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Kräftiges Wachstum 18.08.2022 16:06:36

Geberit-Aktie unter Druck: Gewinnrückgang im ersten Halbjahr

Geberit-Aktie unter Druck: Gewinnrückgang im ersten Halbjahr

Der Sanitärtechnikkonzern Geberit hält im ersten Semester 2022 ein hohes Wachstumstempo.

Dazu verhelfen sowohl die höheren Verkaufspreise als auch eine gute Nachfrage. Da sich die hohe Inflation nur mit Verzögerung abwälzen lässt, geht der Gewinn aber deutlich zurück.

Der Nettoumsatz legte im ersten Semester um 5,5 Prozent auf 1,93 Milliarden Franken zu, wie der Bauzulieferer am Donnerstag mitteilte. Bremsend wirken hier negative Währungseffekte in der Höhe von 106 Millionen Franken. Um diese bereinigt, ergibt sich ein Plus in Lokalwährungen von über 11 Prozent.

Das Wachstumstempo sei im Vergleich zum zweiten Halbjahr des Vorjahres trotz einer starken Vergleichsbasis auf hohem Niveau gehalten worden, schreibt Geberit zum Geschäftsverlauf. Dieses "wiederum deutlich über dem normalen Niveau liegende Wachstum" sei sowohl auf positive Volumeneffekte zurückzuführen als auch auf die erhöhten Verkaufspreise. Diese trugen rund 60 Prozent zum Umsatzwachstum bei.

Die erhöhten Verkaufsmengen wiederum profitierten von Vorzieheffekten im Hinblick auf die für Juli angekündigten Preiserhöhungen. Aber auch die Nachfrage in der Bauindustrie bewegte sich laut Geberit weiterhin auf einem gesunden Niveau. Und "trotz erheblichen Herausforderungen in den Lieferketten" sei es weiterhin gelungen, die Verfügbarkeit der Produkte sicherzustellen.

Innerhalb der Hauptregion Europa wuchsen die Märkte Osteuropa und Iberische Halbinsel mit Raten von deutlich über 20 Prozent am stärksten gefolgt von Italien mit einem Wachstum knapp darunter. Laut Geberit "erfreuliche Wachstumsraten" resultierten auch in den Hauptmärkten Deutschland (+7,4%), Schweiz (+4,7%) oder Nordische Länder (+8,7%).

Operative Marge deutlich tiefer

Da die verschiedenen Preisrunden von Geberit die Teuerung nicht ganz auffangen konnten, entwickelte sich der Gewinn im Vergleich zum Umsatz unterproportional, was auf die operative Marge durchschlug. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA ging um gut 10 Prozent auf 561 Millionen Franken zurück und die entsprechende Marge um über 5 Prozentpunkte auf 29,0 Prozent, womit diese aber noch immer im Zielband von 28 bis 30 Prozent lag.

Der Inflationsdruck habe sich in den letzten drei Monaten im Vergleich zum ersten Quartal 2022 nochmals deutlich verschärft, schreibt Geberit dazu. Die Preise bei den Rohmaterialien und beim Transport seien massiv angestiegen und diejenigen für Energie hätten sich gegenüber der Vorjahresperiode gar mehr als verdoppelt. Die Preise könnten aber nur verzögert an die Kunden weitergeben und somit nicht vollständig kompensiert werden. Nebst negativen Währungseffekten schlugen auch noch die steigenden Personalkosten negativ zu Buche.

Der Reingewinn sank wegen einem schwächeren Finanzergebnis und einer höheren Steuerrate um knapp 13 Prozent auf 402 Millionen Franken. Mit den vorgelegten Zahlen hat Geberit die Erwartungen der Analysten mit dem Umsatz in etwa getroffen, mit dem Gewinn hingegen verfehlt.

Prognose verspricht Marge im Bereich des Zielbandes

Zum Ausblick auf das laufende Jahr macht Geberit erstmals konkrete Angaben: Demnach rechnet das Unternehmen für das Gesamtjahr 2022 mit einem Umsatzwachstum in lokalen Währungen im hohen einstelligen Prozentbereich sowie einer EBITDA-Marge von rund 28 Prozent.

Die Aktivitäten in der europäischen Bauindustrie seien aktuell weiterhin gesund, sowohl im Wohnungs- und im gewerblichen Bau wie auch im Neubau und im Renovationsbereich, so die Einschätzung der Marktlage. Die konjunkturellen Risiken seien aufgrund der rekordhohen Inflation und der höheren Zinsen aber weiter gestiegen und eine Prognose deshalb entsprechend schwierig. Auch gebe es die Unsicherheit hinsichtlich eines möglichen Lagerabbaus beim Grosshandel im Zusammenhang mit einer konjunkturellen Abkühlung.

Eine "gewisse Entspannung" macht Geberit bei den Rohmaterialpreisen aus. Diese dürften sich gemäss der Prognose im dritten Quartal auf dem sehr hohen Niveau des zweiten Quartals seitwärts entwickeln. Geberit will aber die Verkaufspreise in einzelnen Ländern Ende des dritten Quartals noch einmal "selektiv" anheben.

So reagiert die Geberit-Aktie

Die Aktien des Sanitärtechnikkonzerns Geberit geben am Donnerstag nach Vorlage von Halbjahreszahlen ab. Geberit ist zwar weiter gewachsen, doch drückten höhere Material- und Energiekosten stärker als von Analysten erwartet auf die Marge.

Zwischenzeitlich büssen Geberit an der Börse 2,04 Prozent auf 485,20 Franken ein und knüpfen damit an die schwache Kursentwicklung der letzten Tage an. Anfang Woche hatte die Aktie noch um die 510 Franken gekostet.

Analysten zufolge hat sich das Unternehmen in Sachen Umsatzentwicklung in den ersten sechs Monaten tapfer geschlagen. Enttäuscht zeigen sich einige Experten hingegen von der Gewinnentwicklung. Höhere Kosten haben deutliche Spuren hinterlassen.

Das zweite Quartal 2022 sei eines der schwächsten Jahresviertel für Geberit gewesen, heisst es im Kommentar von Goldman Sachs-Analystin Daniela Costa. Und auch die Angaben zum Ausblick seien eine Enttäuschung, was bei Analysten Senkungen der Gewinnschätzungen auslösen dürfte. Costa hält an ihrer Verkaufsempfehlung für Geberit fest.

Cedar Ekblom von Morgan Stanley geht davon aus, dass die Konsenserwartungen zum Margenziel um rund 3 Prozent sinken werden. Mit Blick auf die weitere Kursentwicklung bleibt er ebenfalls pessimistisch.

Der Margendruck sei stärker als erwartet ausgefallen und auch die Guidance fürs Gesamtjahr liege unter Konsens, heisst es bei der ZKB. Die Nachfragesituation sei aber im Bausektor erfreulicherweise weiterhin gut. Und so geht Analyst Martin Hüsler davon aus, dass sich die negative Dynamik im weiteren Jahresverlauf abkühlen wird.

cf/rw

Jona (awp)


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