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Lufthansa Aktie 667979 / DE0008232125

Ziele wackeln 04.08.2026 17:52:00

Lufthansa passt Prognose nach schwachem Q2 an - Swiss meldet gemischte Zahlen - Aktie zweistellig tiefer

Lufthansa passt Prognose nach schwachem Q2 an - Swiss meldet gemischte Zahlen - Aktie zweistellig tiefer

Lufthansa passt ihre Ergebnisprognose für 2026 an. Grund sind unter anderem die hohe Kerosinpreis-Volatilität.

Teures Kerosin und Streiks der eigenen Crews haben der Lufthansa den Frühsommer verhagelt. Trotz höherer Ticketpreise sackte der bereinigte operative Gewinn im zweiten Quartal um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro ab, wie der Konzern am Dienstag berichtete. Auch für die zweite Jahreshälfte können Passagiere eher nicht auf billigere Tickets hoffen. Für das Gesamtjahr hält Vorstandschef Carsten Spohr nun auch einen Gewinnrückgang für möglich.

Der Vorstand nennt in seiner neuen Prognose eine Spanne von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro für den um Sondereffekte bereinigten Betriebsgewinn. Noch im Mai hatte Spohr erklärt, dass der Konzern den Vorjahreswert von 1,96 Milliarden "deutlich" übertreffen werde.

Das Unternehmen beziffert die Mehrausgaben für teureres Kerosin infolge des Iran-Krieges auf 750 Millionen Euro im zweiten Quartal, obwohl es mehr als 80 Prozent des Bedarfs mit Finanzprodukten abgesichert hatte.

Die Streiks der Spartengewerkschaften rund um die 100-Jahr-Feier im April belasteten das Ergebnis mit rund 150 Millionen Euro. Positive Ergebnisbeiträge lieferten hingegen erneut die Töchter für Technik und Fracht. Die europäischen Konkurrenten Air France-KLM und IAG mit British Airways haben geringere Gewinneinbussen berichtet.

Die höheren Kerosinkosten habe man zu etwa 60 Prozent durch höhere Ticketpreise kompensieren können, sagte Finanzchef Till Streichert. Auch im zweiten Halbjahr sollen demnach die Preise steigen, wenn auch die Kunden immer kurzfristiger buchten.

Reisen sei weniger preissensibel als die gesamte Branche möglicherweise gedacht habe, meinte Konzernchef Spohr. "Die Menschen wollen fliegen, und sie können es sich auch zu höheren Preisen leisten."

Die nach Kriegsbeginn angespannte Versorgungslage mit Flugtreibstoff habe sich im Laufe der vergangenen Wochen normalisiert, sagte der Lufthansa-Chef. Die Raffinerien hätten ihre Kapazitäten erhöht, und neue Versorgungsketten etwa aus Nigeria seien etabliert worden.

"Die Welt hat sich angepasst und die Herausforderung in den Griff bekommen", sagte Spohr. Das Risiko von Flugausfällen wegen Kerosinmangels habe sich weiter reduziert. Trotz anhaltender Schwankungen sollen die Treibstoffkosten im Gesamtjahr auf 8,7 Milliarden Euro steigen, 200 Millionen weniger als noch im Mai erwartet.

Auf der anderen Seite hat Lufthansa vom Iran-Krieg auch profitiert, weil die arabischen Wettbewerber wie Emirates oder Qatar Airways ihre Drehkreuze am Persischen Golf während der Kämpfe zeitweise schliessen mussten. Deutlich höhere Ticketerlöse auf den Asienrouten waren für die Europäer die Folge.

Inzwischen hätten die Golf-Airlines "wieder alles in der Luft" und agierten mit Kampfpreisen, sagte Spohr. Dies ziele vor allem auf preisempfindliche Privatkunden, während die Geschäftskunden weiterhin die Direktverbindungen bevorzugten. Viele Firmen untersagten ihren Managern auch Zwischenlandungen am Golf.

Perspektivisch will der Lufthansa-Konzern vor allem auf der Langstrecke wachsen. Derzeit werde eine weitere Reduzierung des Europaangebots um ein Prozent geprüft. Im laufenden Jahr soll das Gesamtangebot stagnieren, nachdem der Vorstand ursprünglich ein Wachstum von bis zu 4 Prozent angekündigt hatte.

Im Zuge der Streiks hatte der Konzern die Regionaltochter Lufthansa Cityline früher eingestellt als zunächst geplant und damit rund 20.000 Europaflüge im Sommerflugplan gestrichen. Konzernweit sank die Zahl der Fluggäste auch deshalb um vier Prozent auf 35,6 Millionen.

Der Quartalsumsatz kletterte dennoch um acht Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich brach der Überschuss auch wegen eines positiven Steuereffekts aus dem Vorjahr und aktueller Belastungen um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro ein.

Swiss mit mehr Umsatz und weniger Gewinn im ersten Halbjahr

Die Swiss hat ein durchzogenes erstes Halbjahr 2026 hinter sich. Der Umsatz stieg um 3,2 Prozent auf 2,77 Milliarden Franken. Dagegen fiel der Betriebsgewinn der Lufthansa-Tochter um 3,2 Prozent auf 189,3 Millionen.

Dabei bekam die Swiss die Folgen des Iran-Kriegs zu spüren. Die Explosion der Treibstoffkosten schlugen im Frühling auf die Rechnung durch, nachdem sie im Startquartal noch von Absicherungsgeschäften gebremst worden waren.

"In den Monaten April bis Juni belief sich der Anstieg der Treibstoffkosten auf rund 50 Prozent", erklärte Finanzchef Dennis Weber in einem Communiqué vom Dienstag: "Treibstoff ist unsere grösste einzelne Kostenposition."

Aber die frühzeitig eingeleiteten Spar- und Effizienzmassnahmen zeigten bereits Wirkung und würden die hohen Kerosinpreise zumindest teilweise kompensieren. "Ohne sie wäre der Ergebnisrückgang stärker ausgefallen", sagte Weber.

Zusätzlich belasteten weiterhin hohe Wartungskosten das Ergebnis. Dazu trugen zum Beispiel die Triebwerksprobleme bei Teilen der Kurzstreckenflotte bei.

Starke Nachfrage

Dagegen sei die Nachfrage stark und die Durchschnittserlöse gestiegen. "Besonders unsere Premiumangebote auf der Langstrecke waren weiterhin stark gefragt und haben unser Ergebnis gestützt. Die starke Nachfrage und eine strikte Kostendisziplin waren jedoch nicht genug, um die Auswirkungen der hohen Treibstoffpreise zu kompensieren", sagte Weber.

Die Swiss beförderte im ersten Halbjahr 8,5 Millionen Passagiere und damit 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt führte die Swiss rund 67'400 Flüge durch. Das waren 4,1 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Lufthansa: Eingeknickter Dreamliner kann repariert werden

Nach seinem Sturz auf die Nase kann der in Frankfurt verunglückte Lufthansa-Dreamliner repariert werden. Man gehe davon aus, dass die Boeing 787 noch im laufenden Jahr in den Liniendienst zurückkehren könne, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstag in Frankfurt. Zunächst war der Umfang des Schadens unklar geblieben.

Das erst zu Jahresbeginn in Betrieb genommene Flugzeug mit dem Kennzeichen D-ABPQ war am 4. Juni im Stand auf den vorderen Rumpf gefallen, nachdem das Bugfahrwerk unerwartet eingeknickt war. Bei dem Unfall wurden zwei Menschen schwer und 21 leicht verletzt. Passagiere waren nicht an Bord.

Als Unfallursache wurde festgestellt, dass ein Verriegelungsstift nicht eingesteckt war. Der Stift sei nach dem Vorfall in einer Aufbewahrungskiste gefunden worden, hatte die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) berichtet. Im Sommerflugplan hat Lufthansa den Jet mit einem älteren Airbus A340 aus der Reserve ersetzt.

So reagiert die Aktie

Die Anteile der Lufthansa sind am Dienstag unter dem Eindruck schwacher Quartalszahlen und einem gekappten Gewinnziel auf den tiefsten Stand seit fast zwei Monaten zurückgefallen. Letztlich lagen sie via XETRA mit einem Minus von 8,21 Prozent auf 8,48 Euro auf dem letzten Platz im MDAX der mittelgrossen Börsenwerte.

Auch im schwächeren europäischen Sektor für die Reise- und Freizeitwerte übernahmen sie mit grossem Abstand die rote Laterne. Charttechnisch trübt sich das Bild ein: Die viel beachtete 200-Tage-Linie für den längerfristigen Trend droht zu reissen. Am Vortag hatte es noch anders ausgesehen: Mit Kursen bis fast 9,50 Euro hatten die Lufthansa-Aktien klar von den deutlich gesunkenen Ölpreisen profitiert.

Analyst Jaime Rowbotham von der Deutschen Bank merkte an, dass die Airline ihr Jahresziel für den freien Barmittelfluss trotz eines gestutzten Investitionsplans nur bestätigt habe. Er sieht dies als Belastungsfaktor für die Aktien. Das gekappte Ergebnisziel sei derweil gemessen an den Markterwartungen kein grösseres Problem.

Vorstandschef Carsten Spohr hält für 2026 im Tagesgeschäft einen Gewinnrückgang nun doch für möglich. Höhere Ticketpreise hätten den starken Anstieg der Treibstoffpreise bisher nicht ausgleichen können, erklärte der Manager. Zudem buchten die Kunden deutlich kurzfristiger, und die Kerosinpreise schwankten stark. Im zweiten Quartal brach der Gewinn noch stärker ein als gedacht. Der Iran-Krieg und das teure Kerosin drohen also die bisherigen Gewinnpläne des Managements zu durchkreuzen.

Dow Jones Newswires / AWP

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