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15.03.2013 20:13:31

INTERVIEW/Sana-Chef sieht kurzfristig keine Fusion privater Klinikkonzerne

   Von Heide Oberhauser-Aslan

   Der Klinkkonzern Sana rechnet nicht damit, dass es auf absehbare Zeit zu einer Fusion unter den grossen privaten Klinikwettbewerbern kommen wird. "Ich glaube, dass es auch in fünf Jahren noch vier grosse private Klinikkonzerne geben wird", sagte Vorstandschef Michael Philippi im Gespräch mit dem Wall Street Journal Deutschland. Die Sana Kliniken mit Sitz in Ismaning bei München sind nach der Fresenius-Tochter Helios, Rhön-Klinikum und Asklepios die viertgrösste private Klinikgruppe in Deutschland mit beträchtlichem Abstand auf den nächstgrösseren Wettbewerber.

   Nach der gescheiterten Offerte von Fresenius an die Rhön-Klinikum-Aktionäre im vergangenen Jahr waren Gerüchte am Markt aufgekommen, die Sana Kliniken AG könnte ein Übernahmeangebot für den fränkischen Wettbewerber vorbereiten. Sana ist zwar deutlich kleiner als Rhön-Klinikum, der Krankenhauskonzern ist aber im Besitz kapitalkräftiger privater Krankenversicherungen wie Allianz Private, DKV oder Signal. Das Unternehmen hatte daraufhin die Spekulationen dementiert. Allerdings hat es vor dem Angebot von Fresenius auch Gespräche zwischen dem Rhön-Gründer Eugen Münch und Sana gegeben, die aber nicht zum Erfolg geführt hatten.

   "Der Reifegrad der Überlegungen und die Analyse der Vor- und Nachteile haben nicht dazu geführt, dass diese lockeren Gespräche zu einem Ergebnis geführt haben", sagt auch Vorstandsmitglied Thomas Lemke rückblickend. Grosse Bedenken habe Sana schon frühzeitig wegen der 90-Prozent-Regelung gehabt. Die Satzung von Rhön-Klinikum schreibt für alle wichtigen Unternehmensentscheidungen wie etwa eine Kapitalerhöhung eine Quote von 90 Prozent vor.

   Sana selbst hält eigenen Angaben zufolge derzeit keine Aktien an Rhön-Klinikum. Dass Sana einmal Aktien von dem Konkurrenten kaufen könnte, wollte Philippi aber auch nicht ausschliessen. "Schauen wir mal, wie die Entwicklung weitergeht, akut sicher nicht" sagte er. Die öffentlich ausgetragene Übernahmeschlacht um Fresenius hat seiner Einschätzung nach dem Image der Branche eindeutig geschadet. Drei geplante Privatisierungsverfahren seien daraufhin eingestellt worden, erklärte Philippi.

   Auch den Ismaningern war seinerzeit nachgesagt worden, kein Interesse an einem übermächtigen Wettbewerber zu haben wie es Helios-Rhön geworden wäre. "Wir können gut mit der jetzigen Situation leben", erklärt der Sana-Chef diplomatisch.

   Ein Freund der ganz grossen Fusionen ist Philippi nicht. Ihm schweben eher regionale Zusammenschlüsse vor. Das schwierige Marktumfeld, das weiss auch das Sana-Management, zwingt zu Veränderungen. "Die Kliniken, die am Markt angeboten werden, sind oft hochgradig sanierungsbedürftig, die Sanierungszeit und der Aufwand nehmen zu", sagt Vorstandsmitglied Lemke. Das erzeuge Druck auf die Margen der Käufer. Die Sana-Manager erwarten daher, dass es künftig stärkere Portfolioveränderungen bei Klinikeigentümern geben wird als früher.

   "Ich habe den Eindruck, dass sich das Krankenhauswesen allmählich der nächsten Phase der Marktentwicklung nähert, wo Fusionen, Kooperationen und strategische Allianzen Träger-übergreifend auch zu einer gewissen Normalität werden", sagt Philippi. Die starren Abgrenzungstendenzen bei kommunalen, konfessionellen oder privaten Trägern veränderten sich jetzt unter dem Druck des Marktes. Das ausschliessliche Setzen auf einen Verdrängungswettbewerb werde es künftig nicht mehr geben, glaubt der Manager.

   "In Zukunft wird das passieren, was in allen anderen Industrien normal ist: Dass man beginnt, über gemeinsame Plattformen nachzudenken, statt ruinösen Wettbewerb zu betreiben", sagt Philippi. Das könnte etwa dazu führen, dass in einer Region Träger-übergreifend geschaut werde, wer der führende Anbieter ist und wie andere Standorte dort integriert werden könnten. "Ich muss nicht mehr an jedem Standort das gleiche medizinische Angebot haben im 50-Kilometer-Radius", sagte Philippi.

   Kontakt zum Autor: heide.oberhauser@dowjones.com

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