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| Wiederbelebung |
23.06.2026 20:17:00
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Droht eine IPO-Flut? Warum der Aktienmarkt gelassen bleiben könnte
Der Markt steht vor einer neuen Welle grosser Börsengänge. Doch JPMorgan sieht darin kein Signal für eine Überhitzung, sondern verweist auf ein historisch verändertes Marktumfeld.
• Die Bank sieht ausreichend Liquidität im Markt, um dieses Angebot aufzunehmen
• Historische Daten zeigen laut JPMorgan, dass grosse IPOs häufig nicht das Ende eines Bullenmarktes markieren
Nach Angaben von JPMorgan könnte der Aktienmarkt 2026 eine der grössten IPO-Wellen der vergangenen Jahre erleben. Das erwartete Volumen von rund 260 Milliarden US-Dollar würde sich auf dem Niveau der Hochphase von 2021 bewegen.
Damit rechnet die Bank mit einer deutlichen Wiederbelebung des IPO-Marktes, nachdem dieser in den vergangenen Jahren spürbar an Dynamik verloren hatte. JPMorgan schreibt dazu: "Das Ausmass ist zweifellos historisch."
Ein grösserer Markt verändert die Dimensionen
Doch trotz des hohen Emissionsvolumens sieht JPMorgan keine strukturelle Überforderung des Aktienmarktes. Entscheidend sei die gewachsene Grösse des Marktes selbst.
Nach Angaben der Bank liegt die Marktkapitalisierung des S&P 500 mittlerweile bei mehr als 65 Billionen US-Dollar und damit rund 55 Prozent über dem Niveau von 2021. Diese gewachsene Kapitalbasis erhöht aus Sicht von JPMorgan die Fähigkeit des Marktes, auch grosse Neuemissionen aufzunehmen, ohne bestehende Bewertungen automatisch unter Druck zu setzen.
Starke Nachfragequellen stützen das Angebot
Die nach Bilanzsumme grösste Bank der USA verweist darauf, dass das erwartete IPO-Angebot auf mehrere starke Nachfragequellen trifft.
Ein zentraler Faktor seien die Aktienrückkäufe der Unternehmen. Diese dürften im laufenden Jahr ein Volumen von rund 1,5 Billionen US-Dollar erreichen und damit deutlich über dem erwarteten IPO-Volumen liegen.
Zusätzlich hebt JPMorgan ein robustes M&A-Umfeld hervor. Bereits im ersten Halbjahr summierten sich angekündigte Übernahmen laut Quelle auf knapp 900 Milliarden US-Dollar.
Privatanleger bleiben wichtige Käufer
Neben institutionellen Akteuren sieht JPMorgan auch private Haushalte als wichtigen Stabilitätsfaktor. Anders als in früheren IPO-Zyklen seien diese aktuell Netto-Käufer von Aktien.
So entspreche die Netto-Nachfrage privater Haushalte derzeit rund 3 Prozent des gesamten US-Aktienmarktes. Diese Nachfrage erhöhe die Fähigkeit des Marktes, zusätzliche Aktienemissionen zu absorbieren.
Historie spricht gegen das klassische Top-Signal
Ein wesentlicher Punkt der JPMorgan-Analyse ist der historische Vergleich. Demnach fallen grosse IPOs zwar häufig mit Phasen hoher Risikobereitschaft zusammen, gelten aber nicht automatisch als Vorboten einer Marktkorrektur. Eine Auswertung der 25 grössten IPOs zeige, dass der S&P 500 in zwei Dritteln der Fälle ein Jahr später höher stand - mit Renditen zwischen 5 und 20 Prozent.
Warum SpaceX, OpenAI und Anthropic ins Bild passen
JPMorgan argumentiert, dass sich der heutige Markt strukturell von früheren IPO-Zyklen unterscheidet. Die Kombination aus grösserer Kapitalbasis, hohen Rückkäufen, starker M&A-Aktivität und anhaltender Nachfrage durch Privatanleger schafft laut der Bank ein Umfeld, das grosse Börsengänge besser aufnehmen kann als in der Vergangenheit.
Auch wenn JPMorgan im Bericht keine einzelnen Namen hervorhebt, passt die aktuelle Diskussion um SpaceX sowie mögliche künftige Börsengänge von OpenAI und Anthropic in genau dieses Muster: sehr grosse, kapitalkräftige Unternehmen treffen auf einen historisch tiefen und liquiden Markt.
Die zentrale Aussage der Bank bleibt: Das Problem ist nicht die Grösse der IPOs - sondern ob die Nachfrage mitwächst. Und dafür sieht JPMorgan aktuell mehrere stabile Säulen.
Was das für Anleger bedeutet
Für Anleger liefert die JPMorgan-Analyse vor allem einen Perspektivwechsel: Eine steigende Zahl grosser Börsengänge muss nicht automatisch negativ für den Gesamtmarkt sein. Entscheidend bleibt laut der Analyse, ob die Nachfragebasis breit genug ist - und genau das sieht JPMorgan aktuell als gegeben an.
Für Investoren heisst das: Die IPO-Welle sollte weniger als Warnsignal betrachtet werden, sondern vielmehr als Ausdruck eines liquiden und aufnahmefähigen Marktes. Entscheidend bleibt dabei die Qualität einzelner Börsenkandidaten und deren Bewertung im Verhältnis zu den Fundamentaldaten.
Thomas Zoller, Redaktion finanzen.ch
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