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24.06.2026 22:07:00
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Cerebras-Aktie stürzt nach Quartalszahlen ab: Das steckt hinter dem Kursrutsch
Starkes Umsatzwachstum, Deals mit OpenAI und AWS - und trotzdem gerät die Aktie des Börsenneulings Cerebras nach dem ersten Quartalsbericht gehörig unter Druck. Was den Markt stört.
• Starke Partnerschaften mit OpenAI und Amazon AWS als Treiber
• Ausblick lässt Anleger zweifeln
Cerebras Systems hat am Dienstagabend seinen ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen vorgelegt. Der Markt quittierte die Zahlenvorlage am Mittwoch mit einem heftigen Kursrückgang von 19,62 Prozent auf 182,24 US-Dollar. Dabei hätte die Bilanz auf dem Papier kaum besser aussehen können: Umsatz rauf, Grosskunden gewonnen, Jahresguidance angehoben. Doch zwei Zahlen trübten das Bild so stark, dass der Rest der Zahlen in der Versenkung verschwand.
Umsatzsprung ja, Margendruck nein
Der Konzernumsatz kletterte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 31. März 2026 endete, auf 193,4 Millionen US-Dollar, was einem Plus von 94 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht und die Analystenschätzung von 180,8 Millionen US-Dollar laut Datendienst Koyfin klar übertraf. Auf bereinigter Basis (Core Revenue, non-GAAP) lagen die Erlöse bei 191,3 Millionen US-Dollar, ebenfalls über den Konsenserwartungen von 181,6 Millionen US-Dollar. Der Bereich Hardware erwirtschaftete davon 111,6 Millionen US-Dollar (plus 60 Prozent gegenüber Vorjahr), Cloud und Serviceleistungen trugen 79,8 Millionen US-Dollar bei (plus 167 Prozent gegenüber Vorjahr). Auf GAAP-Basis lag die Bruttomarge bei 45 Prozent, bereinigt bei 47 Prozent.
Was den Markt wachrüttelte, ist jedoch nicht der Blick zurück, sondern der nach vorn: Für das zweite Quartal 2026 prognostiziert Cerebras eine bereinigte Bruttomarge von lediglich 36 bis 38 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von neun bis elf Prozentpunkten gegenüber dem gerade erst abgeschlossenen Quartal - ein Warnsignal, das Anleger sofort einpreisten.
EPS-Fehlschlag und das Margenproblem
Zum Verhängnis wurde Cerebras am Abend der Zahlenvorlage aber auch das Ergebnis je Aktie. Der bereinigte Nettoverlust je Aktie (non-GAAP) betrug 0,22 US-Dollar und fiel damit grösser aus als der Konsens von 0,16 US-Dollar. Der GAAP-Nettoverlust lag für das Quartal bei 14,0 Millionen US-Dollar, der bereinigte Core-Nettoverlust fiel mit 2,5 Millionen US-Dollar wesentlich geringer aus. Das operative Ergebnis (GAAP) verzeichnete einen Verlust von 15,0 Millionen US-Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Cerebras bereinigte operative Margen zwischen minus 28 und minus 32 Prozent - und das bei einem Umsatzziel von 855 bis 865 Millionen US-Dollar, das zwar über dem Analystenkonsens von 828 Millionen US-Dollar liegt, aber den massiven Investitionsbedarf für den weiteren Kapazitätsaufbau widerspiegelt.
OpenAI, AWS und der Kundenmix als Kehrseite
Auf der Habenseite stehen Deals, die kaum ein anderes KI-Hardwareunternehmen vorweisen kann. Cerebras vermeldete einen mehrjährigen Vertrag mit OpenAI über 750 Megawatt Inferenzkapazität, den das Unternehmen mit einem Gesamtwert von mehr als 20 Milliarden US-Dollar beziffert. Gemeinsam mit Amazon Web Services (AWS) wurde eine mehrjährige Partnerschaft gestartet, die auf eine globale Verteilung von Cerebras-Inferenzdiensten abzielt. Dass CEO Andrew Feldman im Call erwähnte, die AWS-Partnerschaft werde sich erst ab 2027 nennenswert in den Zahlen niederschlagen, trübte jedoch die kurzfristige Erwartungshaltung.
Gleichzeitig bleibt die Kundenbasis strukturell eng: Im Geschäftsjahr 2025 entfielen laut S-1-Prospekt rund 86 Prozent des Umsatzes von 510 Millionen US-Dollar auf zwei Einrichtungen mit Bezug zu Abu Dhabi - die Universität MBZUAI (62 Prozent) und das Technologieunternehmen G42 (24 Prozent). OpenAI und AWS sollen dieses Konzentrationsrisiko mindern, doch das braucht Zeit. Hinzu kommt, dass das Unternehmen Cerebras-Systeme, die es an bestehende Kunden verkauft hat, offenbar temporär zurückmietet, um den schnell steigenden Kapazitätsbedarf zu decken - ein Zeichen dafür, dass die Expansion sich schneller entwickelt als die Infrastruktur.
IPO-Kontext: Hohe Einstiegsbewertung, hohe Messlatte
Wer die nun heftige Kursreaktion verstehen will, muss den Börsenstart der Aktie im Blick behalten. Cerebras startete erst am 14. Mai 2026 zu 185 US-Dollar je Aktie an der NASDAQ, eröffnete den ersten Handelstag bei 350 US-Dollar und erreichte intraday einen Höchstwert von 386,34 US-Dollar. Dieser Einstiegspreis stellte eine ausserordentlich hohe Erwartungshürde auf. Der nachbörsliche Stand vom Dienstag bei 201,27 US-Dollar impliziert damit einen Rückgang von rund 45 bis 48 Prozent vom Allzeithoch - selbst nach dem starken operativen Wachstum.
NVIDIA bleibt dabei der Massstab, an dem sich Cerebras messen lassen muss: Die Wafer-Scale-Engine von Cerebras setzt auf einen anderen Architekturansatz als NVIDIAs GPU-Plattform, adressiert aber denselben schnell wachsenden Markt für KI-Inferenz. Der nächste terminierte Datenpunkt ist der Quartalsbericht für das zweite Quartal 2026, den Cerebras für den 2. September 2026 angekündigt hat. Dann wird sich zeigen, ob die prognostizierte Margenkompression tatsächlich nur vorübergehender Natur ist.
Benedict Kurschat, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.ch
Dieser Text dient ausschliesslich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schliesst jegliche Regressansprüche aus.
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