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Ausblick bestätigt 18.04.2019 17:59:00

Nestlé wächst im ersten Quartal 2019 organisch um 3,4 Prozent - Aktie fester

Nestlé wächst im ersten Quartal 2019 organisch um 3,4 Prozent - Aktie fester

Der Start ins neue Jahr ist dem weltgrössten Nahrungsmittelkonzern jedenfalls schonmal geglückt. Mit einem ansehnlichen Wachstum trotz schwächeren Feiertagsrückenwind überraschte Nestlé Analysten und Anleger.

Der Hersteller von Cailler-Schokolade, Nespresso-Kaffee und Purina-Tierfutter setzte im ersten Quartal insgesamt 22,2 Milliarden Franken um, das ist ein Plus von 4,3 Prozent. Dazu trugen auch Zukäufe bei, während Wechselkurseffekte den Umsatz leicht schmälerten. Ohne diese Effekte betrug das in der Branche entscheidende Wachstum aus eigener Kraft 3,4 Prozent.

Weil die Feiertage für dieses Quartal eher ungünstig fielen - so steht Ostern erst noch bevor - hatten Analysten gemäss einer Umfrage der Nachrichtenagentur AWP im Schnitt gerademal mit 2,6 Prozent gerechnet. Allerdings dämpfte Konzernchef Mark Schneider an einer Telefonkonferenz die Erwartungen: "Unsere Prognose für das Gesamtjahr ändert sich dadurch nicht substanziell."

Wachstumstreiber Tierfutter

In den ersten drei Monaten zog erneut der Wachstumstreiber Haustierprodukte. Dort wuchs Nestlé um 5,5 Prozent. Im Onlinehandel und beim Katzenfutter habe man Marktanteile gewinnen können, in den anderen Bereichen sei Nestlé mit dem Markt gewachsen, sagte Schneider.

Aber auch Babynahrung und Milchprodukte schoben das Wachstum des Nahrungsmittelriesen an. Nicht zuletzt auch in Brasilien, dem viertgrössten Markt für Nestlé, wo es für den Konzern mit zweistelligen Wachstumsraten nach oben ging.

Auf der anderen Seite harzt es weiterhin beim Wassergeschäft. Dort konnte Nestlé zwar höhere Verpackungs- und Vertriebskosten an die Konsumenten weitergeben und dadurch mehr umsetzen, mengenmässig schrumpften die Verkäufe aber. Das lag vor allem an den Mainstream-Marken, während die Premiumprodukte gut gelaufen seien, hiess es bei Nestlé.

Nescafé unter Druck

Ebenfalls schwach entwickelten sich die Kaffee- und Schokodrinks, was vor allem auf Nescafé zurückzuführen war. In dieser Produktkategorie verlangsamte sich das Wachstum im ersten Quartal vor allem wegen des Fertigkaffees auf 1,3 Prozent. Die Preise bei Nescafé seien aufgrund des Preisrückgangs bei Kaffeebohnen unter Druck geraten, sagte Schneider dazu. Das habe auch Druck auf den Marktanteil ausgeübt, da Nestlé bei Preissenkungen nicht vorne dabei sein wolle.

Derzeit arbeite Nestlé aber hart daran, Nescafé stärker zu "premiumisieren". Das sollte Nescafé etwas gegen solche Effekte immunisieren. Der Nestlé-Konzernchef zeigte sich sehr zuversichtlich, damit das Ruder herumreissen zu können.

Entscheid bezüglich Verkäufen bis Ende Jahr

Schneider will Nestlé auf stark wachsende Bereiche ausrichten. Das will er nicht nur über Zu- und Verkäufe erreichen, sondern auch, indem die Probleme bei schwachen Geschäften angegangen werden. Das US-Tiefkühlgeschäft, ein früheres Sorgenkind, schaffte es etwa nun wieder zurück zu Wachstum. "Ich ziehe meinen Hut vor unserem Team", sagte Schneider. Die Anstrengungen zahlten sich nun aus.

Allerdings bleiben Zu- und Verkäufe ein wichtiges Mittel für Nestlé. Auf dem Prüfstand, und damit auch zum Verkauf, stehen derzeit die Hautpflegetochter Nestlé Skin Health und das Aufschnitt- und Fleischwarengeschäft Herta Charcuterie. Diese Überprüfungen will Nestlé bis Mitte oder Ende Jahr abschliessen.

Der Verkauf von Nestlé Skin Health könnte dem Nahrungsmittelkonzern Medienberichten zufolge rund 7 Milliarden Dollar einbringen. Analysten halten sogar einen Preis von bis zu 10 Milliarden für möglich. Die Sparte wuchs im ersten Quartal organisch mit einer zweistelligen Rate.

Nestlé-Aktien gesucht

Den Nestlé-Aktien verliehen am Donnerstag die Quartalszahlen zusätzlichen Schwung. Der Nahrungsmittelmulti hat mit seinem Wachstum im ersten Quartal die Erwartungen übertroffen. Wermutstropfen sind die schwache Entwicklung beim Wassergeschäft sowie in der Division AOA.

Die Nestlé-Papiere verbuchten ein Plus von 0,80 Prozent auf 95,85 Franken. Am Morgen zogen sie um 1,2 Prozent an auf 96,17 Franken und notierten damit als einer von wenigen Titeln im Plus. Der Leitindex SMI, der stark von dem Schwergewicht beeinflusst wird, notierte derweil 0,19 Prozent im Minus. Die Nestlé-Aktien haben bereits seit Jahresbeginn einen guten Lauf und haben bereits gut ein Fünftel zugelegt.

Nestlé ist in den ersten drei Monaten mit 3,4 Prozent organisch deutlich schneller gewachsen als von Analysten erwartet (AWP-Konsens: 2,6%). Auch gegenüber den Konkurrenten machte Nestlé damit eine gute Figur: So meldete Danone am Vortag ein organisches Plus von 0,8 Prozent - das allerdings auch der hohen Vergleichsbasis geschuldet war - und Unilever berichtete zeitgleich mit Nestlé ein Plus von 3,1 Prozent.

Analysten sehen Nestlés Quartalswachstum als weiteres Zeichen dafür, dass der Turnaround auf gutem Kurs ist, so etwa die UBS-Analystin. Nestlé habe die Erwartungen mit Verweis auf die Feiertagseffekte und der Prognose eines eher soften Jahresstarts eher tief gehalten, heisst es bei Bernstein. So oder so sei das ein guter Jahresstart. Allerdings verweist der zuständige Analyst auf das "überraschend schwache" Wachstum von 1,3 Prozent der Kaffee- und Schokodrinks.

Das Wachstum sei breit abgestützt, kommentiert der US-Broker Jefferies. Als negative Punkte hebt der zuständige Analyst die schleppende Entwicklung beim Wassergeschäft und das gedämpfte Quartal für die Region Asien, Ozeanien und Subsahara-Afrika (AOA) hervor. Die Deutsche Bank hält weiter fest, dass das Wachstum unter Ausschluss der zum Verkauf stehenden Geschäfte Nestlé Skin Health und Herta Charcuterie "nur" 3,2 Prozent betragen habe. Allerdings dürfte dies zugleich den Preis für diese Geschäftsteile nach oben treiben.

Verkaufsphantasien erwachen zudem beim US-Tiefkühlgeschäft. Dieses kehrte zum Wachstum zurück. Die Deutsche Bank weist denn auch daraufhin, dass Nestlé gemäss früheren Aussagen die Geschäfte erst auf Vordermann bringen wolle, bevor ein Verkauf in Frage komme. Das US-Tiefkühlgeschäft sei möglicherweise auf gutem Weg, herausgeputzt zu werden.

Auf Basis der vorliegenden Umsatzzahlen rechnen Beobachter nun noch einmal mit höheren Kursen. Dabei wird allerdings auf die Kursentwicklung bei den Genussscheinen von Roche vom Vortag verwiesen. Im Zuge starker Quartalsumsatzzahlen legten die Papiere des Pharmahersteller im frühen Handel zwar kräftig zu, gaben ihre Kursgewinne im Tagesverlauf dann aber wieder ab. Ähnliches könnte auch Nestlé drohen, so heisst es.

Für die ZKB wird die Wortwahl an der Telefonkonferenz von 14 Uhr entscheidend sein: Werden die Erwartungen gedämpft oder eine weitere Beschleunigung in Aussicht gestellt?

tt/mk

Zürich (awp)

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Bildquelle: Taina Sohlman / Shutterstock.com,Keystone,Ken Wolter / Shutterstock.com