Commerzbank Aktie 21170377 / DE000CBK1001
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14.07.2026 17:56:00
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Commerzbank-Aktie im Fokus: UniCredit nähert sich der 50-Prozent-Marke
Die UniCredit hält nach ihrem Übernahmeangebot fast die halbe Commerzbank, doch bis zur echten Kontrolle fehlen der italienischen Grossbank die Zustimmung der Europäischen Zentralbank und Mehrheiten.
- UniCredit kommt mit Angebot und Optionen auf knapp 48 Prozent der Commerzbank
- Nur rund zwei Prozent stammen laut Commerzbank von unabhängigen Aktionären
- Für echte Kontrolle fehlen der UniCredit noch Zustimmung der EZB und Mehrheiten
Die UniCredit hat sich mit ihrem Übernahmeangebot für die Commerzbank knapp unter der Mehrheit festgesetzt: Rechnerisch kommen die Italiener auf gut 44 Prozent direkt und über Kaufoptionen auf rund 48 Prozent, gemeldet zum 8. Juli. Für Deutschlands zweitgrösste Privatbank, einen DAX-Wert, ist das der grösste Schritt Richtung Kontrolle seit dem Einstieg im September 2024. Doch der Anteil allein liefert UniCredit-Chef Andrea Orcel weder die Stimmen noch die Substanz, auf die es ankommt. Die eigentliche Rechnung beginnt erst jetzt.
Ein Tauschangebot unter dem Marktwert
Die Struktur des Angebots erklärt einen Grossteil des Widerstands. Im Mai 2026 legte UniCredit ein reines Aktientauschangebot vor: 0,485 eigene Papiere je Commerzbank-Aktie, ohne Barkomponente. Diese Konstruktion hielt die Offerte unterhalb der Schwelle, ab der ein teureres Pflichtangebot fällig geworden wäre. Lange notierte der rechnerische Angebotswert zudem unter dem Börsenkurs der Commerzbank, sodass unabhängige Aktionäre kaum Anreiz zum Tausch hatten. Erst der deutlich gestiegene Kurs der UniCredit machte das Angebot attraktiver. Bis zum Fristende am 3. Juli kamen so 17,6 Prozent zusammen, zusätzlich zu den 26,77 Prozent, die die Mailänder bereits vorher hielten.
Woher die Zustimmung wirklich kommt
Die Commerzbank zieht die Aussagekraft dieser Quote in Zweifel. Nach ihren eigenen Daten zur Aktionärsstruktur entfielen weniger als zwei Prozent auf institutionelle und private Anleger, der Rest stamme überwiegend von Banken und Parteien im Umfeld der UniCredit. Auffällig sei ein ungewöhnlicher Anstieg der Wertpapierleihe. Den schwersten Vorwurf hat die Bank allerdings nicht halten können: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt lehnte am 9. Juli 2026 ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher Marktmanipulation ab, da sich keine zureichenden Anhaltspunkte für eine Straftat feststellen liessen. Der Streit um die Zahlen bleibt damit eine Frage der Interpretation, nicht der Strafbarkeit.
Warum der Commerzbank-Anteil noch keine Übernahme ist
Entscheidend ist die Lücke zwischen Anteil und Zugriff. Die rund 47,6 Prozent am Kapital entsprechen etwa 49,65 Prozent der Stimmrechte, weil eigene Aktien der Commerzbank kein Stimmrecht tragen. Auf einer Hauptversammlung, die selten vollständig besetzt ist, kann das faktisch für eine Mehrheit reichen. Nutzen kann UniCredit diese Stimmen aber erst, wenn die EZB den Übergang genehmigt. Für eine echte Integration über Beherrschungsvertrag, Verschmelzung oder Squeeze-out sind 75 Prozent nötig, davon ist Orcel weit entfernt. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp betont, ohne eine dieser Stufen müsse ihr Haus eigenständig agieren und Minderheitsaktionäre schützen. Mehrwert entstehe erst durch Synergien, und die brauchten eine Einigung über das Geschäftsmodell samt Rückendeckung von Management, Aufsichtsrat, Arbeitnehmern und dem Bund.
Orcels Kalkül und der Bund als Bremse
Strategisch zielt Orcel auf eine europäische Grossbank als Gegengewicht zu den US-Häusern, mit UniCredit ist er über die HVB längst in Deutschland präsent. Er verspricht Milliardensynergien, kalkuliert dabei aber auch mit dem Abbau von 7'000 Stellen bei der Commerzbank. Dagegen steht der Bund, der rund zwölf Prozent hält, das Vorgehen als inakzeptabel bezeichnet und nicht verkaufen will. Verhindern kann er eine Übernahme nicht, er darf lediglich zwei Kandidaten für den Aufsichtsrat vorschlagen. Analysten von BNP Paribas rechnen damit, dass UniCredit in den kommenden Monaten das Gespräch mit Berlin sucht, um einen Kompromiss und politische Rückendeckung zu finden.
So steht es um die Aktien von Commerzbank und UniCredit
Die Commerzbank-Aktie notierte am Dienstag im XETRA-Handel 0,46 Prozent höher bei 39,03 Euro, während die UniCredit-Aktie in Mailand 0,51 Prozent auf 82,15 Euro verlor. Die Commerzbank-Aktie konnte seit Jahresbeginn etwa 7,6 Prozent zulegen, während die Anteilsscheine der UniCredit rund 16,4 Prozent gewinnen konnten (Stand: Schlusskurs vom 13.07.2026).
Julia Walter, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.ch
Dieser Text dient ausschliesslich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schliesst jegliche Regressansprüche aus.
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