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Erwartungen erfüllt 08.01.2019 17:48:36

Sika-Aktie trotz Umsatzrekord im Minus - Angebot zur Übernahme des Mörtelherstellers Parex unterbreitet

Sika-Aktie trotz Umsatzrekord im Minus - Angebot zur Übernahme des Mörtelherstellers Parex unterbreitet

Für 2,5 Milliarden Franken schnappen sich die Innerschweizer den Mörtelproduzenten Parex. Damit wächst das sehr profitable Mörtelgeschäft bei Sika um mehr als das Doppelte. Das ist der grösste Deal in der mehr als 100-jährigen Geschichte des Unternehmens.

Bis vor wenigen Monaten noch steckte Sika in einem Abwehrkampf gegen den Verkauf an Saint Gobain. Im Mai beendeten die involvierten Parteien ihren langjährigen Streit um die Kontrolle des Unternehmens. Seither ist die französische Konkurrentin, die ebenfalls im Mörtelgeschäft tätig ist, mit 10 Prozent an Sika beteiligt.

Und diese Saint-Gobain ist die Weltmarktführerin für Mörtelprodukte. 2017 setzten die Franzosen mit Fertigmörtel, Produkten für die Fliesenverlegung und Bodenbelägen rund 2,3 Milliarden Euro um. Mit dem Kauf von Parex holt Sika nun kräftig auf: Sika wächst in diesem Bereich auf rund 2,3 Milliarden Franken. Insgesamt erreicht die Sika-Gruppe mit dieser Akquisition einen Umsatz von rund 8,3 Milliarden Franken.

Sika selbst forciert den Aufbau des Geschäftsbereiches Mörtel erst seit rund acht Jahren gezielt. Dieser gehört nach eigenen Angaben zu den fünf Kerntechnologien des Konzerns. Nach Abschluss der Parex-Transaktion wird Sika mit Mörtel bereits 27 Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaften.

Appetit vorerst gestillt

Den Aktionär und Konkurrenten Saint Gobain habe man erst am Vorabend informiert, sagte Konzernchef Paul Schuler am Dienstag vor den Medien. In Paris habe man die Neuigkeit "gelassen" aufgenommen - wohl auch im Wissen, dass man selber aus kartellrechtlichen Überlegungen wohl kaum zum Zuge gekommen wäre. "Sie wissen jetzt, dass ihre Konkurrenz stärker wird", stellte Schuler fest.

Noch befindet sich Parex im Besitz der Private-Equity-Gesellschaft CVC Capital Partners. Die Übernahme erfolget gestaffelt. Geben der französische Betriebsrat und die Aufsichtsbehörden grünes Licht, dürfte die Transaktion im zweiten oder dritten Quartal 2019 abgeschlossen sein.

Sika finanziert die Übernahme mit einem Überbrückungskredit von UBS und Citibank. Für die Aktionäre soll die Transaktion ab dem ersten Jahr wertsteigernd sein.

Üblicherweise kauft Sika über das Jahr hinweg mehrere, kleinere Mitbewerber. 2018 etwa waren es deren vier. Darum gilt es den Happen Parex jetzt aber erst einmal zu verdauen. "Jetzt gibt es wohl eine Pause bei den grossen Deals", erklärte Konzernchef Schuler. Er erteilte auch den Spekulationen, Sika könnte sich bald auch das Bauchemiegeschäft des Mitbewerbers BASF einverleiben, eine Absage. Dieses steht seit letztem Oktober zum Verkauf.

Umsatz erstmals über 7 Milliarden

Gleichzeitig machte Sika erste Angaben zum Geschäftsjahr 2018. Der Umsatz in Lokalwährungen stieg um 13,7 Prozent auf 7,09 Milliarden Franken, womit die Erwartungen der Analysten erfüllt wurden. Gerade die gezielte Ausrichtung auf Grossstädte zur Nutzung der Urbanisierung hat sich laut Sika bezahlt gemacht.

Für das Gesamtjahr 2018 stellt der Konzern einen operativen Gewinn EBIT von 940 bis 960 Millionen Franken in Aussicht. Für das gerade angelaufene Jahr 2019 rechnet Sika mit einem Umsatzplus von 6 bis 8 Prozent sowie einer überdurchschnittlichen Gewinnsteigerung.

Sämtliche Konzernregionen seien gewachsen und hätten ihre Marktanteile ausgebaut. Dabei habe sich die gezielte strategische Ausrichtung auf Grossstädte zur Nutzung der Urbanisierung bezahlt gemacht, resümierte Sika. Daneben habe man vier Firmenübernahmen getätigt, elf neue Fabriken gegründet sowie eine neue Ländergesellschaft gegründet.

Das stärkste Wachstum gelang Sika mit 14,2 Prozent in der Region Europa, Naher Osten und Afrika. Die neu gebildete Region Americas verzeichnete 2018 ein Umsatzwachstum von 11,7 Prozent und in der Region Asien/Pazifik nahm der Absatz um 5,5 Prozent zu.

Bank Vontobel ändert Rating-Ausblick auf "developing"

Die Bank Vontobel hat den Ausblick zum Kreditrating der Sika Gruppe von "stabil" auf "developing" gewechselt. Die Anpassung erfolge im Zuge der Akquisition der französischen Parex für 2,5 Milliarden Franken, schreiben die Analysten am Dienstag in ihrem Kommentar. Das Kreditrating zu Sika lautet "A-".

Sika-Aktien nach Margenenttäuschung im Minus

Wenngleich die Akquisition von Experten mehrheitlich gelobt wurde, schickte die Börse die Sika-Papiere bis 13 Uhr um rund 3 Prozent nach unten. Bis zum Börsenschluss verlieren die Aktien 3,99 Prozent auf 120,40 Franken prp Anteilsschein. Als Hauptgrund galten die neusten Aussagen zur Profitabilität im letzten Jahr, die deutlich unter den Erwartungen lagen. Vor allem anziehende Rohmaterialkosten, der starke Schweizer Franken sowie verschiedene Einmalkosten, wie etwa für die Beilegung des Übernahmestreites, hatten die Rechnung stärker belastet.

Sika rechnet für 2018 mit einem operativen Gewinn (EBIT) in Höhe von 940 bis 960 Millionen Franken, wie das Unternehmen am Dienstag vorbörslich meldete. "Das ist rund 4,5 Prozent unter dem Konsens", kommentiert die Bank Vontobel diese Bandbreite.

Händlern zufolge konnten sich die Aktien von den letztjährigen Jahrestiefstkursen bei 112,70 Franken nach oben lösen. Allerdings sei das Geschehen über weite Strecken von Margenängsten begleitet worden, so lautet der Tenor.

Die Experten sind sich über die Gründe für das tiefere Ergebnis einig. Unisono werden die vermutlich höheren Rohmaterialkosten genannt. Der Analyst von Baader Helvea relativiert diese allerdings: So habe das Management noch im letzten November signalisiert, dass es 2019 die gestiegenen Rohstoffkosten über Preiserhöhungen werde weitergeben können, heisst es in diesem Kommentar. Er rechnet daher nicht mit einer Revision der Schätzungen im grossen Stil und bleibt selber für die Papiere positiv eingestellt ('Buy').

Der Experte der ZKB sieht die Margenenttäuschung nebst den Rohstoffpreisen auch als eine Folge von Währungseffekten und Kosten im Zusammenhang mit der ebenfalls am Morgen angekündigten Übernahme des Unternehmens Parex.

Diese wird zum Teil positiv gesehen. "Die Übernahme werten wir aufgrund der hohen Margen und des Kaufpreises als attraktiv", schreibt die ZKB und verweist auch auf den "überzeugenden Leistungsausweis" der Gesellschaft in Sachen Akquisitionen. Auch bei der UBS wird der Deal wegen der potentiellen Gewinnverdichtung positiv gewürdigt. Und bei Baader Helvea heisst es kurz und knapp: "Wir mögen diesen Deal."

Es gibt jedoch auch Kritik. Einige Experten zeigen sich irritiert, dass Sika von der bisherigen Strategie kleinerer, ergänzender und dadurch "gut verdaubarer" Firmenzukäufe abweicht. Wie es heisst, sei das Unternehmen mit dieser Strategie in den letzten Jahren ziemlich gut gefahren. Parex würde hingegen rund 17 Prozent zum Sika-Umsatz beisteuern und wäre somit alles andere als eine Ergänzungsakquisition.

Baar (awp)

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Bildquelle: Keystone,Sika AG

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