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07.05.2013 08:33:55

Commerzbank startet mit Verlust - Kosten für Sparprogramm belasten (AF)

FRANKFURT (awp international) - Die Commerzbank ist wie erwartet mit einem Verlust ins Jahr gestartet. Im ersten Quartal stand unter dem Strich ein Fehlbetrag von 94 Millionen Euro, wie das Institut am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Vor einem Jahr hatte die Bank noch 355 Millionen Euro verdient. Analysten hatten mit einem höheren Verlust gerechnet. Wie angekündigt belastete das eingeleitete Sparprogramm das Ergebnis mit Kosten von knapp 500 Millionen Euro. Zudem drückte das niedrige Zinsniveau auf die Erträge. Ausserdem musste die Bank ihre Vorsorge für faule Kredite erhöhen. Einen konkreten Ausblick für dieses Jahr traute sich der Vorstand erneut nicht zu.

Das operative Ergebnis vor Steuern - aus dem die Commerzbank Sonderbelastungen wie die Rückstellungen für den geplanten Konzernumbau herausrechnet - übertraf trotz eines Rückgangs um knapp 20 Prozent auf 469 Millionen Euro die Erwartungen von Analysten. Einen kräftigen Gewinnsprung gab es etwa im Investmentbanking. Dabei profitierte die Commerzbank von der wieder besseren Stimmung an den Finanzmärkten, die die Kunden wieder aktiver mit Anleihen und Aktienderivaten handeln liess. Zudem profitierte sie diesmal von der Neubewertung eigener Verbindlichkeiten.

ABBAUSPARTE VERRINGERT VERLUST DEUTLICH

Deutlich besser lief es auch in der konzerneigenen Abbausparte. Sie reduzierte den Vorsteuerverlust um gut 400 Millionen Euro auf 87 Millionen. In diesem Bereich hat die Commerzbank jene Geschäftsteile geparkt, die sie loswerden möchte - etwa das grosse Paket an Finanzierungen von Schiffen und an gewerblichen Immobilien. Insgesamt hatte die Sparte Ende März noch 143 Milliarden Euro angelegt, 7,3 Milliarden Euro weniger als Ende 2012.

Das besser als erwartete Ergebnis könnte der neuerlich geplanten Kapitalerhöhung ein Schub geben. In den kommenden Wochen will das Institut 2,5 Milliarden Euro frisches Geld einsammeln, um damit die verbliebene direkte Staatshilfe aus der Zeit der Finanzkrise zurückzuzahlen. Erst vor zwei Jahren hatte das Institut sich am Markt rund elf Milliarden Euro besorgt.

COMMERZBANK KÄMPFT UM TRENDWENDE

Durch die Kapitalerhöhung will die Commerzbank zugleich die harte Kernkapitalquote um einen Prozentpunkt steigern. Der Wert lag unter Einbeziehung aller erst künftig geplanten Regeln (Basel III) Ende März bei 7,5 Prozent. Bis Ende 2014 will die Commerzbank 9 Prozent erreichen. Kernkapital gilt als Puffer vor neuen Krisen.

Die Commerzbank kämpft seit langem um eine Trendwende. Sorgenkind im Kerngeschäft ist das Privatkundengeschäft. Im ersten Quartal gab es zumindest einen kleinen Lichtblick. Zwar halbierte sich der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, allerdings war das Ergebnis besser als in den drei Quartalen zuvor. Diesen Aufwärtstrend wertete Vorstandschef Martin Blessing als ersten Beleg für die Wirksamkeit seiner neuen Strategie, die besonders im Privatkundengeschäft ansetzt und mit einer massiven Werbekampagne untermauert wird.

SORGENKIND IM REKORD-DAX

Mittelfristig plant die Commerzbank ein neues Filialkonzept und will mit flexibleren Öffnungszeiten mehr Kunden werben. Zugleich müssen die Kosten runter. Bis 2016 will die Bank konzernweit 4.000 bis 6.000 Vollzeitstellen kappen - ein Schwerpunkt dabei ist das Privatkundengeschäft. Frühestens 2014 soll sich der Konzernumbau nach bisherigen Planungen auszahlen. In diesem Jahr rechnet das Institut noch mit hohen Belastungen.

An der Börse hat sich die Commerzbank-Aktie seit langem vom Rekordkurs der Leitindex Dax abgekoppelt. Dass das Papier nach Jahren des Kursverfalls inzwischen wieder über 10 Euro notiert, hat es reiner Kosmetik zu verdanken. Ende April bündelte die Bank zehn alte Aktien zu einer neuen. Mit dem Schritt bereitete die Commerzbank ihre geplante Kapitalerhöhung vor. Die Aktienzusammenlegung sollte verhindern, dass der Kurswert unter einen Euro sinkt. Dann wäre eine Kapitalerhöhung unmöglich, da keine neue Aktie unter einem Nennwert von einem Euro ausgegeben werden darf./enl/zb

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