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Musks Ziele im Fokus 12.08.2026 22:06:00

SpaceX-Aktie: SemiAnalysis hält Musks KI-Pläne für realistisch

SpaceX-Aktie: SemiAnalysis hält Musks KI-Pläne für realistisch

Ein Forschungsteam hält Elon Musks Plan für milliardenschwere Rechenkapazitäten für plausibel, und Microsoft spielt dabei eine zentrale Rolle.

  • SpaceX will seine KI-Rechenkapazität binnen kurzer Zeit massiv ausbauen
  • Ein Forschungsteam sieht Microsoft als möglichen Hauptabnehmer der Kapazitäten
  • Die Finanzierung soll über mehrere Wege gesichert sein

SpaceX-Chef Elon Musk hat bei der ersten Telefonkonferenz zu Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen ambitionierte Pläne für den Ausbau der KI-Rechenkapazität skizziert. Das Forschungsteam von SemiAnalysis hält diese Pläne für plausibel und sieht in Microsoft einen möglichen Hauptabnehmer, der davon selbst erheblich profitieren könnte.

Musks Ziele auf dem Prüfstand

Bei der Telefonkonferenz zu den Zahlen des zweiten Quartals 2026 Anfang August kündigte Musk an, die KI-Rechenkapazität seines Raumfahrtunternehmens SpaceX von aktuell rund 1,4 Gigawatt im kommenden Jahr um etwa 6 bis 8 Gigawatt zu erweitern, mit der Möglichkeit, die Marke von 10 Gigawatt zu überschreiten. Das Forschungsteam von SemiAnalysis um Jeremie Eliahou Ontiveros, Reyk Knuhtsen und Jordan Nanos bezeichnete diese Ankündigung in einem Beitrag auf der Unternehmensseite als erneuten Schock für die Branche, hält die Ziele aber für erreichbar.

Nach Berechnungen des Teams erfordere ein Ausbau auf 10 Gigawatt bis Ende 2027 Investitionen zwischen 300 und 500 Milliarden US-Dollar, vergleichbar mit den erwarteten Ausgaben von Amazon und Alphabet in diesem Bereich. Kurzfristig verfügbare, grossflächige Rechenleistung sei so knapp, dass sie mit einem Aufschlag von bis zu 50 Milliarden US-Dollar pro Gigawatt und Jahr gehandelt werde. Laut dem Tokenomics-Modell und dem Inference Simulator von SemiAnalysis könnten KI-Labore wie OpenAI und Anthropic bei entsprechender Auslastung mehr als 100 Milliarden US-Dollar Umsatz pro Gigawatt und Jahr erzielen, wenn sie Inferenz-Dienste auf modernen Chip-Clustern anbieten.

Microsofts Rolle als möglicher Hauptabnehmer

Neben OpenAI und Anthropic nennt SemiAnalysis ein drittes Unternehmen, das eine vergleichbare Ökonomie pro Gigawatt erreichen könnte: Microsoft. Durch den vollen Zugang zu OpenAI-Modellen im Rahmen einer im April 2026 überarbeiteten Vereinbarung, die eine frühere Umsatzbeteiligung gestrichen habe, könne der Softwarekonzern ähnliche Umsätze und Margen erzielen wie die etablierten KI-Labore, ohne deren Trainingskosten zu tragen. Für Microsoft ergebe sich daraus ein starker Anreiz, so viele Megawatt wie möglich so schnell wie möglich zu sichern.

Das Forschungsteam schätzt, dass sich das Wachstum von Microsoft Azure dadurch von rund 42 Prozent im laufenden Jahr auf über 100 Prozent im kommenden Jahr beschleunigen könnte. Als plausibel gilt in diesem Zusammenhang ein Vertrag über 3 Gigawatt zwischen Microsoft und SpaceX, da Microsoft im laufenden Jahr bereits Verträge über 10 Gigawatt mit einem Gesamtvolumen von mehr als 300 Milliarden US-Dollar abgeschlossen habe. Eine 90-tägige Kündigungsfrist, wie sie auch bei SpaceX-Verträgen mit Anthropic und Google gelte, minimiere dabei laut SemiAnalysis das Bilanzrisiko für Microsoft.

Finanzierung und Marktreaktion bei der SpaceX-Aktie

Die Finanzierung der milliardenschweren Investitionen sieht das Team über zwei Wege gesichert: eine Händlerfinanzierung durch NVIDIA, die auch den exklusiven Einsatz von NVIDIA-Chips erklären würde, sowie eine Refinanzierung über den operativen Cashflow. Bei Premiumpreisen von 30 bis 50 Millionen US-Dollar pro Megawatt und Jahr amortisierten sich die Investitionskosten nach dieser Rechnung demnach in weniger als einem Jahr. Daraus leitet SemiAnalysis einen möglichen Pfad zu 300 Milliarden US-Dollar wiederkehrendem Jahresumsatz für SpaceX bis Ende 2027 ab, sofern die Hälfte der 2027 hinzukommenden Kapazität kommerziell genutzt wird und der Rest dem Training eigener KI-Modelle dient.

Analysten zeigten sich mit Blick auf die SpaceX-Aktie zuvor gespalten. Von den 32 im Konsens erfassten Analysten stufen 24 die Aktie mit Buy ein, sechs mit Hold und zwei mit Sell, bei einem mittleren Kursziel von 227,57 US-Dollar.

Morgan Stanley sieht Kursziel von 600 US-Dollar

Noch weiter geht Morgan Stanley-Analyst Adam Jonas: In seinem Bull-Case-Szenario hält er ein Kursziel von 600 US-Dollar für die SpaceX-Aktie für möglich, was einer Marktbewertung von rund 8 Billionen US-Dollar entspräche. Jonas hatte die Coverage Anfang Juli mit einem Overweight-Rating und einem Kursziel von 300 US-Dollar aufgenommen und bestätigte diese Einschätzung zuletzt. Voraussetzung für das obere Szenario sei laut Jonas, dass SpaceX mit der vollständig wiederverwendbaren Rakete Starship die Kosten für den Aufbau von KI-Rechenkapazität im Orbit auf die Hälfte des aktuellen Niveaus senken könne. Zusätzlich rechnet das Bull-Case-Modell damit, dass Starlink sein Geschäft über den klassischen Internetzugang hinaus ausweitet und bis 2040 mehrere Hundert Millionen bis Milliarden KI-gestützte Roboter als Abonnenten gewinnt.

Die Spannbreite der Wall-Street-Einschätzungen bleibt jedoch gross: Während etwa Raymond James-Analyst Brian Gesuale mit 800 US-Dollar sogar über Jonas' Bull-Case liegt, sehen Analysten von CFRA und Phillip Securities die Aktie bei 115 beziehungsweise 75 US-Dollar deutlich niedriger bewertet. Besonders kritisch äussert sich das Analysehaus Morningstar, das den Kernwert aus Raketenstarts und Starlink auf lediglich rund 40 US-Dollar pro Aktie taxiert und einem optimistischen "Moonshot"-Szenario von 154 US-Dollar nur eine Wahrscheinlichkeit von 7 Prozent zuschreibt. Kritiker verweisen zudem darauf, dass die milliardenschweren Investitionen in die KI-Sparte bislang hohe Verluste verursachen, während Kunden ihre Kapazitätsverträge mit einer Frist von nur 90 Tagen kündigen können - ein Risiko, das auch SemiAnalysis in seiner Analyse zum Bilanzrisiko der Vertragspartner thematisiert.

Ob sich die von SemiAnalysis skizzierte Microsoft-Partnerschaft in konkreten Vertragsabschlüssen niederschlägt, dürfte sich in den kommenden Quartalsberichten beider Unternehmen zeigen. Bis dahin bleibt die Analyse eine Einordnung externer Beobachter, keine offizielle Bestätigung von SpaceX oder Microsoft.

Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.ch

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