| August an der Börse |
18.08.2026 16:14:15
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August-Blues an Europas Börsen? Warum das Sommer-Tief oft ein Aktien-Mythos ist
Der August gilt als Europas gefährlichster Börsenmonat, doch ein einzelner statistischer Kniff stellt diesen Ruf infrage.
- August gilt als einer der schwächsten Börsenmonate Europas
- Wenige Extremcrashs seit 1990 verzerren den langfristigen Durchschnitt stark
- 2026 startet der Monat nahe Rekord, doch dünne Liquidität bleibt ein Risiko
Europas Börsen sind mit Rekordständen in den August 2026 gestartet, ausgerechnet in den Monat, der als ihr gefährlichster gilt. Der Widerspruch ist weniger paradox, als er wirkt. Wer die Kursstatistik der vergangenen Jahrzehnte nüchtern liest, erkennt, dass der schlechte Ruf des Augusts kaum auf einem verlässlichen Muster beruht, sondern auf einer Handvoll extremer Ausnahmejahre. Für Anleger verschiebt das die eigentliche Frage. Nicht der Kalender entscheidet über den Rest des Monats, sondern wie gut ein Markt auf Rekordniveau gegen einen unerwarteten Schock gewappnet ist.
Der Durchschnitt trügt
Die Zahlen scheinen den Ruf zunächst zu stützen. Der DAX verlor im August seit 1970 im Schnitt gut ein Prozent, der französische CAC 40 seit 1988 rund 1,2 Prozent. In beiden Fällen schneidet nur der September noch schwächer ab. Doch ein Durchschnitt taugt wenig, wenn einzelne Ausreisser ihn nach unten ziehen. Aussagekräftiger ist der Median, also der mittlere Wert aller Augustmonate. Für den EURO STOXX 50 liegt er bei einem Minus von lediglich rund 0,2 Prozent, während der Durchschnitt mit gut 1,4 Prozent im Minus deutlich düsterer aussieht.
Fünf Crashs prägen den Ruf
Den Löwenanteil der Verluste tragen einige aussergewöhnliche Einbrüche zwischen 1990 und 2015. Sie waren überwiegend durch globale oder geopolitische Krisen und nicht durch einen saisonalen Effekt ausgelöst. Der schwerste dieser Einbrüche fiel in den August 1998, als die Russland-Krise und die damit verbundene globale Risikoaversion den EURO STOXX 50 massiv belasteten. Im August 2015 sorgten die Yuan-Abwertung und die damit verbundenen Sorgen um Chinas Wirtschaft für massive Turbulenzen; der EURO STOXX 50 verlor rund neun Prozent. Rechnet man diese fünf Ausnahmejahre heraus, dreht der durchschnittliche Augustertrag des EURO STOXX 50 von einem Minus von gut 1,4 Prozent knapp ins Plus.
Warum der Sommer Schocks verstärkt
Die Erklärung liegt weniger im Kalender als in der Mechanik des Sommers. Im August dünnt der Handel aus, viele Marktteilnehmer sind im Urlaub, und weniger aktive Akteure setzen die Kurse. Das löst für sich genommen keinen Ausverkauf aus, macht die Märkte aber empfindlicher, sobald einer beginnt. Hinzu kommt eine Lücke im geldpolitischen Kalender. Die Europäische Zentralbank tagte zuletzt im Juli, ihr nächster Zinsentscheid steht erst im September an. In diese liquiditätsarme Phase fällt das Notenbankertreffen in Jackson Hole vom 27. bis 29. August 2026, für den neuen Fed-Chef Kevin Warsh der erste Auftritt beim traditionsreichen Notenbankertreffen in Wyoming.
Was 2026 anders macht
Am 12. August markierte der EURO STOXX 50 mit 6'577,20 Punkten ein Rekordhoch und lag damit etwa 13 Prozent über dem Jahresstart. Der DAX hatte am selben Tag ein Allzeithoch auf Intraday-Basis verzeichnet, als er bis auf 26'573,60 Zähler stieg und der CAC 40 notierte nahe seines Höchststandes. Inzwischen sind Europas Aktien jedoch wieder etwas von ihren Rekordhochs zurückgekommen.
Anders als der historische Schnitt vermuten lässt, wird der Markt derzeit von einem robusten Gewinntrend gestützt. Reuters berichtete vergangenen Donnerstag, dass Analysten ihre Prognose für das Gewinnwachstum im STOXX 600 für das zweite Quartal auf fast 23,4 Prozent angehoben haben, nach 12,5 Prozent im Mai. Dem steht ein Risiko gegenüber. Ein neuerlicher Energiepreisschock aus dem Nahen Osten könnte die Inflation zurückbringen, die im Euroraum im Juli nach dem Rückgang im Vormonat ohnehin bereits wieder gestiegen ist.
In den Fokus der Anleger rückt zum Monatsende Jackson Hole: Wenn Warsh am 28. August seine Grundsatzrede hält, dürfte sich zeigen, ob von der Notenbank ein Impuls ausgeht, der die dünne Sommerliquidität bewegt. Bis dahin bleibt die entscheidende Frage nicht, ob der August steigt oder fällt, sondern ob ein Markt auf Rekordniveau einen unerwarteten Schock verkraften würde.
Julia Walter, Redaktion finanzen.ch
Dieser Text dient ausschliesslich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schliesst jegliche Regressansprüche aus.
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