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Übernahmeplan 14.10.2019 22:25:37

Sunrise-Aktie unentschlossen: freenet weiterhin gegen UPC-Kauf - Liberty Global unterstützt bei der Kapitalerhöhung

Sunrise-Aktie unentschlossen: freenet weiterhin gegen UPC-Kauf - Liberty Global unterstützt bei der Kapitalerhöhung

Trotz der am heutigen Montag angekündigten Beteiligung von UPC-Mutter Liberty Global an der dafür geplanten Kapitalerhöhung sei der Kaufpreis nach wie vor "viel zu hoch", sagte freenet-Chef Christoph Vilanek am Montagvormittag der Nachrichtenagentur AWP.

Am Morgen hatte Liberty Global versprochen, sich im Rahmen des geplanten Verkaufs von UPC Schweiz mit bis zu 500 Millionen Franken an Sunrise zu beteiligen. Dadurch ändere sich an der Systematik des Deals jedoch "überhaupt nichts", sagte Vilanek. "Die Art der Finanzierung ist und bleibt falsch", so die Worte des freenet-CEO.

Im Klartext heisse der Schritt nichts anderes, als dass Liberty Global von dem Geld, dass sie durch den Deal erhalten würde, 500 Millionen wieder reinvestieren würde. "Die Bestandsaktionäre würden ihr Vermögen abgeben und Liberty Global dafür aufgrund des Discounts, der durch die Kapitalerhöhung entsteht, billig einsteigen."

Schlag ins Gesicht

Damit handle es sich um einen "Schlag in das Gesicht aller bestehenden Aktionäre". Die neuesten Entwicklungen zeigten, dass Sunrise nun auf den letzten Metern mit allen Tricks versuche, das Ruder rumzureissen, hiess es ergänzend in einem kurz nach dem Gespräch verschickten Statement von freenet.

Käme die Kapitalerhöhung zustände, so würde Liberty Global etwa einen Anteil von 7,8 Prozent an Sunrise erhalten. Der Schweizer Telekomkonzern hat Liberty Global für einen solchen Fall ausserdem einen Sitz im Verwaltungsrat des Unternehmens zugesagt.

UPC-Besitzerin Liberty Global will sich an Kapitalerhöhung beteiligen

Nun erhält Sunrise auch von Seiten der UPC-Besitzerin Liberty Global Unterstützung für die geplante Übernahme des Kabelnetzbetreibers. So habe der Konzern mit Sitz in London sich bereit erklärt, die Kapitalerhöhung mit einem Betrag von bis zu 500 Millionen Franken zu unterstützen, teilte Liberty Global am Montag mit.

Geschehen soll dies durch den Kauf von handelbaren Bezugsrechten sowie den anschliessenden Kauf von neu ausgegebenen Aktien. Eine vollständige Nutzung der Bezugsrechte hätte deutliche Konsequenzen auf die Eigentümerstruktur von Sunrise-Aktie. Zu aktuellen Marktpreisen würde Liberty Global dann nämlich einen Anteil von 7,8 Prozent am Schweizer Telekomkonzern halten.

Man habe sich aus diesem Grund darauf geeinigt, dass der britische Breitbandkonzern bei Sunrise einen Sitz im Verwaltungsrat erhalten werde, falls der Liberty-Anteil an Sunrise 5 Prozent übersteigen sollte, heisst es in dem Communiqué.

Ansonsten gebe es keine Änderungen an der Struktur der geplanten Kapitalerhöhung von 2,8 Milliarden Franken zu vermelden. Durch den Schritt sowie durch eine höhere Verschuldung will Sunrise den Kaufpreis von insgesamt 6,3 Milliarden Franken für UPC stemmen. Ursprünglich wollte Sunrise eine Kapitalerhöhung von 4,1 Milliarden Franken durchführen. Diese Pläne hat das Telekomunternehmen inzwischen revidiert.

Eine Beteiligung von UPC am Deal - wie nun angekündigt - war von verschiedener Seite her schon länger gefordert worden. Mit der Übernahme von UPC vom Kabelriesen Liberty Global will Sunrise Marktanteile gewinnen und damit dem Marktführer Swisscom zu Leibe rücken.

Man begrüsse die Beteiligung von Liberty Global an der Kapitalerhöhung, da dies die "überzeugende strategische und finanzielle Begründung" der Übernahme unterstreiche, wurde nun Sunrise-VRP Peter Kurer in einer separaten Meldung vom Montagmorgen zitiert. Dadurch werde letztlich auch das für den Zukauf notwendige finanzielle Engagement der bisherigen Sunrise-Aktionäre verringert.

Sunrise erhält Unterstützung von Glass Lewis für UPC-Deal

Der Telekommunikationskonzern erhält in seinen Bemühungen um die Übernahme von UPC weitere Unterstützung. Der Stimmrechtsberater Glass Lewis stellt sich wie zuvor schon "zRating" und Ethos hinter die Kapitalerhöhung für die Übernahme von UPC Schweiz, wie Sunrise am Sonntagabend mitteilte.

Man begrüsse die Unterstützung der Stimmrechtsberater zur Kapitalerhöhung, hiess es. Sie hätten anerkannt, dass der Zukauf im besten Interesse aller Aktionäre von Sunrise sei. Ausserdem sei man zufrieden damit, dass die beantragten Abwahlen des VR-Präsidenten Peter Kurer sowie des Präsidenten des Audit Committee, Jesper Ovesen, abgelehnt würden.

Zuvor hatte allerdings bereits der einflussreiche Stimmrechtsberater ISS empfohlen, die bis zu 2,8 Milliarden Franken schwere Kapitalspritze nicht anzunehmen. Sunrise würde zu viel zu bezahlen für eine Übernahme, deren langfristiger strategischer Nutzen fragwürdig erscheine, hatte es von Seiten ISS geheissen.

Bewertung von ISS sei fehlerhaft

Hierzu erklärte Sunrise in dem Communiqué nun, dass man überzeugt sei, dass die Bewertung durch ISS grundlegende Fehler enthalte und irreführend sei. Auch habe der Stimmrechtsberater beispielsweise Fakten wie die Glasfaserabdeckung von Swisscom oder die langfristige strategische Begründung der Transaktion falsch dargestellt.

Das Management von Sunrise empfehle den Aktionären daher weiterhin "dringend", der vorgeschlagenen Kapitalerhöhung von 2,8 Milliarden Franken zuzustimmen. Damit und durch eine höhere Verschuldung soll der Kaufpreis von insgesamt 6,3 Milliarden Franken für UPC gestemmt werden. Ursprünglich wollte Sunrise eine Kapitalerhöhung von 4,1 Milliarden Franken durchführen. Diese Pläne hat das Telekomunternehmen inzwischen revidiert.

Dennoch gibt es weiter Widerstand gegen den UPC-Deal. So will insbesondere der grösste Sunrise-Aktionär freenet mit einem Anteil von 24,5 Prozent dagegen stimmen.

In der Wochenendpresse hatte VR-Präsident Kurer verlauten lassen, dass er im Falle einer Ablehung des Deals eine Destabilisierung des Unternehmens befürchtet. Auch hätte ein solcher Schritt für ihn persönlich Konsequenzen: "Ich würde abgewählt", betonte er.

Sunrise-Aktien reagieren unentschlossen auf Zugeständnis von UPC-Mutter Liberty

Einige Anleger begrüssen, dass sich der Kabelkonzern Liberty Global nun mit bis 500 Millionen Franken an Sunrise beteiligen will, doch bleibt nach wie vor unklar, ob der Deal zustande kommen wird.

Die Sunrise-Aktie hatte am Montag zunächst geschwächelt, bis zum Mittag konnte sie aber um 0,31 Prozent zulegen auf 80,50 Franken. Zum Handelsschluss notierte sie unverändert bei 80,25 Franken.

In Analystenkreisen wird die Zusage von Liberty Global grundsätzlich begrüsst. Es sei bei Firmentransaktionen vom Kaliber von UPC Schweiz eigentlich üblich, dass sich die Verkäuferin an der Finanzierung beteilige. Weshalb die UPC-Mutter Liberty Global nicht schon von Beginn weg Hand dazu geboten habe, sei daher unverständlich.

Einige Analysten bleiben jedoch auch weiterhin skeptisch, ob die Sunrise-Aktionäre die Übernahme von UPC Schweiz an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 23. Oktober durchwinken. So schreibt die Bank Vontobel in einem Kommentar, dass sie nach wie vor davon ausgehe, dass das Ergebnis knapp ausfallen werde.

Erst am vergangenen Donnerstag hatte sich der bekannte Stimmrechtsberater ISS gegen die Übernahme von UPC Schweiz durch Sunrise ausgesprochen und den Kaufpreis als "übertrieben hoch" bezeichnet. ISS hält einen Kaufpreis zwischen 4,6 und 5,2 Milliarden Franken für angemessen. Im Gegensatz dazu hatte sich am Wochenende - wie zuvor schon "zRating" und Ethos - Glass Lewis hinter die Kapitalerhöhung gestellt.

Derweil drehte sich die Diskussion in letzter Zeit vor allem um den Wert des UPC-Netzwerks vor dem Hintergrund der hierzulande allgemein steigenden Glasfaserabdeckung. Einige Stimmen erklärten, dass Sunrise im Rahmen des Deals für das UPC-Netz zu viel bezahlen würde. "Wir sind anderer Meinung und betrachten das Netz der UPC als zukunftssicher, da es bereits heute Geschwindigkeiten von mehr als 2,5Gbit/s bietet", schreibt nun Vontobel.

Zürich (awp)

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Bildquelle: SEBASTIAN DERUNGS/AFP/Getty Images,Keystone

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