28.03.2016 11:03:37

Ein Netz für das Internet der Dinge

Bern (awp/sda) - Wenn der Regenschirm morgens im Ständer piepst, weil das Wetter schlecht wird, ist IoT im Spiel. Weil sich immer mehr Geräte und Dinge mit dem Internet verbinden, wird dieses zum Internet der Dinge und erhält ein neues Netzwerk.

Mit dem Internet of things (IoT) wird vieles komfortabler, einfacher und schlauer. Damit sich aber Milliarden neuer smarter Sensoren, Schlösser, Lichter, und Alltagsgegenstände zum IoT verbinden können, braucht es nicht nur neue Funknetzte und innovative Firmen, sondern auch experimentierfreudige Konsumenten.

Regenschirm mit Cloud

Viele wünschen sich einen schlauen Regenschirm. Verlässt man morgens die Wohnung, fordert er piepsend zum Mitnehmen auf, weil die Wetterprognose schlecht ist. Vergisst man ihn dann mittags im Restaurant, jammert er per Alarm auf dem Handy und sagt auch gleich, wo man ihn vergessen hat. Doch dabei ist eines ist klar: Der neue Regenschirm soll zwar clever sein, aber sicher nicht jeden Abend an die Ladebuchse müssen. Eine kleine Knopfbatterie soll ihn mindestens ein Jahr lang mit Strom versorgen.

Die stromsparende Funktechnik für den schlauen Regenschirm ist in wenigen Monaten verfügbar. Swisscom will bis Ende Jahr mit ihrem neuen Low-Power-Funknetz (LPN) 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung versorgen.

Der Regenschirm kann sich dann jederzeit mit dem Internet verbinden, egal wo er rumsteht. Er holt sich dann die neusten Wetterinfos und funkt ins Internet, wo er steht. Cloud-Lösungen im Hintergrund sorgen dafür, dass sich Regenschirm, Handy und Mensch zu einer langjährigen Freundschaft verbinden.

Klein, stromsparend, billig

Im Internet der Dinge gibt es tausende Träume und Ideen, welche das Leben einfacher machen sollen. Freie Parkplätze, die in Echtzeit nach Autos suchen, erlösen den Autofahrer von sinnlosen Suchfahrten. Sensoren erkennen Rohrbrüche, Brände und andere Gefahren, bevor sie sich zur Katastrophe ausarten. Smarte Strassenlampen passen sich dem Verkehr an. Sensoren in Äckern und Weinbergen fordern perfekte Wasser- oder Düngemittelversorgung an und Türen und Schlösser öffnen sich ohne Schlüsselsucherei.

Damit diese Träume Realität werden, braucht es aber einige Voraussetzungen: Die smarten Dinge müssen sich mit dem Internet verbinden, sollen aber klein und billig sein und vor allem so wenig Strom verbrauchen, dass sie auch mit Batterien jahrelang funktionieren.

Das Handy ist zwar unser smartestes Alltagsding, dessen Technik lässt sich allerdings nicht einfach in einen Regenschirm minimieren. Denn der Handyfunkt mittels GSM-Technik ist stromhungrig, technisch anspruchsvoll und braucht meist auch teure SIM-Karten.

LPN, Bluetooth oder G5

Deshalb nutzen heute noch die meisten smarten Dinge, von der Smartwatch über das smarte Vorhängeschloss deshalb einen Trick. Sie verbinden sich nicht direkt mit dem Internet, sondern per Bluetooth-Funk mit dem Handy. Das Smartphone kümmert sich dann um die Internetverbindung. In der Praxis hat dieser Umweg aber viele Nachteile. Denn wie funkt der arme Regenschirm in der Beiz, wenn das Handy nicht mehr da ist?

Mit der neuen LPN-Funktechnik kann sich der Regenschirm bald direkt mit dem Internet verbinden, ohne ein Handy als Krücke zu benötigen. Trotzdem braucht der Schirm nicht mehr Strom, als bei der Bluetooth-Technik.

Für dieses Kunststück verwendet er mehrere Tricks. Erstens ist der Regenschirm nicht permanent online, sondern fragt beispielsweise nur im Stundentakt nach neuen Wetterinfos. Auch beim Übermitteln der Daten verhält er sich extrem sparsam. Er funkt also nicht permanent seinen Standort, sondern erst, wenn er 30 Minuten rumsteht. Erst Software in Handy und Cloudrechnern merken dann, dass sich der Schirmbesitzer unbeabsichtigt von seinem Schirm getrennt hat.

Das LPN-Funknetz von Swisscom ist offen für alle. Nur der Gerätehersteller muss für die Netznutzung zahlen. Der Konsument nutzt es quasi gratis, der Regenschirm hat weder SIM-Karte noch andere Einschränkungen.

LPN ist allerdings nur eine Technik, mit der sich in Zukunft Milliarden von Dingen mit dem Internet verbinden sollen. Ein Dutzend andere Funktechniken konkurrenzieren bereits damit. Auch die bisherige Handytechnik (GSM) will mit einem neuen G5-Standard die Erfordernisse für das IoT erfüllen, was aber noch Jahre dauern kann. Mit ihrem LPN-Netz, das grösstenteils bereits vorhandene Funkmasten nutzt, prescht Swisscom zwar vor, verbindet die Schweiz aber schnell mit der Zukunft des IoT.

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