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Vitamine aus der Schweiz 20.01.2021 21:03:00

Roche: Eine Konzerngeschichte

Roche: Eine Konzerngeschichte

Vor mehr als 120 Jahren begann im schweizerischen Basel die Erfolgsgeschichte eines der heute grössten Pharmaunternehmen der Welt - Roche.

Roche
295.94 CHF -1.79%
• Die industrielle Medikamenten-Produktion beginnt
• Mit Vitaminen zum Weltkonzern
• Nachfahren haben immer noch die Kontrolle

Am 1. Oktober 1896 gründete Fritz Hoffmann-La Roche im Alter von 28 Jahren seine gleichnamige Firma und begann mit der Entwicklung industriell herstellbarer Arzneimittel. 2019 beschäftigte Roche rund 98'000 Mitarbeiter und erzielte einen Jahresumsatz von 61,5 Milliarden CHF.

Roche - Die ersten Schritte zum Erfolg

Das erste von Roche angemeldete Patent brachte ein Schilddrüsenpräparat namens Aiodin auf den Markt. Ausserdem setzte man grosse Hoffnungen auf das Wundantiseptikum Airol und wollte damit auch in Deutschland durchstarten. Hierfür wurde der erste deutsche Standort im badischen Grenzach aufgebaut. Bis 1910 wurde Grenzach weiter ausgebaut und zu einem der Hauptproduktionsstandorte des Unternehmens.

Neben dem ersten Herzmedikament mit der Bezeichnung Digalen, bemühten sich Fritz Hoffmann und sein Geschäftspartner Carl Meerwein um die Internationalisierung ihres Unternehmens. Neben Mailand wurden aus diesem Grund auch in New York, St. Petersburg und London verschiedene Tochtergesellschaften gegründet.

Neben Digalen fanden auch die beiden Schmerz- und Schlafmittel Pantopon und Sedobrol grossen Anklang bei vielen Ärzten und blieben teilweise bis in die 60er-Jahre auf dem Markt. 1914 hatte Roche bereits mehr als 700 Mitarbeiter, die für die gegründeten Tochtergesellschaften auf der ganzen Welt arbeiteten.

Schon früh erkannten die Verantwortlichen bei Roche, wie fruchtbar eine Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern sein kann. Bis 1915 waren deswegen alle neuen Entwicklungen ein Ergebnis dieser Kooperationen.

Schwere Zeiten für Roche

Vor allem der Erste Weltkrieg führte für Roche nur knapp an der Insolvenz vorbei. Insbesondere der Boykott aller Roche-Produkte sowie ein Exportverbot chemischer Produkte in Deutschland und der Ausbruch der russischen Revolution ab März 1917 führten dazu, dass das Unternehmen in grosse finanzielle Schwierigkeiten geriet. Aus diesem Grund wurde die Firma 1919 in eine Aktiengesellschaft, die F. Hoffmann-La Roche AG, umgewandelt. Nur ein Jahr später, am 18. April 1920, verstarb Gründer Fritz Hoffmann in seiner Geburtsstadt Basel.

Doch bessere Zeiten liessen nicht lange auf sich warten - vor allem für die Mitarbeiter. 1921 gründete Roche eine Pensionskasse für alle Büro und Industrieangestellten. Der neue Firmenchef Emil Barell richtete ausserdem einen speziellen Fonds für Geschenke an Mitarbeiter ein, die 25 Jahre für Roche tätig waren.

Auch für Frauen war Roche schon seit den 1920er-Jahren eine gute Anlaufstelle. Eine für die damalige Zeit wahre Sensation, war die Ernennung der Wirtschaftswissenschaftlerin Alice Keller zur Leiterin von Roche in Japan. 1939 kehrte sie als Direktorin in ihre Heimat Basel zurück.

Mit Vitaminen durch den Zweiten Weltkrieg und darüber hinaus

Die Entwicklung und Produktion verschiedener Vitamin-Präparate ermöglichten es Roche, wieder an die erfolgreichen Zeiten von vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs anzuknüpfen und zum Weltmarktführer für Vitamine aufzusteigen. Vor allem der amerikanische Markt spielte in dieser Zeit eine bedeutende Rolle, auch wegen des Schlaf- und Beruhigungsmittels Allonal.

Nach 1945 sollte die Abhängigkeit vom Vitamingeschäft zurückgefahren werden. Aus diesem Grund steigerte der Konzern seine Investitionen in die Erforschung neuer Medikamente. Aber auch in der Kosmetikbranche versuchte Roche mit der Pantene AG Fuss zu fassen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte Roche bereits über 4'000 Mitarbeiter.

Mit dem Medikament Fluorouracil im Jahr 1962 gelang Roche der Durchbruch im Segment der Krebs-Chemotherapie. Ebenfalls in den 60er-Jahren startete der Verkauf von Valium mit dem Wirkstoff Diazepam und seiner beruhigenden und angstlösenden Wirkung. Es war für viele Jahre, das meistverkaufte Medikament der Welt.

Die 60er-Jahre waren ausserdem von einem enormen Wachstum geprägt. Nach der erfolgreichen Übernahme des Unternehmens Givaudan S.E., Marktführer im Bereich der Riechstoffe und Aromen, eröffnete Roche zahlreiche neue Standorte auf der ganzen Welt. 1965 arbeiteten schon 19'000 Menschen für den Pharmakonzern, während es 1953 noch 7'000 Mitarbeiter waren.

Das Unglück von Seveso

13 Jahre nach der Übernahme von Givaudan S.E. ereignete sich 1976 ein Chemie-Unfall in einem Werk des Unternehmens bei Seveso. Es ist das bis heute grösste Chemie-Unglück Europas mit über 200 Verletzten und schweren Umweltschäden. Neben einer zu späten Schliessung des Werks sah sich Roche auch noch mit Vertuschungsversuchen konfrontiert.

Erst viele Jahre nach diesem Unglück entschädigte das Unternehmen die Betroffenen Menschen und Gemeinden, wie es Kramer, Braun und Bendels in ihrem Buch "Der Chemieunfall von Soveso" schreiben. Auf der Internetseite von Roche heisst es dazu allerdings: "Roche und Givaudan sind von Anfang an bemüht, den verursachten Schaden wieder gutzumachen. Sie stehen den italienischen Behörden bei der schwierigen und Jahre andauernden Bewältigung der Folgen der Katastrophe zur Seite."

Die Roche Pharma AG heute

1986 gründete sich die Roche Holding AG was zu einer Optimierung der Konzernstruktur beitrug. In den 90er-Jahren brachte Roche ausserdem neue Medikamente zur Behandlung von HIV und Krebs auf den Markt.

2019 stand ein Konzerngewinn von 14,1 Milliarden CHF in den Büchern des Weltkonzerns. Inzwischen ist Roche in über 100 Ländern tätig und investiert Milliarden in die Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente.

Die Kapitalstruktur von Roche wies zum 31. Dezember 2019 einen Anteil von 81,5 Prozent an Genussscheinen und 18,5 Prozent an Inhaberaktien aus. Die Genussscheine von Roche sind stimmrechtslose Aktien. Die Stimmrechtsaktien werden zu 45 Prozent von einer stimmrechtsverbundenen Aktionärsgruppe gehalten. Diese besteht neben den Nachfahren des Gründers Fritz Hoffmann auch aus der gemeinnützigen Stiftung Wolf sowie der Artuma Holding AG. Grösster Einzelaktionär mit Stimmrecht ist der Pharmariese Novartis.

Felix Spies / Redaktion finanzen.ch

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