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Ausblick noch unverändert 24.04.2020 17:55:00

Nestlé-Aktie gefragt: Nestlé kann Wachstum im ersten Quartal kräftig steigern

Nestlé-Aktie gefragt: Nestlé kann Wachstum im ersten Quartal kräftig steigern

Der Ausblick für das Gesamtjahr bleibt trotz Corona-Pandemie unverändert, da es noch zu früh sei, um die genauen Auswirkungen abzuschätzen. Der Westschweizer Konzern gibt sich aber sehr vorsichtig.

Nestlé habe schnell reagiert und die notwendigen Massnahmen ergriffen, um die Auswirkungen dieser globalen Krise zu minimieren, heisst es in einer Mitteilung vom Freitag. Bisher habe man die Kunden trotz einiger lokaler Unterbrechungen in der Versorgungskette und vorübergehender Personalengpässe gut bedienen können.

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"Diese Krise ist jedoch noch lange nicht vorbei. Wir werden in den kommenden Quartalen weiterhin mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen haben", wird Konzernchef Mark Schneider in der Mitteilung zitiert.

Die Folgen der Corona-Pandemie hätten je nach Region, Produktkategorien und Vertriebskanal stark variiert, abhängig vom Zeitpunkt des Ausbruchs, dem Umfang der Einschränkungen und dem Konsumentenverhalten. In Bezug auf Regionen etwa habe Nordamerika und Europa im März ein "deutlich stärkeres Wachstum" verzeichnet, teilweise unterstützt durch die Vorratskäufe der Konsumenten.

Bei den Produktkategorien gab es derweil eine verstärkte Nachfrage nach Fertiggerichten und Produkten für die Küche, für Haustierprodukte oder für Kaffee. Und bei den Vertriebskanälen gab es wenig überraschend eine signifikante Verschiebung vom Ausser-Haus- zum Heimkonsum. Der Online-Umsatz habe dabei um fast 30 Prozent zugenommen und erstmals die 10-Prozent-Marke beim Gruppenumsatz überschritten.

Starkes Volumenwachstum

Auf die genauen Zahlen wirkte sich das dann so aus: Organisch, d.h. aus eigener Kraft, wuchs der weltgrösste Nahrungsmittelhersteller im ersten Quartal um 4,3 Prozent. Dieses Wachstum setzt sich zusammen aus einer Steigerung der Verkaufsmenge (RIG) um 4,7 Prozent und Preissenkungen von 0,4 Prozent zusammen. Letzteres widerspiegle vor allem den Zeitpunkt der Verkaufsaktionen in Nordamerika, heisst es.

Das organische Wachstum in den Industrieländern war mit hohen 7,4 Prozent für einmal deutlich höher als in den aufstrebenden Märkten, den sogenannten Emerging Marktes, in welchen Nestlé lediglich ein Plus von 0,5 Prozent verzeichnete. Dafür veratwortlich war unter anderem ein zweistelliger Umsatzrückgang in China.

Insgesamt setzte der Hersteller von Cailler-Schokolade, Nespresso-Kaffee und Purina-Tierfutter in der Periode von Januar bis März 20,8 Milliarden Franken um, das ist ein Minus von 6,2 Prozent. Diese Wachstumszahl ist für Anleger allerdings zweitrangig, da sie auch durch Wechselkurseffekte (-5,8%) sowie Zu- und Verkäufe von Unternehmensteilen (-4,7%) beeinflusst wird.

Nestlé hat mit den vorgelegten Zahlen die Erwartungen beim Wachstum klar übertroffen. Von der Nachrichtenagentur AWP befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem organischen Plus von 2,8 Prozent gerechnet, wobei die Bandbreite der Prognosen - wegen den grossen Unsicherheiten - unüblich gross war.

Gut gewappnet für die Krise

Für das Gesamtjahr hält Nestlé vorerst am ursprünglichen Ausblick fest, da es noch zu früh sei, die vollen finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise zu beurteilen. Diese hingen von der Dauer und den wirtschaftlichen Folgen der Krise ab. Dank eines diversifizierten Produktportfolios und der weltweiten Präsenz sieht sich Nestlé aber gut gewappnet für die Krise.

Entsprechend erwartet der Konzern weiterhin eine weitere Verbesserung des organischen Umsatzwachstums (2019: 3,5%) und der zugrunde liegenden operativen Ergebnismarge (17,6%). Nicht alle Konkurrenten von Nestlé haben übrigens an ihrem Ausblick festgehalten. Der französische Konkurrent Danone etwa hat zwar im ersten Quartal ebenfalls signifikant mehr verkauft als erwartet, verzichtet aber wegen der Unsicherheiten auf einen Ausblick, wie er ebenfalls diese Woche mitteilte.

Optionen für Yinlu werden geprüft

Nicht nur Corona war für Nestlé die letzten Monate ein Thema, auch der Firmenumbau geht offenbar weiter. Das Portfolio-Management sei vollständig auf Kurs, heisst es jedenfalls in der Medienmitteilung. So habe man beschlossen, strategische Optionen (einschliesslich eines möglichen Verkaufs) für das Yinlu-Geschäft mit Erdnussmilch und Reisporridge-Konserven in China zu prüfen. Dieses machte zuletzt einen Umsatz von umgerechnet 700 Millionen Franken und ist seit längerem eine Baustelle.

Der Verwaltungsrat habe aber gleichzeitig die strategische Bedeutung Chinas für die Gruppe bekräftigt und unterstrichen, heisst es. Nestlé betreibt den Angaben zufolge derzeit 31 Fabriken, drei F&E-Zentren und vier Produktinnovationszentren in der Region China.

Nestlé unterstützt Gastronomie-Kunden mit 500-Millionen-Franken-Hilfspaket

Der Nestlé-Konzern unterstützt Geschäftspartner und Kunden in der Coronakrise mit diversen Initiativen. Unter anderem hat der Nahrungsmittelkonzern für seine Abnehmer in der Gastronomie ein 500-Millionen-Franken-Hilfspaket geschnürt.

Die sogenannte "Always open for you"-Initiative sieht für Gastronomiekunden namentlich die Verlängerung von Zahlungsfristen, einen Erlass von Leihgebühren für Kaffeemaschinen sowie ein Angebot an Gratis-Produkten vor, wie aus der Nestlé-Medienmitteilung vom Freitagmorgen hervorgeht.

Eine weitere Initiative, welche der Nahrungsmittelkonzern mit Sitz in Vevey in seiner Kommunikation zu den Quartalszahlen nennt, betrifft die Nachfrageschwankungen, mit denen Milchbauern derzeit konfrontiert sind. Da Milch leicht verderblich sei, stehe Nestlé zu den vereinbarten Abnahmeverpflichtungen und trage so dazu bei, die Lebensgrundlage der Bauern zu sichern. Weltweit arbeitet Nestlé nach eigenen Angaben mit 200'000 Milchbauern zusammen.

Nestlé-Aktien nach starkem erstem Quartal gesucht

Die Aktien von Nestlé haben die Sitzung vom Freitag in einem insgesamt schwachen Gesamtmarkt deutlich höher eröffnet. Der Nahrungsmittelkonzern aus Vevey hat die Wachstumserwartungen der Analysten im ersten Quartal ziemlich deutlich übertroffen. Und auch mit der Bestätigung der bisherigen Jahresvorgaben kann das Unternehmen bei Anlegern punkten.

Die Nestlé-Papiere schlossen in Zürich um 1,78 Prozent fester bei 106,56 Franken.

Gut an kommt bei Analysten insbesondere das starke organische Umsatzwachstum, das mit 4,3 Prozent selbst die optimistischsten Schätzungen übertroffen hat. Dass es sich in den Industrieländern sogar auf 7,4 Prozent beschleunigt hat, lässt Analysten auf virusbedingte Hamsterkäufe schliessen. Letzteres würde auch das ebenfalls deutlich über den Konsensschätzungen liegende Mengenwachstum erklären.

"Nestlé wird Primusrolle gerecht" - so betitelt die ZKB ihren Kommentar. Das Unternehmen habe im Berichtsquartal besser abgeschnitten als die internationale Konkurrenz, dies u.a. dank einer starken Entwicklung im Internetkanal und in den Bereichen Heimtiernahrung und Fertiggerichte. Nestlé habe dabei natürlich auch von Hamsterkäufen in den Industrieländern profitiert.

Gemäss den Analysten des US-Brokers Jefferies dürften die Hamsterkäufe zwar geholfen haben, die Breite und Tiefe der Fortschritte sei aber beeindruckend. Nestlé bewege sich in diesem Kampf gegen die Pandemie viel besser als etwa der Konkurrent Unilever. Zudem werde die Umgestaltung des Portfolios im Gange gehalten und am Ausblick habe sich auch nichts geändert. Alles in allem sei das sehr bewundernswert.

Auch die Analysten von Vontobel zeigen sich beeindruckt. Trotz anhaltender Herausforderungen in der Lieferkette und der erheblichen, sich schnell ändernden Konsumentennachfrage sowie vorübergehender Fabrikschliessungen habe Nestlé ein derart starkes Wachstum erzielt. Insgesamt habe der Konzern ein belastbares Geschäftsmodell, eine starke Bilanz, eine starke Cash-Generierung und biete auch noch attraktive und sichere Renditen für die Aktionäre. "Die Aktie ist einfach ein Must-have", meint der zuständige Analyst zusammenfassend.

Gewisse Vorsicht

Auch die britische Barclays Bank findet sichtlich Gefallen an der Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells. Hier wird nicht zuletzt auf das starke Wachstum im Geschäft mit Tiernahrung verwiesen.

Wie aus den Handelsräumen hiesiger Banken verlautet, konnten die Aktien von Nestlé über die letzten Wochen hinweg kontinuierlich Boden gutmachen. Die Papiere hätten dabei von ihrem defensiven Charakter profitiert, heisst es. Allerdings gibt es auch warnende Stimmen. Die im ersten Quartal beobachteten Nachfrageimpulse könnten sich als nicht nachhaltig herausstellen, wird etwa befürchtet.

uh/jr

Vevey (awp)

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Bildquelle: Ken Wolter / Shutterstock.com

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Basiswert Valor Fälligkeitstag Maximale Rendite p.a.
Nestlé / Novartis / Roche GS 51176438 03.01.2023 9.98 %
Nestlé / Novartis / Roche GS 48130588 26.07.2022 9.98 %
Nestlé / Novartis / Roche GS / UBS 54238997 01.06.2022 9.88 %