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Corona-Krise 03.06.2020 18:06:00

Lufthansa-Aktie gewinnt dennoch kräftig: Lufthansa tief in roten Zahlen - Konzern kündigt massiven Umbau an

Lufthansa-Aktie gewinnt dennoch kräftig: Lufthansa tief in roten Zahlen - Konzern kündigt massiven Umbau an

"Angesichts der absehbar nur sehr langsam verlaufenden Erholung der Nachfrage müssen wir nun mit tiefgreifenden Restrukturierungen gegensteuern", sagte Vorstandschef Carsten Spohr am Mittwoch in Frankfurt. Das Management will die Stückkosten im Vergleich zum Vorkrisenniveau "deutlich" senken. Denn nach der Krise muss der Konzern die erhofften staatlichen Finanzhilfen wohl aus dem laufenden Geschäft zurückzahlen - und der Passagierverkehr dürfte sich nur sehr langsam erholen.

Die Corona-Pandemie mit den folgenden Reisebeschränkungen hatte die Geschäfte der Lufthansa mit Ausnahme der Fracht nahezu zum Erliegen gebracht. Der Konzern benötigt daher staatliche Hilfe. Im Rahmen eines rund neun Milliarden Euro schweren Rettungspakets einschliesslich Beteiligung des Bundes an dem Unternehmen muss die Lufthansa 24 Start- und Landerechte an ihren wichtigen Flughäfen in Frankfurt und München an die Konkurrenz abgeben.

Ohne baldige Hilfe droht der Lufthansa weiterhin das Geld auszugehen. Ende März beliefen sich die flüssigen Mittel den Angaben zufolge auf 4,25 Milliarden Euro. Jeden Monat flössen weiterhin etwa 800 Millionen Euro ab, obwohl der Konzern seine Fixkosten um ein Drittel gesenkt habe. Wie viel Geld die Lufthansa derzeit noch genau zur Verfügung hat, blieb zunächst offen.

Um Kredite und Zinsen zügig zurückzahlen zu können, werde das Unternehmen seinen freien Barmittelzufluss im Vergleich zur Zeit vor der Krise deutlich steigern müssen, sagte Vorstandsmitglied Thorsten Dirks. Lufthansa verhandelt weiterhin mit den Flugzeugherstellern Boeing und Airbus darüber, bereits bestellte Flugzeuge später abzunehmen als vereinbart. Ausserdem prüft das Management mittelfristig die Veräusserung einzelner Geschäftsbereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören.

Das Unternehmen erwartet nur eine schrittweise anziehende Nachfrage nach Flugreisen. Während zuletzt fast 700 der 763 Flugzeuge des Konzerns am Boden standen, dürften auch im kommenden Jahr noch 300 und im Jahr 2022 noch 200 Maschinen nicht fliegen, schätzt das Management. Für 2023 erwartet der Vorstand weiterhin eine um 100 Flugzeuge verkleinerte Flotte.

Im ersten Quartal brockte die Corona-Krise dem Konzern einen Milliardenverlust ein. Unter dem Strich stand ein Minus von 2,1 Milliarden Euro nach einem saisontypischen Minus von 342 Millionen ein Jahr zuvor. Allein ungünstige Geschäfte zur Treibstoffpreis-Sicherung schlugen mit fast einer Milliarde Euro zu Buche. Hinzu kamen Abschreibungen von 266 Millionen Euro auf stillgelegte Flugzeuge und 157 Millionen auf die Catering-Tochter LSG Nordamerika und den hauseigenen Billigflieger Eurowings.

Der Umsatz des Konzerns sackte wegen des ab März stark eingebrochenen Flugverkehrs um 18 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro ab. Der operative Verlust (bereinigtes Ebit) fiel mit 1,2 Milliarden Euro gut dreieinhalb mal so hoch aus wie ein Jahr zuvor. Eine Prognose für das Gesamtjahr traut sich der Vorstand weiterhin nicht zu, erwartet aber unverändert einen signifikanten Rückgang des operativen Ergebnisses.

Der Konzern will ab Mitte Juni seine Flugpläne deutlich ausweiten, auf rund 2'000 wöchentliche Verbindungen zu mehr als 130 Zielen weltweit. Möglichst viele Destinationen sollten für Urlauber und Geschäftsreisende wieder erreichbar gemacht werden. Im September sollen bis zu 40 Prozent der ursprünglich geplanten Kapazität wieder angeboten werden. Die Zahl der Destinationen soll auf 70 Prozent des ursprünglichen Plans bei den Langstreckenflügen und 90 Prozent bei den Kurzstreckenflügen steigen. Die Lufthansa will dabei verstärkt auf das Geschäft mit Urlaubern setzen.

Lufthansa-Chef: Wollen Kündigungen so weit wie möglich vermeiden

Die Lufthansa will bei dem geplanten tiefgreifenden Konzernumbau Kündigungen so weit wie möglich vermeiden. Das sagte Vorstandschef Carsten Spohr am Mittwoch in Frankfurt. Zugleich betonte er: "Wir werden jeden Stein in dem Unternehmen umdrehen." Das Management will die Stückkosten im Vergleich zum Niveau vor der Corona-Krise "deutlich" senken.

Lufthansa nimmt USA-Flüge ab München wieder auf

Die Lufthansa fliegt von München aus wieder in die USA. Zum ersten Mal seit dem 13. März startete am Mittwoch ein Airbus 350 nach Los Angeles. Schon am Dienstag war eine Maschine nonstop nach Chicago geflogen. Diese beiden Städte würden "von nun an zunächst jeweils dreimal pro Woche von der bayerischen Landeshauptstadt aus angesteuert", teilten die Lufthansa und der Flughafen mit. Flughafenchef Jost Lammers sagte: "Ich sehe in dieser Wiederaufnahme des interkontinentalen Verkehrs den wichtigen ersten Schritt" bei der Rückkehr zu einem "pulsierenden Münchner Drehkreuzverkehr".

Die Passagiere müssen beim Betreten des Flughafens und auch an Bord der Lufthansa-Maschinen ihre Mund-Nasen-Bedeckungen tragen. Die Kabinen werden nach jeder Landung in München desinfiziert.

Normalerweise gibt es in München 1'150 Starts und Landungen täglich. "Heute waren es 85", sagte Flughafensprecher Ingo Anspach. In den nächsten Tagen und Wochen wollen viele Fluggesellschaften ihre Linienflüge wieder aufnehmen oder ausweiten.

Eurowings fliegt schon nach Palma de Mallorca, Qatar Airways nach Doha, Aegan nach Athen, Luxair nach Luxemburg, AirBaltic nach Riga, Alitalia nach Rom, KLM nach Amsterdam, Air France nach Paris, FINNAIR nach Helsinki, Belavia nach Minsk. Die Lufthansa will jetzt wieder regelmässig nach Brüssel, Mailand, Rom, Wien, Zürich und Tel Aviv fliegen und ab Mitte Juni San Francisco, Montreal, Delhi und Seoul sowie weitere 30 europäische Städte wieder regelmässig anfliegen.

Lufthansa-Chef: Kein Verkauf von Lufthansa Technik

Lufthansa-Chef Carsten Spohr kann sich einen mehrheitlichen Verkauf der Wartungssparte Lufthansa Technik trotz des dringenden Geldbedarfs im Konzern nicht vorstellen. Die Hamburger Tochtergesellschaft gehöre zum Kern der Lufthansa, sagte der Manager am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen in Frankfurt. Vor der Corona-Krise habe der Vorstand zwar geprüft, ob er einen Minderheitsanteil der Sparte an die Börse bringe. "Aber derzeit ist für all dies der falsche Zeitpunkt."

Die Lufthansa hatte am Morgen angekündigt, dass sie sich mittelfristig von Geschäftsteilen trennen wolle, die sie nicht zum Kerngeschäft zählt. Spohr nannte auf Nachfrage etwa die verbleibenden Teile der Catering-Tochter LSG ausserhalb Europas. Für das Europa-Geschäft der LSG Sky Chefs hat der Konzern mit dem Konkurrenten Gategroup bereits einen Käufer gefunden. Der Verkauf ist aber noch nicht vollzogen.

Schweizer Staatshilfe wird auf Lufthansa-Rettungspaket angerechnet

Die Lufthansa muss sich Hilfsgelder für Töchter im Ausland wohl auf das Rettungspaket der deutschen Bundesregierung anrechnen lassen. In der Schweiz hatte die Politik entschieden, die Lufthansa-Töchter Swiss und Edelweiss mit 1,275 Milliarden Franken zu unterstützen.

Daneben könnte der Lufthansa-Konzrn noch aus Österreich (Tochter: Austrian Airlines) und Belgien (Tochter: Brussels) staatlich garantierte Kredite erhalten. Insgesamt könnte sich die Summe auf rund zwei Milliarden Euro belaufen.

Diese würden von den geplanten 9 Milliarden Euro aus Deutschland abgezogen, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei der Vorlage der Quartalszahlen am Mittwoch in Frankfurt sagte. Die Summe gehe dann von dem Kredit der deutschen Staatsbank KfW ab, der sich auf 3 Milliarden Euro belaufen soll.

Die deutsche Bundesregierung könne zwar auf diese Anrechnung verzichten, sagte Spohr. Allerdings benötige der Konzern keine 11 Milliarden Euro. "Wir müssen nur das Geld ziehen, was wir wirklich brauchen."

Spohr zufolge könnte die Lufthansa auch mit weniger als 9 Milliarden Euro Hilfe überleben. Ziel des Rettungspakets sei aber, dass der Konzern stark und wettbewerbsfähig aus der Krise hervorgehe.

So reagiert die Lufthansa-Aktie

Die Lufthansa-Aktie reagierte am Morgen mit mässigen Schwankungen auf die Nachrichten. Nach einem anfänglichen Minus von einem Prozent drehte der Kurs aber in die Gewinnzone und legte im verlauf weiter zu. Die Aktie beendete den XETRA-Handel dann mit 7,73 Prozent deutlich im Plus bei 10,19 Euro. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier mehr als 40 Prozent an Wert eingebüsst. Der Ausblick des Vorstands sei mit Blick auf eine Geschäftserholung pessimistisch, schrieb Analyst Daniel Roeska vom Analysehaus Bernstein. Es liege nun enorm viel Arbeit vor dem Konzern, sein Geschäft umzustrukturieren.

/stw/mar/eas/fba

FRANKFURT / MÜNCHEN (awp international)

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