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25.10.2019 12:24:36

Auftragsflut treibt MTU an - aber Aktie geht die Luft aus

(Ausführliche Fassung)

MÜNCHEN (awp international) - Die starke Nachfrage nach Passagierjets und pralle Auftragsbücher im Wartungsgeschäft halten den Münchner Triebwerksbauer MTU auf Gewinnkurs. Ein leichter Umsatzrückgang im Sommer tat der Entwicklung keinen Abbruch. Vorstandschef Reiner Winkler sieht MTU auf gutem Weg zu seinen Jahreszielen - auch wenn es dafür noch einen Schlussspurt braucht. Finanzvorstand Peter Kameritsch erwartet ein "starkes viertes Quartal" vor allem bei der Triebwerkswartung und im Militärgeschäft.

Doch an der Börse scheint für MTU seit dem Aufstieg in den Dax im September die Luft raus zu sein. Nachdem die Aktie seit Jahresbeginn lange ein Rekordhoch nach dem anderen erklommen hatte, ging es für sie am Vormittag um rund 2,7 Prozent abwärts. Damit war das Papier der zweitschwächste Wert im Dax. Mit zuletzt 231,20 Euro ist es zwar immer noch fast anderthalb Mal so viel wert wie noch zum Jahreswechsel. Seit Bekanntwerden des Dax-Aufstiegs Anfang September ist der Kurs allerdings um neun Prozent eingeknickt.

Dabei läuft es durchaus gut für MTU. Das Münchner Unternehmen kann sich vor Aufträgen kaum retten. Ende September erreichte der Auftragsbestand den Rekordwert von 20,8 Milliarden Euro. Dies entspreche rechnerisch einer Auslastung von mehr als vier Jahren, sagte Finanzchef Kameritsch.

Der Grossteil der Aufträge entfällt den Angaben zufolge auf den Antrieb für den modernisierten Airbus-Mittelstreckenjet A320neo und sein Vorgängermodell A320. Die A320neo hat sich zum Verkaufsschlager von Airbus entwickelt. Da Käufer des Flugzeugs zwischen zwei Triebwerkstypen auswählen können, bekommt nur rund jeder zweite Jet den Antrieb des US-Herstellers Pratt & Whitney, an dem MTU mitarbeitet. Der Rest entfällt auf den Konkurrenzantrieb von CFM, einem Gemeinschaftsunternehmen von GE und dem französischen Hersteller Safran .

Der Löwenanteil des MTU-Auftragsbestands entfällt mit 14 Milliarden Euro auf das Wartungsgeschäft, das der Konzern immer stärker ausbaut, wie Kameritsch in einer Telefonkonferenz sagte. Dafür wird der MTU-Standort Hannover erweitert, in Polen entsteht unter anderem ein gemeinsamer Wartungsstandort mit der Lufthansa-Tochter Lufthansa Technik. Ausserdem baut MTU eine neue Triebwerkswartung in Serbien auf. Seit dem Jahreswechsel hat der Konzern seine Belegschaft um fast acht Prozent auf 10 500 Beschäftigte aufgestockt, um der Nachfrage Herr zu werden.

Im dritten Quartal sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar um knapp ein Prozent auf 1,16 Milliarden Euro. Das lag jedoch auch an einer veränderten Rechnungslegung, durch die Umsätze einer Auslandstochter nicht mehr in den Konzernumsatz eingehen. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) legte hingegen um gut zehn Prozent auf 192,5 Millionen Euro zu und damit etwas stärker als von Analysten im Schnitt erwartet. Der Überschuss wuchs um sechs Prozent auf 125,5 Millionen Euro.

Nachdem der Vorstand seine Gewinnprognose bereits im Sommer leicht angehoben hatte, sieht Konzernchef Reiner Winkler das Unternehmen auf Kurs zu seinen Zielen für 2019. Der Umsatz soll von 4,6 Milliarden Euro im Vorjahr auf 4,7 Milliarden Euro steigen. Davon sind nach den ersten neun Monaten gut 72 Prozent erreicht.

Davon sollen rund 16 Prozent als operativer Gewinn bei MTU hängenbleiben, nachdem es im Vorjahr nur für 14,7 Prozent gereicht hatte. Das bereinigte Ebit dürfte damit um etwa zwölf Prozent auf 750 Millionen Euro steigen, erläuterte Kameritsch. Der bereinigte Überschuss soll im gleichen Mass steigen.

MTU entwickelt und baut Komponenten für die Antriebe einer ganzen Palette von Passagier- und Militärflugzeugen. Dabei arbeiten grosse Hersteller aus den USA und Europa meist in wechselnden Bündnissen zusammen. Die Münchner sind vor allem mit der United-Technologies-Tochter Pratt & Whitney dick im Geschäft. Auch mit dem US-Konzern General Electric (GE) arbeiten sie zusammen, allerdings nur bei Triebwerken für Grossraumflugzeuge.

Mit den Antrieben von Boeings modernisierten Mittelstreckenjet 737 Max, für den seit März nach zwei tödlichen Abstürzen ein praktisch weltweites Flugverbot gilt, haben die Münchner nichts am Hut. Allerdings darf der chinesische MTU-Ableger die Leap-Triebwerke inzwischen warten - zumal sie in einer anderen Version auch bei vielen Exemplaren des Airbus A320neo zum Einsatz kommen./stw/eas/mis

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