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KI auf dem Vormarsch 20.05.2026 22:28:00

Jobabbau 2026: Warum Cisco, Cloudflare und andere Tech-Konzerne Stellen streichen

Jobabbau 2026: Warum Cisco, Cloudflare und andere Tech-Konzerne Stellen streichen

In 2026 haben bereits zahlreiche Unternehmen angekündigte Stellen im grossen Stil zu streichen. Das steckt hinter den Massenentlassungen von Walmart, Meta, Morgan Stanley & Co.

• Zahlreiche Konzerne streichen Stellen im grossen Stil
• KI häufig als Grund genannt
• Techsektor besonders von Stellenstreichungen betroffen

Stellenstreichungen grosser Unternehmen haben in 2026 bereits ein sehr hohes Niveau erreicht. Wie aus einem Blog-Eintrag von Challenger, Gray & Christmas hervorgeht, haben im letzten Monat Unternehmen mit Sitz in den USA 83'387 Jobkürzungen angekündigt, was einem Anstieg von 38 Prozent gegenüber dem März entspricht. Im Vergleich zum April 2025 stellt dies jedoch ein Minus von 21 Prozent dar.

Insgesamt wurden in den ersten vier Monaten dieses Jahres in den USA 300'749 Entlassungen vorgenommen. Auch wenn es sich um eine hohe Rate handelt, wurden in der gleichen Periode im Vorjahr sogar 602'493 Entlassungen vorgenommen und damit sogar mehr als doppelt so viel. Hintergrund ist hier jedoch die zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump, der nach Antritt der Präsidentschaft im grossen Stil Beamtenstellen zusammenstrich.

Einer der Hauptursachen der aktuellen sich fortsetzenden Jobkürzungen ist der Trend hin zu mehr künstlicher Intelligenz. So wurde KI laut Challenger, Gray & Christmas in diesem Jahr bisher für 49'135 Stellenstreichungen als Grund angeführt und ist damit die dritthäufigste Ursache für Kündigungen. KI macht rund 16 Prozent aller für 2026 geplanten Stellenstreichungen aus.

Wegen des rasanten Aufstiegs von künstlicher Intelligenz werden die meisten Stellenstreichungen auch im Techbereich verzeichnet: "Technologieunternehmen kündigen weiterhin umfangreiche Stellenkürzungen an und führen die Liste der Entlassungsankündigungen aller Branchen an. Dabei führen sie häufig Ausgaben für KI und Innovation als Grund an. Unabhängig davon, ob einzelne Arbeitsplätze durch KI ersetzt werden, gilt dies zumindest für die dafür vorgesehenen Mittel", so Andy Challenger, Arbeitsmarktexperte und Chief Revenue Officer bei Challenger, Gray & Christmas in dem Blogartikel.

Jüngste Beispiele

p> Mittlerweile vergeht kaum eine Woche, ohne dass neue Massenentlassungen bei Techkonzernen angekündigt werden. Jüngstes Beispiel ist der US-Netzwerkausrüster Cisco, der bei der Zahlenvorlage vergangene Woche den Abbau tausender Stellen öffentlich machte. Kurz zuvor hatte auch das US-Techunternehmen Cloudflare im Rahmen der Bilanzvorlage angekündigt etwa 20 Prozent seiner weltweiten Belegschaft kündigen zu wollen und verwies als Grund auf den Übergang in die "Ära der agentischen KI", was eine Umstrukturierung nötig mache.

Insgesamt, so geht aus Zahlen von Challenger, Gray & Christmas hervor, wurden im Techsektor im April 33'361 Jobs gestrichen. In 2026 summiert sich die Zahl damit auf 85'411 Entlassungen - 33 Prozent mehr als im Vorjahresvergleich.

KI ersetzt bisher noch keine Mitarbeiter

Auch wenn KI eine der Hauptursachen wie Massenentlassungen ist, gibt Forrester Research in einem Bericht von Januar zu bedenken, dass es bisher nicht so ist, dass entlassene Mitarbeiter durch KI ersetzt werden würden. So dürften bis 2030 lediglich sechs Prozent der Arbeitsplätze in den USA automatisiert werden: "Zwar könnte KI für 6 Prozent der gesamten Arbeitsplatzverluste in den USA verantwortlich sein, was 10,4 Millionen Stellen entspricht, doch bleibt ein weitreichender, KI-getriebener Stellenersatz unwahrscheinlich, da sich die Arbeitsproduktivität erheblich steigern müsste, damit KI menschliche Arbeitskräfte in grossem Massstab ersetzen könnte", heisst in dem Bericht.

Trotzdem spielt das Thema KI auch bei den Entlassungsentscheidungen der Techkonzerne eine wichtige Rolle, meint Peter Cohan, ausserordentlicher Professor für Managementpraxis am Babson College, zu Barron’s: "Ich glaube, die wahren Gründe sind die während der Pandemie erfolgte Überbesetzung und das verlangsamte Wachstum sowie der Druck, die Margen zu verbessern, während gleichzeitig viel Geld in KI investiert wird".

Tatsache ist, dass zahlreiche Unternehmen enorme Summen in KI investieren, um den Ausbau der Infrastruktur für KI voranzutreiben, neue KI-Produkte zu entwickeln, oder um die Produktivität zu steigern. Doch in den letzten Monaten hat sich an der Wall Street auch gezeigt, dass Anleger sehen wollen, dass sich diese Investitionen auch auszahlen.

"Wenn man die letzten drei Jahre betrachtet, ging es 2024 für die meisten darum, eine KI-Strategie zu definieren, 2025 darum, mit Tests zu beginnen, und 2026 geht es nun wirklich darum, die Rendite dieser Investitionen zu demonstrieren", erklärt Francesca Luthi, ehemalige Führungskraft im globalen operativen Geschäft und Vorstandsberaterin, gegenüber Barron’s. "An diesem Punkt bieten Personalabbau-Massnahmen also die Chance, diese Einsparungen zu realisieren und das Geschäftsergebnis zu stärken."

Entlassungen dürften sich weiter fortsetzen

Vor diesem Hintergrund dürften die Entlassungen mit Verweis auf KI auch nicht allzu bald gestoppt werden. Doch nicht nur bei Techkonzernen kam es in diesem Jahr bereits zu vielen Streichungen: Auch in der US-Regierung kommt es weiterhin zu grossen Einsparungen. So kündigten Behörden auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene Pläne für den Abbau von 9'149 Stellen an, schreibt Challenger, Gray & Christmas. Für das gesamte Jahr hat der Sektor 11'419 Entlassungspläne angekündigt. Gemessen an dem Massen-Entlassungswahn im Vorjahr entspricht dies jedoch einem Rückgang von 96 Prozent - bis April 2025 wurden hier nämlich 282'227 geplant.

Auch vor der Lagerbranche machen Massenentlassungen nicht halt. Hier wurden im April 5'743 Stellenstreichungen angekündigt, womit die Anzahl in 2026 auf 10'512 Stellen ansteigt. Auch im Dienstleistungssektor gab es abgebaute Stellen, nämlich 4'110 an der Zahl, womit es in 2026 bisher 10'797 Entlassungen sind.

Daneben kam es auch in diesen Branchen zu vermehrt Stellenstreichungen: Pharma, Chemie, Industriegüter, Medien und Nachrichten.

Neben KI werden als Hauptgründe für Entlassungen in diesem Jahr Betriebsschliessungen, Restrukturierungen und Auftragsverluste genannt. Als wichtigster Grund wird jedoch das allgemeine Wirtschafts- und Marktumfeld angeführt.

Martina Köhler, Redaktion finanzen.ch

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Bildquelle: Den Rise / Shutterstock.com,Deemerwha studio / Shutterstock.com
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