Lufthansa Aktie 667979 / DE0008232125
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10.04.2026 16:00:00
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Lufthansa-Aktie höher: Kabinenpersonal legt Betrieb lahm - auch Schweiz betroffen - Einigung mit Lufthansa City Airlines
Bei der Lufthansa sind am Freitag erneut hunderte Flüge infolge eines Streiks des fliegenden Personals ausgefallen.
Obwohl die grösste deutsche Fluggesellschaft entschlossene Gegenmassnahmen angekündigt hatte, wurden allein an den Drehkreuzen München und Frankfurt knapp 1.000 Starts und Landungen abgesagt. Das Unternehmen selbst sprach davon, dass nur ein Drittel des geplanten Programms angeboten werden konnte. Am Samstag soll sich der Flugverkehr schnell wieder normalisieren.
Urlauber kommen verspätet zurück
Fast schon gespenstische Ruhe herrschte am Morgen in den von Lufthansa genutzten Terminalbereichen. Auch an zahlreichen anderen deutschen Flughäfen wie Hamburg, Berlin, Stuttgart oder Düsseldorf wurden Flüge der Kranich-Linie gestrichen. Tausende Passagiere kamen gar nicht oder verspätet an ihre Ziele. Da die in Deutschland nicht gestarteten Maschinen im Ausland fehlten, konnten zum Ende der Osterferien auch viel Touristen ihre Heimreise zunächst nicht antreten.
Mitten in den Ufo-Streik platzte die Nachricht, dass sich der Konzern mit der Konkurrenz-Gewerkschaft Verdi auf einen Tarifabschluss für die neue Tochtergesellschaft City Airlines geeinigt hat. Der neu gegründete Flugbetrieb soll nach dem Willen des Managements zunehmend regionale Zubringerflüge übernehmen, die bislang von der nahezu namensgleichen Lufthansa Cityline erledigt worden sind.
Spartengewerkschaften unter Druck
Ein ähnliches Konstrukt gibt es auf der Mittel- und Langstrecke, wo die ebenfalls neue Tochter Discover deutlich kostengünstiger unterwegs ist als die Kerngesellschaft Lufthansa. Es ist erklärtes Ziel von Lufthansa-Chef Carsten Spohr, Flugzeuge und Jobs auf die billigeren Plattformen zu verlagern. Dagegen sperren sich die Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit und Ufo, die das Personal bei den bestreikten Betrieben der Lufthansa Classic und Cityline vertreten.
Verdi fasst mit dem Abschluss bei einem weiteren Flugbetrieb des Konzerns Fuss. Auch bei der Discover und der Eurowings sowie beim Lufthansa-Bodenpersonal ist die DGB-Gewerkschaft der Vertragspartner des Unternehmens.
Verdi verhandelt auch für Piloten
Die erstmals abgeschlossenen Tarifverträge bei der City Airlines gelten für das gesamte fliegende Personal, einschliesslich der Pilotinnen und Piloten. Die Beschäftigten hätten sich mehrheitlich für Verdi entschieden, teilt Lufthansa mit. Neben höheren Gehältern sind bei einer Laufzeit von drei Jahren zusätzliche freie Tage, ein Tag mehr Urlaub und weitere Regelungen zur Arbeitszeit vereinbart worden. Zuvor galten einseitig vom Unternehmen gesetzte Bedingungen.
Davon ist die Kabinengewerkschaft Ufo noch weit entfernt. Die Spartengewerkschaft hatte die rund 20.000 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter aufgerufen, bis 22.00 Uhr die Arbeit ruhen zu lassen. Es ist nach zwei Runden mit Pilotenstreiks bereits der dritte grosse Ausstand in diesem Jahr bei Deutschlands grösster Fluggesellschaft.
Cityline vor der Schliessung
"Die Lufthansa muss sich jetzt irgendwie bewegen", forderte der Tarifexperte der Gewerkschaft Ufo, Harry Jaeger, am Frankfurter Flughafen. Er hielt dem Unternehmen vor, in seinem Angebot zum Manteltarifvertrag massive Gegenforderungen aufgestellt zu haben. Insbesondere sollten die monatlich möglichen Arbeitsstunden deutlich angehoben werden. Die Kolleginnen und Kollegen fürchteten, dass Lufthansa ihre Einsatzzeiten im Sommer extrem verdichten wolle.
Neben der Kernmarke wurde auch die Regionaltochter Lufthansa Cityline bestreikt. Hier verlangt Ufo bislang vergeblich einen Sozialtarifvertrag zur geplanten Auflösung des Flugbetriebs im kommenden Jahr.
Ausfälle auch in der Schweiz
Der Streik wirkt sich auch auf den Betrieb an den drei grossen Schweizer Flughäfen aus. In Basel wurden am Freitag vier Ankünfte und vier Abflüge der Lufthansa annulliert, wie der Euroairport auf Anfrage von Keystone-SDA mitteilte. Die Entwicklung werde aufmerksam verfolgt.
Ebenso in Zürich. Je sechs Flüge der Lufthansa zwischen Zürich und Frankfurt wurden annulliert, wie eine Sprecherin des Flughafens Zürich am Freitag zu Keystone-SDA sagte. Und in Genf wurden zwei Hin- und zwei Rückflüge nach Frankfurt und München gestrichen, wie es auf Anfrage hiess. München wird demnach nicht ab Zürich von der Lufthansa bedient. Die Swiss sowie zwei weitere Fluggesellschaften flogen Frankfurt auch am Freitag an.
Swiss setzt grössere Flieger ein
Die Lufthansa-Tochter Swiss will wegen des Streiks auf Flügen nach Frankfurt und München grössere Flugzeuge einsetzen. So könnten wohl einige Passagiere trotzdem noch an ihr Ziel kommen. Durch den Wechsel auf die grösseren Maschinen (A320 und A321) hätten je nach Verbindung jeweils 30 bis 60 zusätzliche Passagiere Plätze gefunden, schrieb die Swiss am Freitag auf Anfrage von Keystone-SDA.
"Wir sind uns bewusst, dass Streiks für viele Reisende mit Unannehmlichkeiten verbunden sind. Unser Ziel ist es deshalb, im Rahmen unserer Möglichkeiten zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen und so möglichst viele Passagiere an ihr Ziel zu bringen", so die Swiss weiter. Vorerst geht es um acht Flüge zwischen Zürich und Frankfurt sowie zwischen Zürich und München.
Die Fluggesellschaft stehe im engen Austausch mit dem Unternehmen, hiess es weiter. Reisende sollen den Status ihrer Buchung regelmässig überprüfen und die Kontaktdaten aktualisieren, wenn nötig. Nur so könnten sie bei Flugannullierungen direkt kontaktiert werden.
Umbuchungen und Entschädigungen
Auch Lufthansa rät den Passagieren, sich umfassend über ihren Flug zu informieren. Die Tickets können umgebucht oder erstattet werden. Weiterhin stehen den Fluggästen bei Verspätungen von über drei Stunden Entschädigungen zu. Auch muss die Airline für alternativen Transport, Verpflegung und Unterkunft sorgen.
Dem Streik waren ein Warnstreik und eine Urabstimmung vorausgegangen. Diese ergab eine hohe Zustimmung der Beschäftigten für einen Arbeitskampf.
In dem Konflikt geht es um die Tarifverhandlungen zum Manteltarif bei Lufthansa und nach Ufo-Angaben um die fehlende Bereitschaft des Unternehmens, bei der Cityline über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln. Daran hingen rund 800 Existenzen, hiess es.
Die Lufthansa-Aktie notiert am Freitag im XETRA-Handle zeitweise 2,59 Prozent höher bei 8,07 Euro.
AWP
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