Stadler Rail Aktie 217818 / CH0002178181
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| Erpressungsvorwurf |
17.08.2026 17:58:00
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Stadler Rail als Opfer: Angeklagter bestreitet Beteiligung an Ransomware-Angriff - Aktie in Rot
Ein in Zürich angeklagter Softwareentwickler hat zum Auftakt des Prozesses wegen mutmasslicher Erpressung alle Vorwürfe zurückgewiesen.
Er habe so etwas nie getan, sagte der Beschuldigte am Montag vor dem Bezirksgericht Zürich. Der in der Schweiz wohnhafte Ukrainer bestritt eine Beteiligung an Cyberangriffen sowie die Entwicklung der dabei verwendeten Erpressersoftware.
Millionenschäden bei Schweizer Unternehmen
Der Beschuldigte soll als zentraler Entwickler und Organisator internationaler Cyberangriffe agiert haben. Über mehrere Jahre hinweg drang eine kriminelle Gruppierung unter seiner Mitwirkung in Unternehmensnetzwerke ein. In der Schweiz zählten neben Stadler Rail der Haustechnikspezialist Meier Tobler und Crealogix zu den Opfern. Den betroffenen Unternehmen entstanden durch Betriebsunterbrüche, Datenverluste und Sanierungen Schäden in Millionenhöhe.
Bei den Erpressungsversuchen gingen die Täter gezielt vor. Sie verschafften sich Zugang zu den Systemen, schalteten Überwachungsprozesse ab und verschlüsselten anschliessend Server sowie Arbeitsplatzrechner. Beim Angriff auf Stadler Rail entwendete der Beschuldigte zudem rund 500 Gigabyte an vertraulichen Daten. Mit der Drohung, diese im Internet zu veröffentlichen, sollte der Druck auf das Unternehmen erhöht werden. Trotz der Erpressung verweigerten Firmen wie Stadler Rail und Meier Tobler die geforderten Lösegeldzahlungen.
Entwicklung von Erpressersoftware
Laut Anklageschrift entwickelte der Informatiker die Erpressersoftware «Lockergoga» weitgehend selbstständig im Auftrag eines Mitbeschuldigten aus Moskau. Später wirkte er an der Entstehung der Schadsoftware «Megacortex» mit. Zudem übernahm der Mann bei der Entwicklung eines weiteren Werkzeugs namens «RMS» eine führende Rolle als Projektleiter.
Kryptowährungen zur Geldwäsche
Für seine Tatbeiträge erhielt der Beschuldigte laut Staatsanwaltschaft erhebliche Beträge in Kryptowährungen. Um die Herkunft der Gelder im Umfang von mindestens 490'000 Franken zu verschleiern, soll er spezialisierte Krypto-Mixer genutzt, Hunderte verdeckte Transaktionen durchgeführt und Digitalwährungen über verschiedene Handelsplattformen getauscht haben. Ein Teil des Geldes floss demnach auf Schweizer Bankkonten, um den Lebensunterhalt zu finanzieren.
Als Ersatzforderung für den unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil fordert die Staatsanwaltschaft die Ablieferung verschiedener Kryptocoins oder eine Zahlung von 1,8 Millionen Franken. Zudem sollen beschlagnahmte Bargeldbestände sowie gesperrte Bankguthaben des Beschuldigten zur Deckung der Verfahrenskosten herangezogen oder als Deliktserlös eingezogen werden.
Zürcher Staatsanwalt fordert lange Freiheitsstrafe für Hacker
Die Zürcher Staatsanwaltschaft fordert für den ukrainischen Softwareentwickler eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren sowie eine ebenso lange Landesverweisung. Ihm wird vorgeworfen, zentraler Entwickler krimineller Erpressersoftware wie "Lockergoga" gewesen zu sein. Zu den betroffenen Opfern in der Schweiz gehören unter anderem Stadler Rail, Meier Tobler und Crealogix. Die Anklage listet weitere Firmen im Ausland auf, die ebenfalls betroffen waren.Verteidigung rügt Beweise
Die Verteidigung forderte den Beizug weiterer Akten aus anderen Verfahren und stellte die Verwertbarkeit der digitalen Beweismittel infrage. Es fehle an einer lückenlosen Dokumentation der gesicherten Rohdaten.
Den betroffenen Firmen entstanden durch die Verschlüsselungen und Betriebsunterbrüche Schäden in Millionenhöhe. Der Beschuldigte befindet sich bereits seit Oktober 2021 in Haft.
Zürcher Staatsanwalt sieht Ransomware als russische Strategie
Am Prozess gegen einen mutmasslichen Hacker in Zürich hat der Staatsanwalt Cyberangriffe auf westliche Firmen wie den Ostschweizer Zugbauer Stadler Rail mit Russlands Strategie verknüpft. Der Hintermann des Beschuldigten soll mit dem russischen Geheimdienst kooperiert haben - und starb bei einem Fenstersturz.
Schadsoftware-Angriffe auf westliche Unternehmen dienen auch dazu, Unruhe zu stiften und gezielt Schaden anzurichten. Dies führte der Staatsanwalt am Montag vor dem Bezirksgericht Zürich gegen Ende seines Plädoyers aus.
Die Interessen von Cyberkriminellen und staatlichen Akteuren würden sich in dem Bereich überschneiden. Der mutmassliche Drahtzieher im Fall des ukrainischen Beschuldigen soll mit dem russischen Geheimdienst FSB kooperiert haben. Er kam im Februar 2022 bei einem Fenstersturz in Moskau unter nicht näher geklärten Umständen ums Leben. Hinweise auf direkte Verbindungen des beschuldigten Entwicklers zu russischen Diensten bestehen laut der Anklage jedoch nicht.
Das Verfahren vor dem Bezirksgericht Zürich stiess auf breite Aufmerksamkeit. Der Gerichtssaal war von zahlreichen Medienschaffenden sowie Publikum vollständig besetzt. Beim Zugang zum Gerichtssaal galten strenge Sicherheitskontrollen mit Metalldetektoren.
Die Stadler Rail-Aktie verlor an der SIX letztlich 1,89 Prozent auf 23,82 Franken.
Zürich (awp/sda)
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