23.12.2016 15:26:41

Neuordnung der Netzentgelte soll bald ins Kabinett

   Von Stefan Lange

   BERLIN (Dow Jones)--Die unter den Betreibern umstrittene Neuregelung der Netzentgeltstruktur geht in die Endphase. Die Verbändeanhörung sei abgeschlossen, der entsprechende Gesetzentwurf befinde sich "in der finalen Bearbeitung", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Freitag in Berlin. "Wir gehen davon aus, dass er jetzt zügig ins Kabinett kommt", ergänzte die Sprecherin.

   Dem Ministerium sei bewusst, dass es im Norden und Osten Deutschlands zu höheren Netzentgelten komme, sagte die Sprecherin. Dazu sei man mit den Bundesländern seit einiger Zeit im Gespräch. Ziel der Bemühungen sei es, regionale Unterschiede bei den Netzentgelten zu verringern und zu einer fairen Lastenverteilung zu kommen. Deshalb sei vor einiger Zeit der Gesetzentwurf zur Modernisierung der Netzentgeltstruktur erarbeitet worden.

Unterschiede abbauen Zum einen gehe es darum, die Übertragungsnetzentgelte zu vereinheitlichen, sagte die Sprecherin. Zweitens sollen die sogenannten vermiedenen Netzentgelte abgeschmolzen werden. Beides diene dazu, die Unterschiede bei den Netzentgelten zu verringern.

   Vermiedene Netzentgelte sind Entgelte, die Betreiber von kleinen, dezentralen Erzeugungsanlagen von dem Verteilnetzbetreiber erhalten, in dessen Netz sie einspeisen. Das Entgelt entspricht dem Netzentgelt, das durch die Einspeisung in der vorgelagerten, grösseren Übertragungsnetzebene vermieden wurde.

   Das Entgelt wird aus den Netznutzungsgebühren der Verbraucher finanziert. Es steigt nach Ministeriumsangaben kontinuierlich und nähert sich einem Anteil von 10 Prozent der gesamten Netzkosten in Deutschland.

Berechnungsgrundlage einfrieren Um dem entgegenzuwirken, soll die Berechnungsgrundlage für vermiedene Netzentgelte zunächst auf dem Stand des Jahres 2015 "eingefroren" werden. Dadurch wird nach Auffassung des Ministeriums verhindert, dass ein Anstieg der Netzentgelte die vermiedenen Netzentgelte weiter erhöht. Ausserdem sollen die Offshore-Anbindungskosten keinen Einfluss mehr auf deren Höhe haben. Die verbleibenden Zahlungen an dezentrale Anlagenbetreiber sollen schrittweise über einen Zeitraum von zehn Jahren auslaufen.

   Deutschland wird von vier Grossnetzbetreibern versorgt, hinter den Kulissen tobt ein harter Kampf. Weil im Bereich von Tennet und 50 Hertz besonders viele Windräder stehen, müssen sie viel häufiger in das Netz eingreifen, um es vor einem Stromausfall zu bewahren. Deshalb sind die Aufwände dafür dort viel höher als bei Amprion und Transnet BW, wie sich auch in den viel steileren Aufschlägen sehen lässt. Deshalb plädieren Tennet und 50 Hertz für bundesweit einheitliche Netzentgelte. Bei Amprion und Transnet BW stossen diese Pläne hingegen auf wenig Gegenliebe.

   Die Übertragungsnetzbetreiber transportieren den Strom mit ihren Hochspannungsleitungen über grosse Distanzen und halten das Netz stabil. Wegen des raschen Ausbaus von Windkraft und Solaranlagen müssen die Betreiber immer häufiger in das Netz eingreifen und Ökostromanbieter entschädigen. Und das kostet Geld. Im vergangenen Jahr war es über eine 1 Milliarde Euro.

   (Mitarbeit: Christian Grimm)

   Kontakt zum Autor: stefan.lange@wsj.com)

   DJG/stl/ros

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   December 23, 2016 08:55 ET (13:55 GMT)

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