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Effizienzmassnahmen 03.02.2020 17:48:00

Julius Bär-Aktie bricht ein: Weniger Gewinn erzielt und neue Ziele bis 2022 - Stellenabbau geplant

Julius Bär-Aktie bricht ein: Weniger Gewinn erzielt und neue Ziele bis 2022 - Stellenabbau geplant

Die Vermögensverwaltungsbank will nun ihre Kostenbasis um weitere 200 Millionen Franken senken und dafür rund 300 Stellen abbauen.

Der Konzerngewinn von Julius Bär bildete sich im vergangenen Jahr um über ein Drittel auf noch 465 Millionen Franken zurück, wie die Finanzgruppe am Montag mitteilte. Dabei belastete eine Abschreibung auf die problembehaftete italienische Tochtergesellschaft Kairos sowie hohe Rückstellungen für einen Rechtsstreit um DDR-Vermögen. Der um Integrations- und Restrukturierungskosten adjustierte Konzerngewinn ging um 4,7 Prozent auf 772,0 Millionen Franken zurück.

Die Julius Bär-Aktionäre sollen nun für das abgelaufene Geschäftsjahr eine unveränderte Dividende von 1,50 Franken je Aktie erhalten. Zuvor war die Dividende fünf Jahre in Folge angehoben worden.

Langsamer Neugeldzufluss

Die verwalteten Vermögen (Assets under Management, AuM) lagen per Jahresende bei 426 Milliarden Franken, was gegenüber dem Wert des Vorjahres einem Anstieg um 12 Prozent entsprach. Auch gegenüber dem Wert von Ende Oktober 2019 (422 Milliarden) nahmen die AuM etwas zu.

Der Neugeldzufluss lag bei 10,6 Milliarden Franken entsprechend einem Zufluss von 2,8 Prozent der AuM. Die Bank musste nicht zuletzt deutliche Abflüsse bei Kairos hinnehmen. Damit blieb Julius Bär im vergangenen Jahr klar unterhalb des eigenen Zielbereichs eines Zuflusses von 4-6 Prozent.

Ohne den Einfluss der italienischen Tochter wäre der Zufluss bei 4,1 Prozent gelegen und hätte damit die Ziele erfüllt, betont Bär. Das Ende Jahr abgeschlossene Projekt zur Überprüfung der Kundendokumentation habe zu "einer Anzahl von Kundenabgängen geführt, während die breitere Anwendung von Negativzinsen zu bescheidenen Abflüssen geführt habe.

Bruttomarge verringert

Der gesamte Betriebsertrag verbesserte sich leicht auf 3,38 Milliarden Franken (+0,4 Prozent), dies dank einem etwa stärkeren Erfolg im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft (+1 Prozent). Dagegen ging der Erfolg aus dem Zinsengeschäft (-2 Prozent) zurück. Die Bruttomarge ging aufgrund der höheren verwalteten Vermögen auf noch 82 Basispunkte (VJ 86 BP) zurück.

Mit den Zahlen hat Julius Bär die Erwartungen der Analysten beim Gewinn nur knapp erfüllt. Der adjustierte Konzerngewinn war gemäss AWP-Konsens bei 786 Millionen Franken erwartet worden, die Schätzungen für den IFRS-Konzerngewinn lagen im Schnitt bei 468 Millionen Franken. Die verwalteten Vermögen hatten die Analysten bei 427 Milliarden erwartet und damit ziemlich genau geschätzt, während die Neugelder etwas höher erwartet wurden.

Weiterer Stellenabbau

Im Rahmen des "Strategieupdate" des seit September 2019 amtierenden neuen CEO Philipp Rickenbacher tritt die Bank nun weiter auf die Kostenbremse. Durch "Produktivitäts- und Effizienzmassnahmen" solle die Kostenbasis um 200 Millionen Franken reduziert werden. Im laufenden Jahr würden rund 300 Stellen abgebaut, erklärte Rickenbacher an einer Telefonkonferenz. Die Erträge sollen gleichzeitig um mehr als 150 Millionen verbessert werden.

Dabei soll auch die geografische Präsenz überprüft werden - so wird ein Buchungszentrum auf den Bahamas geschlossen. Weitere Entscheidungen würden im ersten Halbjahr 2020 getroffen, sagte der Bär-Chef. Die Bank will weiterhin präsent sein, wo sie "Wachstumschancen" sehe.

Nachhaltige Gewinnsteigerung

Julius Bär hatte bereits vor Jahresfrist ein Kostensenkungsprogramm im Umfang von 100 Millionen Franken angekündigt, das zu einer Nettoreduktion des Personalbestands der Gruppe um 2 Prozent oder rund 140 Stellen bis Ende 2019 führen sollte. Die Ersparnisse aus diesem Programm seien bis Ende 2019 bereits zu rund 60 Prozent realisiert worden, sagte Rickenbacher.

Neue Ziele bis 2022

Die Bank Julius Bär hat sich neue Mittelfristziele für die Periode 2020 bis 2022 gesetzt. Unter anderem will das Institut seine Kostenbasis durch Produktivitäts- und Effizienzmassnahmen um 200 Millionen Franken reduzieren. Auch die geografische Präsenz der Gruppe wird auf Grundlage des künftigen Wachstumspotenzials überprüft. Bereits beschlossen ist die Schliessung des Buchungszentrums auf den Bahamas.

Konkret hat sich das Institut für die Dreijahresperiode wie bis anhin eine adjustierte Vorsteuermarge von 25 bis 28 Basispunkten zum Ziel gesetzt, wie Julius Bär am Montag mitteilte. Bei der adjustierten Cost/Income Ratio strebt es "67 Prozent oder tiefer+ an, bisher wurde ein Wert von tiefer als 68 Prozent angestrebt.

Beim adjustierten Gewinn vor Steuern wird eine jährliche Wachstumsrate von über 10% während des Zyklus angestrebt. Vorausgesetzt sei allerdings, dass es zu keiner nennenswerten Verschlechterung der Märkte oder Devisenkurse komme, schreibt die Bank. Die adjustierte Rendite auf dem Kernkapital (CET1) soll mindestens 30 Prozent bis 2022 erreichen, bisher lag das Ziel bei 32 Prozent.

Das Programm dürfte Ertragsverbesserungen von mehr als 150 Millionen beisteuern.

Julius Bär werde ihren beiden Kundensegmenten, "High Net Worth Individuals" (HNWI) und "Ultra High Net Worth Individuals" (UHNWI), ein "geschärftes, unverwechselbares" Leistungsversprechen bieten, heisst es weiter. Entgegen dem Branchentrend würden HNWI-Kunden weiterhin auf persönliche Art und Weise von einem dedizierten Kundenberater betreut werden.

Entsprechens würden Investitionen in Technologie, die die persönliche Beratung stärken, beschleunigt, und in den Jahren 2020 und 2021 um rund 20 Prozent erhöht.

Die Dividendenpolitik und Kapitalrückgabepolitik bleiben unverändert. Ordentliche jährliche Dividenden in Höhe von 40 Prozent des adjustierten Konzerngewinns können durch Aktienrückkäufe oder Sonderdividenden ergänzt werden, so Julius Bär weiter. Das aktuelle Rückkaufprogramm in Höhe von 400 Millionen Franken läuft bis Ende Februar 2021.

Das Programm werde ab 2021 seine Wirkung entfalten und bis 2022 vollständig umgesetzt sein, so Julius Bär weiter.

Julius Bär-Aktien nach Strategie-Update und Zahlen deutlich im Minus

Im Schweizer Handel verlor die Aktie von Julius Bär letztlich 3,52 Prozent auf 46,60 Franken.

Julius Bär hat gemäss ZKB ein durchwachsenes Ergebnis 2019 veröffentlicht. Bis auf den Betriebsertrag, der im Rahmen der Konsenserwartungen lag, verfehlt der bereinigte Konzerngewinn selbst die pessimistischsten Annahmen. Andere Kerngrössen wie Nettoneugeld oder Dividende lagen am unteren Ende der Erwartungsbandbreite der Analysten.

Die Analysten der Bank Vontobel und der Deutschen Bank machen höhere Kosten für den schwächer als erwarteten Vorsteuergewinn verantwortlich. Umso mehr begrüsst Andreas Venditti von Vontobel, dass sich Julius Bär nun des Kostenproblems annimmt und Einsparungen von rund 200 Millionen Franken anstrebt.

Benjamin Goy von der Deutschen Bank weist darauf hin, dass zwar das Nettoneugeldwachstum unterhalb des eigenen Zielbereichs eines Zuflusses von 4 bis 6 Prozent gelegen sei, ohne die problembehaftete Kairos hätte es aber bei 4,1 Prozent betragen.

Für Gesprächsstoff sorgt aber vor allem das Strategie-Update unter dem neuen Firmenchef Philipp Rickenbacher. Er erteilt dem auf Nettoneugeldwachstum ausgerichteten Geschäftsmodell seines Vorgängers Boris Collardi eine Absage und will sich in Zukunft am Gewinnwachstum vor Steuern messen lassen. Am wichtigsten sei vermutlich die Aussage, den "Führungsschwerpunkt von einer Netto-Neugeld-Strategie zu nachhaltiger Gewinnsteigerung [zu] verlagern", schreibt Michale Kunz von der ZKB.

Die diesbezüglichen Zielvorgaben decken sich weitestgehend mit den durchschnittlichen Analystenschätzungen. Beim Kosten-Ertrags-Verhältnis - dieses soll bis Ende 2022 auf 67 Prozent oder tiefer nach zuletzt rund 71 Prozent zu liegen kommen - hatten sich einige Experten rückblickend noch deutlichere Verbesserungen erhofft.

Das neue Programm, das gemäss Julius Bär eine Ertragsverbesserungen von mehr als 150 Millionen vorsieht, ziele wohl eher darauf, die Bruttomarge zu stabilisieren als diese zu verbessern. Angesichts der Marktdynamik sei diese eine realistische Annahme, führen die Experten der UBS aus.

Die angekündigten strategischen Massnahmen beinhalte ziemlich genau das, was er vom neuen CEO Philipp Rickenbacher erwartet habe, hält Kunz von der ZKB weiter fest. Der angestrebte Quotient von Kosten zu Erträgen klinge ambitioniert - ein Markteinbruch dürfe dem Management von daher auf keinen Fall dazwischenkommen, so die Analysten weiter.

sig/tp

Zürich (awp)

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Bildquelle: Keystone