerdings ebenfalls weiter an ihrem "Buy"-Rating fest.

Swiss Re kauft Aktien zurück

Auf Basis des Schlusskurses vom 30. April dürfte die Swiss Re maximal 20,4 Millionen Namenaktien oder 6,02 Prozent ihre Kapitals zurückkaufen.

Im Rahmen des Rückkaufprogramms wird an der Schweizer Börse SIX eine zweite Linie errichtet, auf der ausschliesslich die Swiss Re als Käuferin auftritt, wie dem am Freitag veröffentlichten Angebotsprospekt zu entnehmen ist.

Die Rückkaufspreise würden in Anlehnung an die Kurse der auf der ersten Linie gehandelten Namenaktien gebildet, heisst es. Der Rückkauf auf der zweiten Linie ab dem 6. Mai soll bis längstens am 18. Februar 2020 aufrechterhalten werden.

Über die Durchführung und den Startzeitpunkt der zweiten Tranche des Aktienrückkaufprogramms von 1 Milliarde Franken werde der Verwaltungsrat abhängig von der Entwicklung des Überschusskapitals der Gruppe im Jahr 2019 nach eigenem Ermessen später entscheiden. Die Swiss Re-Generalversammlung hatte dem Rückkaufprogramm Mitte April 2019 zugestimmt.

Wie die Swiss Re weiter bekannt gab, wird die Geschäftsleitung ausgebaut. Per Anfang Juli 2019 werden Personalchef Nigel Fretwell sowie Chefjurist Hermann Geiger neu Mitglieder der Geschäftsleitung. Mit der Ergänzung der beiden "ausgewiesenen Führungskräfte" werde die Bedeutung von Personalthemen sowie Recht und Compliance innerhalb des Unternehmens unterstrichen.

Gegen Mittag stand die Aktie 2,8 Prozent tiefer bei 94,84 Franken. Zum Handelsschluss blieb ein Minus von 3,06 Prozent bei 94,56 CHF zurück .

Zürich (awp) / Dow Jones

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Bildquelle: Swiss Re,Keystone

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