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"Erfreuliche Nachfrage" 11.02.2020 17:51:00

ams-Aktie dreht ins Minus: ams vollführt im Schlussquartal einen Umsatz- und Gewinnsprung

ams-Aktie dreht ins Minus: ams vollführt im Schlussquartal einen Umsatz- und Gewinnsprung

Alle Kennzahlen von ams schossen in die Höhe. Eine Dividende gibt es wegen der geplanten Übernahme des deutschen Lichtkonzerns OSRAM gleichwohl nicht.

Der Umsatz stieg im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 38 Prozent auf 655,3 Millionen US-Dollar, wie es in einer Mitteilung vom Dienstag heisst. Das Unternehmen hatte Verkäufe von 610 bis 650 Millionen in Aussicht gestellt und Analysten hatten im Schnitt (AWP-Konsens) mit einem Umsatz von nur gut 629 Millionen gerechnet.

Das österreichische Unternehmen, dessen Aktien an der Schweizer Börse gehandelt werden, ist bekanntlich stark abhängig von Grosskunden - insbesondere von Apple. Dank einer "besonders erfreulichen Nachfrage" nach Consumer-Lösungen sei ams in der Lage gewesen, trotz einer eher gedämpften Nachfragesituation in den Industrie-Märkten ein Rekordergebnis zu erzielen, so die Mitteilung weiter. Namentlich erwähnt werden Produkte im Bereich 3D- und Lichtsensorik.

Der operative Gewinn auf Stufe EBIT (bereinigt) kam im Schlussquartal bei 184,3 Millionen US-Dollar (VJ 60,1 Mio) und die Marge bei 28 Prozent zu liegen. Das Unternehmen selber hatte eine Marge von mindestens 28 Prozent in Aussicht gestellt. Der Reingewinn (bereinigt) wird mit 158,9 Millionen ausgewiesen (VJ 1,6 Mio).

Zufrieden mit Schuldensituation

Im Gesamtjahr 2019 erzielte das Unternehmen einen knapp ein Drittel höheren Umsatz von 2,09 Milliarden Dollar, einen EBIT von 433,4 Millionen (VJ 141,2 Mio) und einen Reingewinn von 331,6 Millionen (VJ 11,8 Mio).

Die Aktionäre sollen trotz der Gewinnsteigerung - wie im Vorjahr - keine Dividende erhalten. Ein Sprecher begründete dies gegenüber der Nachrichtenagentur AWP damit, dass auf diese Weise die "geplante, nachhaltige Kapitalstruktur" unterstützt werden solle. Der derzeitige Fokus liege auf der Übernahme von OSRAM.

In diesem Zusammenhang zeigt sich das Unternehmen zufrieden mit der Verschuldungssituation, welche wegen der OSRAM-Übernahme bei Investoren ein Thema ist. Diese habe zwar gegenüber Ende 2018 auf 1,75 von 1,32 Milliarden zugenommen. Der Verschuldungsgrad (Nettoschulden/EBITDA) habe sich jedoch markant reduziert und liege klar unter dem maximal akzeptierten Wert.

Tieferer Umsatz im Q1

Für das laufende erste Quartal 2020 geht das Management von Verkäufen zwischen 480 und 520 Millionen aus. Und die EBIT-Marge soll bei 19 bis 21 Prozent zu liegen kommen. Begründet wird dieser sequentielle Rückgang mit der üblichen Saisonalität. Zudem wirke sich eine Veräusserung mit 20 bis 25 Millionen aus.

Für 2020 insgesamt geht ams von einem weiteren "Jahr des Wachstums" aus, wobei das nicht quantifiziert wird. Einschränkend heisst es, dass alle Prognosen auf der Annahme basierten, dass das Coronavirus "keinen erheblich negativen Einfluss" auf das Geschäft haben werde.

OSRAM: ams strebt nach voller Kontrolle

Schon am Vorabend hatte es Neuigkeiten zur geplanten Übernahme des deutschen Lichtkonzerns OSRAM gegeben. ams teilte am Montagabend mit, man strebe einen sogenannten Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit OSRAM an.

Damit hätte das Unternehmen Zugriff auf die Kasse von OSRAM, müsste den übrigen Aktionären allerdings eine Abfindung und eine Garantiedividende bieten. ams-Chef Alexander Everke erklärte, der Vertrag solle "beiden Unternehmen die Möglichkeit geben, auf effiziente Weise zusammenzuarbeiten und unsere gemeinsame strategische Vision der Schaffung eines weltweit führenden Anbieters von Sensorlösungen und Photonik zu verwirklichen".

Bisher hatte sich ams auf den Standpunkt gestellt, ein solcher Vertrag sei zur Finanzierung der bis zu 4,6 Milliarden Euro schweren Übernahme von OSRAM nicht nötig. Die Österreicher gehen nach wie davon aus, dass die Übernahme im zweiten Quartal 2020 vollzogen werden kann. Insgesamt verlaufe die Akquisition nach Plan.

ams-Aktien nach starkem Zahlenset unter Druck

Die Aktien des österreichischen Chipherstellers ams starteten am Dienstag volatil in den Handelstag. Nach einem starken Start mit Avancen von beinahe 3 Prozent drehten die Titel rasch ins Minus und zeigen sich mittlerweile klar schwächer. Gebremst wird die Aktie von der starken Entwicklung der Vortage.

Bis zum Handelsende geben ams 3,10 Prozent nach auf 45,38 Franken. Über die vergangenen fünf Börsentage sind die Papiere allerdings um rund 20 Prozent in die Höhe geklettert. Bis zum Zwischenhoch bei über 55 Franken vom vergangenen Sommer fehlt allerdings noch ein gutes Stück Weg, ganz zu schweigen vom Allzeithoch im Bereich von 120 Franken vom Frühling 2018.

Die veröffentlichten Zahlen hätten operativ die Erwartungen klar übertroffen, heisst es in einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank. Auch der operative Cashflow sei besser ausgefallen als gedacht, womit die Verschuldung stark zurückgegangen sei. Geholfen hätten offenbar Einsparungen sowie eine bessere Auslastung. Weiter verweist die Bank auf den Ausblick für Umsatz und Profitabilität im ersten Quartal, welcher ebenfalls zuversichtlicher ausfalle als bisher vom Konsens erwartet. Dass zudem auf eine Dividende verzichtet werde, scheine angesichts der Kapitalerhöhung für die OSRAM-Übernahme plausibel. Die Bank sieht den Titel unterbewertet und belässt deshalb die Einstufung auf "Übergewichten".

Die Banken Vontobel und Barclays streichen in einer Einschätzung ebenfalls die solide Mittel-Generierung und den starken Ausblick hervor. Vontobel bekräftigt das Rating "Buy".

ams hatte bereits am Vorabend mitgeteilt, dass ein sogenannter Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit OSRAM angestrebt werde. Ein Marktbeobachter sieht darin einen limitierenden Einfluss auf die Aktie, denn so werde die Übernahme von OSRAM noch teurer. Die Bank Vontobel zeigt sich dagegen von dieser Ankündigung nicht überrascht, denn nur so erhalte ams Zugang zu den Barmitteln von OSRAM und nur so werde der Weg frei für Restrukturierungsmassnahmen.

Barclay hingegen bekräftigt die skeptische Haltung gegenüber der Akquisition von OSRAM. Das deutsche Unternehmen passe kulturell schlecht zu ams, meint der zuständige Analyst. Ausserdem erhöhe sich durch den Schritt die Verschuldung, was zu einer Verwässerung führe. Darüber hinaus bezahle ams nun noch mehr für OSRAM. Das britische Institut empfiehlt die Aktie denn auch mit "Untergewichten".

rw/cf

Unterpremstätten (awp)

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Bildquelle: ah