Zurück geht es hier Grüezi! Sie wurden auf finanzen.ch, unser Portal für Schweizer Anleger, weitergeleitet.  Zurück geht es hier.

Eli Lilly Aktie 947556 / US5324571083

Abgesagte Investitionen 08.06.2026 21:18:00

Eli Lilly-Aktie dennoch mit kräftigem Plus: Expertin sieht 'deutliche Warnschüsse' für Pharmastandort

Eli Lilly-Aktie dennoch mit kräftigem Plus: Expertin sieht 'deutliche Warnschüsse' für Pharmastandort

Die von den Pharmariesen Eli Lilly und Boehringer Ingelheim abgesagten Investitionen zeigen nach Meinung einer Pharmaexpertin des IW grundlegende Herausforderungen des Standorts Deutschland.

"Meine Einschätzung an dieser Stelle wäre, dass wir es mit deutlichen Warnschüssen zu tun haben", sagte Jasmina Kirchhoff der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. "Das, was wir da gerade sehen, ist durchaus ernst zu nehmen, weil das Überlegungen sind, die sich viele andere Unternehmen auch stellen werden."

Mitte der Woche hatte erst Boehringer Ingelheim verkündet, für die Jahre 2027 bis 2030 vorgesehene 900 Millionen Euro doch nicht in deutsche Standorte investieren zu wollen. Kurz darauf verkündete der US-Konzern Eli Lilly, nicht mehr 2,5 Milliarden US-Dollar (rund 2,2 Mrd. Euro) in sein neues Werk in Alzey in Rheinland-Pfalz zu stecken, sondern nur noch die Hälfte des Betrages.

Expertin: Firmen fehlt Planungssicherheit

Kirchhoff verwies auf die geplante Gesundheitsreform in Deutschland. Über das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz werde in einer Zeit diskutiert, in der sich weltweit die Rahmenbedingungen änderten. Der US-Markt stelle sich komplett neu auf, auch steige der Druck aus Asien.

Kritisch gesehen würden von der Pharmaindustrie die als Teil des Sparpakets vom Bund angedachten dynamisierten Herstellerabschläge. "Mit denen ist es praktisch gar nicht mehr möglich, überhaupt Planungen zu vollziehen, weil sich diese Rabatte jedes Jahr ändern", sagte Kirchhoff. "Zudem muss man davon ausgehen, dass sie in Zukunft ausschliesslich steigen werden."

Hinzu komme, dass im Gesetz bisher die Möglichkeit von Rabattverträgen für innovative Arzneimittel angelegt ist, die den Schutz geistigen Eigentums unterminieren würden. Auch müsse gesehen werden, dass einige Länder als Reaktion auf die US-Arzneimittelpolitik ihre Arzneimittelbudgets schon hochgesetzt hätten. "Das, was wir tun, ist genau das Gegenteil."

Kirchhoff: Zielkonflikt muss angegangen werden

Sie hoffe, dass in der deutschen Politik spätestens jetzt verstanden worden sei, dass es einen ernsthaften Zielkonflikt gebe zwischen gesundheits- und wirtschaftspolitischen Zielsetzungen, sagte Kirchhoff. Alle beteiligten Ministerien müssten sich zusammensetzen und schauen, wie sich dies verbinden lasse. Auch müsse ins Bewusstsein geraten, dass die neue Ausrichtung der US-Arzneimittelpolitik ein systemisches Risiko für Deutschland darstelle.

Was in Deutschland getan werde, stehe besonders im Blick. Es sei der grösste Gesundheitsmarkt Europas, andere europäische und nicht europäische Länder koppelten ihre Preise an deutsche Arzneimittelpreise und die deutsche Pharmaindustrie habe ein hervorragendes Standing. "Das heisst, was wir hier tun, hat auch Signalwirkung in andere Länder hinein."

Die Aktie von Eli Lilly zeigt sich am Montag an der NYSE zeitweise bei 1.150,54 US-Dollar und damit 1,69 Prozent höher. Im Handelsverlauf hatte sie zuvor bei 1.182,73 US-Dollar einen neuen Rekordkurs erreicht.

/chs/DP/zb

KÖLN (awp international)

Weitere Links:


Bildquelle: Katherine Welles /Shutterstock.com,Jonathan Weiss / Shutterstock.com
In eigener Sache

Trading Signals: Sika: Konsolidierung als Chance

Das Umfeld für den Bauchemie- und Spezialmaterialkonzern ist derzeit anspruchsvoll. Doch Marktanteilsgewinne, Effizienzprogramme und die anstehenden Halbjahreszahlen könnten der zuletzt konsolidierenden Aktie neuen Schwung verleihen.

Weiterlesen!