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Erwartungen verfehlt 17.04.2019 17:51:00

GAM im ersten Quartal mit weiteren Abflüssen im Investment Management - Aktie kletter kräftig

GAM im ersten Quartal mit weiteren Abflüssen im Investment Management - Aktie kletter kräftig

Im wichtigen Geschäft "Investment Management" ist es allerdings zu weiteren Milliardenabflüssen gekommen.

Im "Investment Management" seien in den ersten drei Monaten des Jahres 4,0 Milliarden Franken an Kundengeldern abgeflossen, teilte der Asset Manager am Mittwoch mit. Und das konnte durch positive Markt- und Wechselkursentwicklungen in der Höhe von 3,0 Milliarden nur teilweise ausgeglichen werden.

Am Markt war zwar mit einem Anstieg der verwalteten Vermögen gerechnet worden, aber mit deutlich geringeren Abflüssen. Bereits im vergangenen Jahr war es zu massiven Abflüssen gekommen im Zuge der Affäre um den im Sommer 2018 suspendierten und später wegen "schweren Fehlverhaltens" entlassenen Investmentmanager Tim Haywood.

Haywood war für die Absolute-Return-Bond-Strategie mit uneingeschränktem Anlageansatz (ARBF) zuständig. Die betroffenen Fonds wurden zwei Tage nach seiner Suspendierung vom Handel ausgesetzt. Daraufhin zogen viele Anleger ihre Gelder ab, weshalb die Liquidierung beschlossen wurde.

Schwierige Zeit "bald hinter uns"

Der grösste Teil des Abflusses im ersten Quartal 2019 ist mit 2,3 Milliarden auf Aktienfonds zurückzuführen. Betroffen waren insbesondere Strategien in Europa und Asien. Allerdings profitierte der Aktienbereich gleichzeitig auch am stärksten von der positiven Entwicklung an den Märkten (+1,1 Milliarden).

Die verwalteten Vermögen in der Sparte gingen somit im ersten Jahresviertel auf 55,1 Milliarden zurück von 56,1 Milliarden per Ende 2018.

"Während sich die Anlageperformance über einen Drei- bzw. Fünfjahreszeitraum verbesserte, wurden die Nettomittelflüsse im ersten Quartal weiterhin von den Ereignissen rund um die ARBF-Strategien beeinflusst", liess sich der Interimschef David Jacob in der Mitteilung zitieren. "Diese schwierige Zeit" werde GAM aber bald hinter sich bringen.

Liquidierung bis Mitte Juli

Denn bis auf die letzte Gruppe von materiellen Vermögenswerten seien mittlerweile alle verkauft. Zudem sei über den Rest ebenfalls bereits eine Vereinbarung getroffen worden. GAM rechnet daher mit dem Abschluss der derzeit laufenden Liquidation der von Haywood betreuten Fonds bis Mitte Juli 2019.

Konkret wurden jüngst zwei "gewichtige" ARBF-Positionen verkauft, wie es am Mittwoch hiess. Und in den nächsten Wochen erfolge eine weitere Ausschüttung, womit dann 89 bis 95 Prozent des Onshore-Fondsvermögen und 80 bis 84 Prozent des Offshore-Fondsvermögens an die Kunden zurückbezahlt sein dürften.

Zudem habe sich GFG Alliance verpflichtet, alle ausstehenden verbrieften Schuldverschreibungen aus Energiekontrakten zu erwerben, die auf Konten gehalten werden, die in die ARBF-Strategie investiert wurden - dies zur gleichen Bewertung wie bei deren Kauf.

Der Abschluss dieser Transaktion wird am oder vor dem 15. Juli 2019 erwartet. Die gesamte Ausschüttung wird je nach Fonds und Mandaten voraussichtlich zwischen 99,6 Prozent und 101,0 Prozent der zu Beginn der Liquidation gehaltenen Beträge, die im August 2018 beschlossen wurde, liegen.

Weiterhin kein neuer CEO

Im "Private Labelling"-Geschäft, in dem die Gesellschaft Fondslösungen für Dritte anbietet, erzielte das Unternehmen derweil Nettozuflüsse und die verwalteten Vermögen stiegen auf 82,3 Milliarden von 76,1 Milliarden Ende 2018. Die Assets under Management der gesamten Gruppe beliefen sich damit per Ende März 2019 auf 137,4 Milliarden Franken im Vergleich zu 132,2 Milliarden Ende 2018.

Mit der laufenden Restrukturierung sieht sich GAM zudem auf Kurs. Man sei auf gutem Weg, die angestrebten Kosteneinsparungen von 40 Millionen Franken zu erreichen. Die Gesellschaft hatte angekündigt, im Laufe des Jahres rund 10 Prozent der Stellen abzubauen.

GAM geht zudem nach wie vor davon aus, dass die Ergebnisse im ersten Halbjahr 2019 wegen der wesentlich geringeren verwalteten Vermögen im Investment Management und der damit verbundenen tieferen Einnahmen "deutlich" unter dem ersten Halbjahr 2018 liegen werden.

Klarer Fokus bleibe es, "GAM wieder als einen führenden aktiven Asset Manager zu positionieren", so Jacob. Er folgte als CEO auf Zeit, nachdem Alexander Friedman Anfang November nach starker Kritik zurückgetreten war. Die Suche nach einem neuen Konzernchef läuft noch.

GAM-Titel stark gesucht

Die Aktien des Vermögensverwalters GAM zogen am Mittwoch deutlich an, obwohl es im ersten Quartal zu weiteren Abflüssen im "Investment Management" gekommen ist. Zuversichtlich stimmte Analysten, dass bei der laufenden Liquidierung der ARBF-Strategien ein Ende in Sicht ist.

GAM gewannen 15,11 Prozent auf 4,04 Franken. Im vergangenen Jahr waren die Titel um drei Viertel eingebrochen und notierten im Tief im Dezember bei 2,76 Franken. Mit dem aktuellen Plus sind sie mittlerweile in etwa auf dem Stand von Ende 2018 (3,86 Franken).

Der Abschluss der Liquidierung der ARBF-Strategien bis Mitte 2019 sei positiv, wenn Verluste verhindert werden können, kommentiert Vontobel die Ankündigungen vom Morgen. So komme die durch die Suspendierung des Investmentmanagers Tim Haywood losgetretene Misere zu einem Ende.

Die Verkaufsvereinbarung für die restlichen Vermögenswerte der betroffenen Fonds sei klar positiv, schreibt zudem die UBS. Die zuständigen Analysten zeigten sich aber enttäuscht über das späte Datum. Sie hätten denn auch eine negative Aktienkursreaktion erwartet.

Auch Vontobel schreibt mit Blick auf die negativen Aspekte: Die Abflüsse im Investment Management seien höher als erwartet, und die Mischung deute auf weiteren Druck auf die Marge bei den Gebühren hin.

Bei den Abflüssen würden zudem besonders die aus den Aktienstrategien hervorstechen, "da man unseres Erachtens hier schlecht mit einem Überschwappen von ARBF-Effekten argumentieren kann", fügt die ZKB hinzu.

Zwar sei die positive Entwicklung im "Private Labelling"-Geschäft erfreulich, aber das dürfte wohl nicht ausreichen, um den Markt von einer wesentlichen Veränderung des Investment Case zu überzeugen, heisst es zudem noch von der UBS mit Blick auf den zweiten tiefmargigen Bereich von GAM.

"Weil die Firma per Saldo quer über die ganze Produktpalette weiterhin Assets verliert, sehen wir keinen Grund, warum man ausgerechnet jetzt auf einen Turnaround wetten sollte", zieht die ZKB das Fazit. Noch einmal einen Short neu aufzumachen ("nachdem wir unseren im August leider zu früh geschlossen hatten"), lohne sich auf dem jetzigen Kursniveau jedoch auch nicht mehr.

Zürich (awp)

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Bildquelle: GAM