<
News + Analysen
News + Adhoc
Analysen
Kursziele
>
<
Unternehmen
Termine
Profil
>
<
zugeh. Wertpapiere
Strukturierte Produkte
>
Machtkampf 15.09.2020 17:49:34

ARYZTA-Aktie zieht zweistellig an: VRP-Kandidat Andreas Schmid nimmt sich aus dem Rennen

ARYZTA-Aktie zieht zweistellig an: VRP-Kandidat Andreas Schmid nimmt sich aus dem Rennen

Beobachter sehen damit den Weg frei entweder für eine Übernahme oder einen Umbau unter dem Ex-Hiestand-Chef Urs Jordi.

Schmid wäre am morgigen Mittwoch gegen den von einer Investorengruppe portierten Jordi angetreten. Er begründete den Rückzug mit den jüngsten Entwicklungen: Er habe sich als Kandidat für den Verwaltungsrat einer unabhängigen Firma oder eines Unternehmens mit starken industriellen Interessen zur Verfügung gestellt, wird er in einer ARYZTA-Mitteilung vom Dienstag zitiert. Nach den jüngsten Entwicklungen sei klar geworden, dass diese Lösung nicht länger eine Option sei.

Am Donnerstagabend hatten ARYZTA und die Investmentfirma Elliott des US-Milliardärs Paul Singer bestätigt, Übernahmeverhandlungen zu führen. Singer ist bekannt als aggressiver Investor. Unter anderem hat er bereits den Kurznachrichtendienst Twitter und den Pharmakonzern Bayer ins Visier genommen.

Turnaround statt Verkauf

Schmid hatte sich derweil schon früher dafür ausgesprochen, den hierzulande für seine Hiestand-Gipfeli bekannten Backwarenkonzern unternehmerisch weiterzuentwickeln. "Ein schneller Verkauf steht nicht im Vordergrund", sagte der Ex-Chef des Schokoladenriesen Barry Callebaut und Verwaltungsrat mehrerer Firmen in einem Ende August veröffentlichten Gespräch mit der "Bilanz".

Dem bestehenden Verwaltungsrat unter dem abtretenden Iren Gary McGann wurde schon damals nachgesagt, mit Hochdruck einen Käufer für ARYZTA zu suchen. Mitte Juli gab er bekannt, im Rahmen einer angestossenen Strategieprüfung unaufgeforderte Interessensbekundungen für eine Übernahme erhalten zu haben und diese zu prüfen.

Zuvor hat eine Investorengruppe kräftig Druck aufgesetzt: Die Gruppe um den aktivistischen Fonds Veraison und der Beteiligungsgesellschaft Cobas will ARYZTA mit drei eigenen Vertretern im Verwaltungsrat umbauen. Der Konzern ist bereits seit längerem finanziell angeschlagen, zudem ist er durch die Corona-Pandemie gebeutelt worden.

Um ARYZTA wieder auf Erfolgskurs zu bringen, setzt die Investorengruppe auf Branchenexperten vor allem aus der goldigen Hiestand-Ära. Unter anderem soll nach ihrem Willen der ehemalige Hiestand-Chef Urs Jordi das Verwaltungsratspräsidium übernehmen.

Auch Jordi hat sich allgemein gegen einen Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. Dennoch machte die Investorengruppe klar, dass sie ein Angebot von Elliott anschauen würde: Auch der neu zusammengesetzte Verwaltungsrat habe die Pflicht, konkrete Kaufangebote sorgfältig zu prüfen und zu analysieren, was langfristig im besten Interesse des Unternehmens und aller Aktionäre sei, teilte Veraison nach Bekanntwerden der Übernahmeverhandlungen mit.

Börse honoriert Verzicht

Jordi bleibt nun der einzige Kandidat für das Verwaltungsratspräsidium. Das kommt bei Beobachtern gut an. Damit entfalle ein Unsicherheitsfaktor, kommentierte etwa die ZKB. Sonst hätte die Gefahr bestanden, dass es zu einem potenziell zerstrittenen Verwaltungsrat gekommen wäre.

Sein Rückzug ebne nun den Weg für zwei Szenarien: Entweder eine Übernahme von ARYZTA durch Elliott oder einen anderen Interessenten. Oder dann bestehe die Aussicht auf einen mittelfristigen Turnaround unter Führung von Jordi. Beide Szenarien würden weiteres Kurspotenzial bergen.

Implizit sei das Signal, dass eine Übernahme realistischer sei, schrieb Baader Helvea. Dennoch sei die Visibilität vor der morgigen GV gering. Am Ende dürfte auch der gebotene Preis bei einem allfälligen Angebot entscheidend sein. Die ZKB geht dabei von mindestens einem Franken pro Aktie aus.

So reagiert die ARYZTA-Aktie

Die Aktien von ARYZTA erfreuen sich am Dienstag kräftig steigender Kurse. Die Börse honoriere weniger Unsicherheit nach dem Verzicht von Andreas Schmid auf die Kandidatur für das Präsidentenamt bei dem Backwarenhersteller an der Generalversammlung am morgigen Mittwoch, heisst es am Markt. Die Aktien von ARYZTA stiegen im Schweizer Handel letztlich um 15,61 Prozent auf 0,83 Franken.

Schmid sorge mit seinem Verzicht auf das Präsidentenamt für weniger Verunsicherung. Damit werde der Weg frei für eine weniger konfliktreiche GV, sagt ein Händler.

Schmid hatte sich aus dem Rennen genommen mit der Begründung, er habe sich als Kandidat für den Verwaltungsrat einer unabhängigen Firma oder eines Unternehmens mit starken industriellen Interessen zur Verfügung gestellt. Nach den jüngsten Entwicklungen sei klar geworden, dass diese Lösung nicht länger eine Option sei.

Der Rückzug Schmids ebne den Weg für zwei Szenarien, heisst es bei der Zürcher Kantonalbank. Entweder werde ARYZTA von der Investmentfirma Elliott des US-Milliardärs Paul Singer oder durch einen anderen Interessenten übernommen. "Wir gehen dabei von einem Übernahmepreis von mindestens 1,00 Franken je Aktie aus." Oder es bestehe die Aussicht auf einen mittelfristigen Turnaround unter Führung von Urs Jordi, der wohl an der Generalversammlung gewählt werden dürfte. "Diese beiden Szenarien bergen beide weiteres Kurspotenzial", schreibt Patrik Schwendimann.

Jordi wurde von der Investorengruppe um den aktivistischen Fonds Veraison und der Beteiligungsgesellschaft Cobas ins Spiel gebracht. Jordi ist der ehemalige CEO der Vorgängergesellschaft Hiestand, die in ARYZTA aufgegangen war. Er soll den Konzern wieder in die Spur zurückbringen. "Jordi wird von der Börse bevorzugt, weil er sowohl das Unternehmen als auch den Markt sehr gut kennt", sagt ein Händler. Daher sei er der richtige Mann für einen Turnaround.

Der Rückzug von Schmid könnte allerdings auch ein implizites Signal dafür sein, dass eine Übernahme realistischer sei, heisst es bei Baader Helvea. So spiele Schmid mit seiner Begründung "nach den jüngsten Entwicklungen" wohl auf die Übernahmeverhandlungen mit Elliott an.

tt/rw

Zürich (awp)

Weitere Links:


Bildquelle: Keystone