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Stock-Picking 02.07.2026 22:13:00

Comeback der Software-Aktien? Wo nach dem KI-Ausverkauf wieder Potenzial lockt

Comeback der Software-Aktien? Wo nach dem KI-Ausverkauf wieder Potenzial lockt

Der grosse Abverkauf im Software-Sektor hat Spuren hinterlassen. Doch nach der scharfen Korrektur rückt für Anleger wieder die Frage nach selektiven Chancen in den Fokus.

• Software-Sektor litt Anfang 2026 massiv unter der Angst vor KI-getriebener Disruption
• Einige Titel konnten sich zuletzt deutlich erholen
• Entscheidend ist die Frage, welche Geschäftsmodelle KI für sich nutzen können

Zu Jahresbeginn 2026 gerieten Software-Aktien massiv unter Druck. Auslöser war vor allem die Sorge, dass KI-Agenten klassische Software-Abonnements in vielen Unternehmensbereichen überflüssig machen könnten. Aus dieser Angst entstand der Begriff "SaaSpocalypse".

Die Folgen waren deutlich: Zahlreiche Einzelwerte büssten innerhalb weniger Monate zwischen 30 und 50 Prozent ein. Gleichzeitig floss Kapital verstärkt in KI-Infrastruktur- und Halbleiterwerte.

Stimmungswechsel nach den Quartalszahlen

Ende Mai setzte jedoch eine Gegenbewegung ein. Auslöser waren starke Geschäftszahlen, neue KI-Produkte und verbesserte Unternehmensausblicke. Damit hat sich laut Goldesel, einer Börsen- und Trading-Community für Privatanleger, die Marktfrage verschoben: Weg von der Sorge vor Verdrängung, hin zur Analyse, welche Software-Anbieter selbst zu Profiteuren der KI-Welle werden könnten.

Drei Strategien für Anleger

Der charttechnische Rücksetzer bei vielen dieser Titel könnte wieder neue Einstiegsgelegenheiten eröffnen, schreibt Goldesel. Dabei liessen sich derzeit drei unterschiedliche Wege identifizieren, um im Software-Sektor wieder Positionen aufzubauen, heisst es weiter.

1. Die billigen Schwergewichte

Hierzu zählen vor allem Salesforce und Adobe. Laut Goldesel handelt es sich um etablierte Unternehmen mit hohen Cashflows, deren Bewertungen bereits viel Pessimismus eingepreist hätten.

Bei Salesforce verweist Goldesel insbesondere auf die KI-Plattform Agentforce sowie die Datenplattform Data Cloud. Diese Bereiche generieren demnach inzwischen einen jährlich wiederkehrenden Umsatz von 3,4 Milliarden US-Dollar. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stieg der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 11,13 Milliarden Dollar.

Adobe wiederum stehe besonders stark im Zentrum der KI-Debatte. Die hauseigene Plattform Firefly habe bereits einen KI-bezogenen Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Dollar erreicht. Gleichzeitig bleibe das operative Geschäft robust.

2. Die Narrativ-Wende

Zu dieser Kategorie werden ServiceNow und Figma gezählt. Diese Unternehmen seien zunächst pauschal abgestraft worden, doch inzwischen gehen Markteilnehmer davon aus, dass sie enorm vom neuen KI-Umfeld profitieren könnten.

3. Die Disruptions-Wetten

Hier werden Shopify und Duolingo genannt. Diese Titel gelten als besonders wachstumsstark, aber auch als besonders anfällig für technologische Veränderungen. Entsprechend hoch sei das Risiko.

Die Risiken bleiben

Trotz der Erholung wird vor mehreren Stolperfallen gewarnt. Dazu zählt vor allem die sogenannte "Rebound-Falle", also das Risiko, nach einer bereits stark gelaufenen Erholung zu spät einzusteigen.

Hinzu komme, dass ein niedriges KGV keine Garantie für ein Schnäppchen sei. Denn macht KI ein Kernprodukt langfristig obsolet, so sei eine günstige Aktie der Beginn eines strukturellen Niedergangs.

Was das für Anleger bedeutet

Für Investoren bedeutet die aktuelle Lage vor allem eines: Der pauschale Blick auf den Software-Sektor reicht nicht mehr aus. Stattdessen kommt es stärker denn je darauf an, zwischen widerstandsfähigen Plattformen, potenziellen KI-Gewinnern und gefährdeten Geschäftsmodellen zu unterscheiden. Wer jetzt investieren will, sollte Geschäftsmodell, Bewertung und KI-Strategie jedes Unternehmens einzeln prüfen - statt auf eine breite Branchenwette zu setzen.

Thomas Zoller, Redaktion finanzen.ch

Dieser Text dient ausschliesslich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schliesst jegliche Regressansprüche aus.

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