<
News + Analysen
News + Adhoc
Analysen
Kursziele
>
<
Unternehmen
Termine
Profil
>
<
zugeh. Wertpapiere
Strukturierte Produkte
>
Schlechtes Umfeld 23.11.2022 17:49:00

Credit Suisse-Aktie bricht ein: Massiver Quartalsverlust erwartet - Kapitalerhöhung über 4 Milliarden

Credit Suisse-Aktie bricht ein: Massiver Quartalsverlust erwartet - Kapitalerhöhung über 4 Milliarden

Die Credit Suisse erwartet einen weiteren Milliardenverlust für das vierte Quartal.

Die angeschlagene Grossbank leidet unter schwierigen Marktbedingungen und muss starke Geldabflüsse vor allem im Vermögensverwaltungsgeschäft hinnehmen.

Für das Schlussquartal 2022 erwartet die Credit Suisse, die mitten in einem radikalen Umbau steckt, einen weiteren Vorsteuerverlust von bis zu 1,5 Milliarden Franken, wie sie am Mittwoch im Vorfeld der ausserordentlichen Generalversammlung mitteilte. Betroffen von den schwierigen Marktbedingungen sei vor allem die Investment Bank, aber auch die Vermögensverwaltung und das Schweizer Geschäft bekämen die schwachen Kundenaktivitäten zu spüren.

Einschliesslich des geschätzten Q4-Verlusts könnte damit für 2022 ein Verlust vor Steuern in Höhe von rund 3,4 Milliarden Franken resultieren. Die Credit Suisse hatte bereits das Gesamtjahr 2021 mit einem Vorsteuerverlust von 522 Millionen abgeschlossen.

Abflüsse von 6 Prozent

Die Bank bestätigt zudem die bereits für die ersten Wochen des Oktober 2022 vermeldeten hohen Kapitalabflüsse. Gruppenweit hätten sich diese Abflüsse nun bis zum 11. November auf rund 6 Prozent der verwalteten Vermögen belaufen, heisst es in der Mitteilung.

In der Vermögensverwaltung hätten die Abflüsse vom Oktober zwar reduziert werden können, sie hätten aber noch nicht gedreht. Derzeit lägen die verwalteten Vermögen rund 10 Prozent unter dem Niveau vom Ende des dritten Quartals, heisst es. In der Schweizer Bank habe sich die Situation deweil stabilisiert, die Kundenvermögen lägen noch 1 Prozent tiefer.

Rote Zahlen in Vermögensverwaltung

Wegen der deutlich reduzierten Kundenvermögen dürfte auch das Vermögensverwaltungsgeschäft rote Zahlen schreiben. Auf den Resultaten lastet auch der Ende Oktober angekündigte strategische Umbau der Gruppe. So resultiert aus dem Verkauf des Allfunds-Anteils ein Verlust von 75 Millionen Franken. Insgesamt dürften die Restrukturierungskosten im laufenden Quartal rund 250 Millionen Franken betragen.

Trotz der Abflüsse seien die vorgeschriebenen Liquiditätskennzahlen auf Gruppenebene jederzeit eingehalten worden, betont die Credit Suisse. So betrug die durchschnittliche "Liquidity Coverage Ratio" im laufenden Quartal bisher 140 Prozent.

Die Finanzgruppe bekräftigt zudem ihre Ziele für die Kapitalquote. So wolle sie weiterhin bis 2025 eine Kernkapitalquote (CET1 vor Basel III-Reformen) von über 13,5 Prozent erreichen, wobei sie diese von 2023 bis 2025 mindestens bei 13 Prozent halten wolle.

CS-Generalversammlung stimmt Kapitalerhöhung über 4 Milliarden zu

Die Credit Suisse kann ihr Kapital aufstocken. Die Aktionäre haben der Beschaffung von rund 4 Milliarden Franken durch die Ausgabe neuer Aktien sowie dem Einstieg der Saudi National Bank als neuer Grossaktionärin zugestimmt. Die angeschlagene Grossbank steckt aber auch weiterhin tief in den roten Zahlen und muss nun auch hohe Geldabflüsse vermelden.

Die Credit-Suisse-Aktionäre hatten am Mittwoch an einer ausserordentlichen Generalversammlung gleich zwei Kapitalerhöhungen zuzustimmen. Mit einem Ja-Stimmen-Anteil von knapp 92 Prozent genehmigten sie eine Kapitalerhöhung in Form einer Privatplatzierung an die Saudi National Bank (SNB) und einige weitere "qualifizierte Investoren". Diese soll brutto bis zu 1,77 Milliarden Franken einbringen.

Die Saudi National Bank hatte bereits im Oktober angekündigt, sich bei der Credit Suisse mit bis zu 1,5 Milliarden Franken zu engagieren. Sie strebt bei der Schweizer Grossbank einen Aktienanteil von 9,9 Prozent an. Die CS hat mit der saudischen Investmentgesellschaft Olayan und der Qatar Investment Authority (QIA) bereits zwei weitere gewichtige Aktionäre aus dem Nahen Osten.

Bezugsrechte

Mit einer noch klareren Zustimmung von gut 98 Prozent genehmigte die Generalversammlung eine zweite Kapitalerhöhung mit einem Bruttoerlös von mindestens 2,24 Milliarden Franken. Bei dieser erhalten die bestehenden Aktionäre Bezugsrechte für den Kauf neuer CS-Aktien, wobei der Kaufpreis pro Aktie bei 2,52 Franken erwartet wird. Die genauen Bedingungen sollen am (morgigen) Donnerstag bekanntgegeben werden.

Die Credit Suisse benötigt das neue Kapital zur Finanzierung ihrer Ende Oktober angekündigten tiefgreifenden Restrukturierung. Dabei will sie unter anderem ihre verlustträchtige Investment Bank (IB) deutlich verkleinern, wobei Teile dieses Geschäfts verkauft respektive ausgelagert werden. Die Kostenbasis soll durch den Abbau von 9000 der ursprünglich rund 52'000 Stellen deutlich verringert werden. Bis 2024 rechnet die Bank mit Restrukturierungskosten und Abschreibern in Höhe von 2,9 Milliarden Franken.

Neuer Milliardenverlust

Gleichzeitig steckt die Bank weiter tief in den roten Zahlen. Am Mittwochmorgen kündigte sie für das vierte Quartal einen Vorsteuerverlust von bis zu 1,5 Milliarden Franken an, womit ihr für das Gesamtjahr 2022 ein Verlust vor Steuern von 3,4 Milliarden Franken drohen würde. Die CS hatte bereits das von den Grosspannen um den Hedgefonds Archegos und die Greensill-Fonds geprägte Jahr 2021 mit einem hohen Verlust abgeschlossen.

Die Bank kämpft zudem mit hohen Geldabflüssen ihrer Kunden: Von Anfang Oktober bis zum 11. November flossen gruppenweit netto rund 6 Prozent der verwalteten Vermögen ab, im eigentlichen Vermögensverwaltungsgeschäft waren es gar rund 10 Prozent. Stabilisiert habe sich die Situation in der Schweizer Bank, wo die Kundenguthaben rund 1 Prozent zurückgegangen seien, hiess es.

Lehmann sieht Fortschritte

Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann zeigte sich am Mittwoch in einer Videobotschaft an die Aktionäre dennoch betont zuversichtlich. Das Abstimmungsergebnis der ausserordentlichen Generalversammlung bestätige das Vertrauen in die im Oktober vorgestellte Strategie, erklärte er. Die Bank habe in den letzten Wochen auch Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie gemacht, gab er sich überzeugt.

Keine Stellung bezog er allerdings zu der von verschiedener Seite geäusserte Kritik am Einstieg der Saudi National Bank vor allem wegen ethischer Bedenken. So hatten sich die Vertreter der Anlegervereinigungen Actares und Ethos in den Medien gegen den neuen Ankeraktionär ausgesprochen. Vorab eingereichte Fragen von Aktionärsseite seien nur direkt beantwortet worden, sagte eine CS-Sprecherin auf Anfrage.

Analysten gaben sich erstaunt über den massiven Verlust im vierten Quartal und zeigten sich wegen der Vermögensabflüsse besorgt.

So reagiert die Credit Suisse-Aktie

Die Aktien der Credit Suisse setzen am Mittwoch ihren Sinkflug fort. Im Vorfeld ihrer ausserordentlichen Generalversammlung, an der die Aktionäre einer Kapitalerhöhung über rund 4 Milliarden Franken zustimmen sollen, hat die Grossbank einen Vorsteuerverlust von 1,5 Milliarden Franken im vierten Quartal angekündigt und vermeldet anhaltende Geldabflüsse.

Zu Handelsende notierten CS-Anteile 6,12 Prozent im Minus bei 3,62 Franken. Die Titel bewegen sich damit wieder in Richtung der Tiefstwerte von Anfang Oktober, als in sozialen Medien Gerüchte um eine Schieflage der Bank verbreitet worden waren. Am 3. Oktober hatten die CS-Aktien ein Allzeittief von 3,52 Fr. erreicht. Der Gesamtmarkt (SMI) notiert derweil praktisch.

Der CS sei offensichtlich die Stabilisierung ihrer Geschäfte noch nicht geglückt, schreiben die Experten von JPMorgan in einem Kommentar. So müsse die Grossbank Vermögensabflüsse innert eines Quartals auf Niveaus vermelden, wie sie etwa die UBS in einem ganzen Jahr erlebe. Die Abflüsse von rund 6 Prozent auf Gruppenebene entsprächen ungefähr 84 Milliarden Franken, rechnet Analyst Kian Abouhossein vor. Alleine im Vermögensverwaltungsgeschäft dürften fast 64 Milliarden abgeflossen sein.

"Perplex" sei er aber auch über den massiven Vorsteuerverlust in der Investment Bank, die nicht mit dem Marktumfeld erklärt werden könne, so der JPMorgan-Experte weiter. Die Restrukturierung der Investment Bank erweise sich als sehr komplex und lasse an Klarheit in wichtigen Kenngrössen vermissen, kritisiert er.

Auch für Vontobel-Experte Andreas Venditti sind die massiven Abflüsse im Vermögensverwaltungsgeschäft, einem erklärten Kerngeschäft der CS, äusserst besorgniserregend. Wegen dem klaren Rückgang der verwalteten Vermögen werde er seine Ertragsaussichten nach unten korrigieren müssen: Die CS müsse das Vertrauen so schnell wie möglich wiederherstellen, so der Analyst: "Aber das ist leichter gesagt als getan."

Mit dem angekündigten Quartalsverlust wie auch den Geldabflüsse liegen auch für die UBS-Analysten deutlich über den Erwartungen. So dürften sich die Marktteilnehmer nun auch Fragen über die weiteren Geschäftsbereiche der CS neben der verlustreichen Investment Bank stellen.

Die Aktionäre der Credit Suisse werden am Vormittag an einer ausserordentlichen Generalversammlung über eine Kapitalerhöhung in Höhe von 4 Milliarden Franken befinden. Die Saudi National Bank und weitere qualifizierte Investoren hatten sich zum Kauf der CS-Aktien zu 3,82 Fr. verpflichtet, also zu einem Preis, der über dem derzeitigen Kursniveau liegt.

tp/uh

Zürich (awp)


INFLATION: WELTWEIT STEIGEN DIE PREISE

Viele Anleger setzen deshalb auf den Aktiv verwalteten Global Inflation Protection Basket. Informieren Sie sich über die breit gestreute Auswahl an robusten Aktien & ETFs.

Weitere Links:


Bildquelle: Keystone,Pincasso / Shutterstock.com