| 360° Finanzen |
17.09.2026 11:13:25
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Moderate Gewinnmitnahme könnte Widerstandsfähigkeit des Portfolios verbessern
Kolumne
Einer der häufigsten Fehler im Portfoliomanagement besteht darin, kurzfristige taktische Portfolioanpassungen mit einer strategischen Änderung der Sichtweise zu verwechseln.
Zunächst bleiben die langfristigen Argumente für Aktien jedoch überzeugend. Jeremy Siegels berühmte Feststellung, dass Aktien historisch gesehen langfristig überdurchschnittliche Realerträge von 6.5–7 % erzielt haben, gilt nach wie vor als eines der prägendsten Prinzipien der Kapitalanlage. Die sogenannte «Siegel-Konstante»2 spiegelt die bemerkenswerte Beständigkeit der langfristigen Aktienrenditen wider – trotz Kriegen, Rezessionen, Inflationsschocks, politischen Umbrüchen und unzähligen Marktkrisen.
Die Erkenntnis, dass Aktien eine der besten langfristigen Vermögensquellen sind, bedeutet jedoch nicht, dass Anleger Bewertungen, Marktstimmung oder Marktpositionierung völlig ignorieren sollten. Die Entwicklung der Märkte verläuft natürlich alles andere als linear.
Abgesehen von allem anderen ist es unmöglich, im Voraus zu wissen, wann eine Aktien-«Ära» enden könnte; daher kann das Mitnehmen von Gewinnen auf dem Weg dorthin eine wichtige Quelle für zusätzlichen Mehrwert für professionelle Vermögensverwalter und ihre Kunden sein.
Bilanz ziehen: Das Risiko-Ertrags-Verhältnis ist nicht mehr das, was es einmal war.
Heute gibt es Anzeichen dafür, dass sich eine gewisse Überbegeisterung in den Marktpreisen festgesetzt haben könnte. Während die Fundamentaldaten, die den Unternehmensgewinnen zugrunde liegen, angesichts der Berichtssaison für das zweite Quartal in den USA weitgehend solide erscheinen (sowohl Microsoft3 als auch Alphabet4 meldeten erhebliche Auftragsbestände für ihre Cloud-Computing-Dienstleistungen), deuten einige Bewertungskennzahlen auf ein weniger grosszügiges prospektives Renditeumfeld hin, als es die Anleger in den letzten Jahren genossen haben.
Ein nützlicher Indikator ist das zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis nach Shiller (CAPE), das die inflationsbereinigten Gewinne über einen Zeitraum von zehn Jahren glättet, um den Einfluss von Konjunkturzyklen zu verringern. Historisch gesehen gingen erhöhte CAPE-Werte wie der heutige Wert von 41x* mit tieferen Renditen des S&P 500 in den folgenden zehn Jahren einher, auch wenn sie kein perfektes Modell für das kurzfristige Timing darstellen.
Mit anderen Worten: Hohe Bewertungen sagen uns vielleicht nicht genau, wann es zu einer Marktkorrektur kommen wird, aber sie geben in der Regel Aufschluss darüber, welche Renditen Anleger in den nächsten zehn Jahren vernünftigerweise erwarten können. Dies sollte wiederum zumindest zu einigen Überlegungen hinsichtlich der Grösse der Aktienallokation innerhalb eines gemischten oder Multi-Asset-Portfolios anregen.
Daher kann eine Reduktion des Aktienengagements nach einer starken Kursrallye weniger als eine Markt-Timing-Entscheidung, sondern vielmehr als solides Portfoliomanagement betrachtet werden.
Enge Kreditspreads
Die Kreditspreads – also die zusätzliche Rendite, die die Kreditvergabe an Unternehmen gegenüber der Rendite von Staatsanleihen bietet – sind im historischen Vergleich nach wie vor relativ eng. Zwar sind die Fundamentaldaten der Unternehmen im Allgemeinen weiterhin günstig, doch erhalten Anleger für die Übernahme eines zusätzlichen Kreditrisikos oft keine wesentlich höhere Vergütung als in ruhigeren Zeiten. So liegt beispielsweise der durchschnittliche Spread des Bloomberg US Liquid Investment Grade per 18. August derzeit bei nur 0.9 %*.
Auch erscheint eine moderate Reduktion des Engagements in Anleihen mit geringerer Bonität sinnvoll, insbesondere wenn das Ziel darin besteht, Flexibilität zu wahren, anstatt eine starke makroökonomische Einschätzung zum Ausdruck zu bringen. Und auch vermeintlich felsenfeste Staatsanleihen sind vor einer genauen Prüfung nicht gefeit.
Insgesamt gesehen bedeuten diese Massnahmen eine moderate Straffung des Gesamtrisikoengagements des Portfolios. Weit entfernt von einem Rückzug oder einer defensiven Haltung stellen sie vielmehr die Erkenntnis dar, dass nach einer erheblichen Rallye bei Risikoanlagen – einschliesslich Obligationen und Unternehmensanleihen – die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung dieser Gewinne allmählich abnimmt.
Mit Blick auf die Zukunft gibt es Gründe zu der Annahme, dass sich das vierte Quartal unruhiger gestalten könnte. Wie bereits erwähnt, sind die Bewertungen nach einigen Massstäben hoch, der Krieg im Iran bleibt eine grosse Quelle der Unsicherheit und die Inflations- und Zinsaussichten sind angesichts hoher Ölpreise und einer nun reaktiveren Federal Reserve ungewiss.
Bargeld ist nicht König – und auch nicht die einzige Alternative zu Aktien
Es stellt sich also die Frage, welche Alternativen den Anlegern offenstehen. Die ermutigende Nachricht ist, dass sie nicht länger gezwungen sind, Erlöse untätig in Bargeld liegen zu lassen. So bieten beispielsweise kurzfristige Obligationen heute Renditen, die sowohl absolut als auch historisch betrachtet attraktiv sind: Anleger in US-Dollar und Pfund Sterling profitieren von Renditen von 3.7 % bzw. 3.9 %*, die beide über der Inflation liegen.
Anleger können somit Realerträge erzielen und gleichzeitig ihre Liquidität wahren sowie die Gesamtvolatilität ihres Portfolios senken. In vielen Fällen bietet die Umschichtung eines Teils der Gewinne aus Aktien, Kreditprodukten und Durationsanlagen in hochwertige festverzinsliche Wertpapiere mit kurzer Laufzeit eine seltene Kombination aus respektabler Rendite, Kapitalschutz und zukünftigen Optionen. Diese Flexibilität könnte sich als besonders wertvoll erweisen, falls Marktvolatilität später attraktivere Einstiegspunkte schafft – auch wenn sich die Marktvolatilität in den letzten Jahren als kurzlebig erwiesen hat. Eine länger anhaltende Aktienkorrektur wäre schmerzhaft, doch die eigentliche Chance liegt darin, sich im Anschluss daran wieder an den Aktienmärkten zu engagieren.
Zum Autor
Julian Howard ist Chief Multi-Asset Investment Strategist bei GAM Investments. Dieser Artikel gibt die Ansichten des Multi-Asset-Teams von GAM wieder.
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