Alphabet C Aktie 29798545 / US02079K1079
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23.07.2026 22:02:00
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Aktie im Minus: Google-Mutter Alphabet steigert Gewinn und Umsatz - Mehr Milliarden für KI
Für Anleger der Google-Mutter Alphabet wurde es am Mittwoch nach US-Börsenschluss spannend: Der Techriese hat seine Bücher geöffnet.
Die Entwicklung von Alphabets eigenem Geschäft übertraf im vergangenen Quartal die Wall-Street-Erwartungen. Der Umsatz wuchs im Jahresvergleich um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit Erlösen von knapp 117 Milliarden Dollar gerechnet.
Im Kerngeschäft mit Werbung rund um die Google-Suchmaschine stieg der Umsatz im Jahresvergleich um fast 17 Prozent auf 63 Milliarden Dollar. In den vergangenen Jahren wurde viel spekuliert, ob neue Rivalen, die mit Hilfe Künstlicher Intelligenz auf Anfragen eher Antworten statt Links liefern wollen, Googles führender Suchmaschine das Leben schwer machen könnten. Doch der Internet-Riese integrierte selbst KI-Funktionen in seine Suchmaschine - und kann das eigene Geschäft dadurch ausbauen.
Mehr Milliarden für KI
Das Cloud-Geschäft sprang um rund 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar hoch. Analysten hatten im Schnitt mit etwa 22,2 Milliarden Dollar gerechnet.
Alphabet sieht das Wachstum als Beleg dafür, dass sich die gewaltigen Investitionen in Infrastruktur für Künstliche Intelligenz auszahlen. Nach der nächsten Anhebung der Prognose rechnet der Konzern nun für dieses Jahr mit Kapitalausgaben zwischen 195 und 205 Milliarden Dollar. Und im kommenden Jahr würden die Investitionen noch einmal "bedeutend" höher ausfallen, sagte Finanzchefin Anat Ashkenazi.
Die Spanne war erst im Frühjahr von 175 bis 185 Milliarden Dollar auf 180 bis 190 Milliarden Dollar angehoben worden. Im zweiten Quartal gab der Konzern knapp 45 Milliarden Dollar für den Ausbau aus.
Investoren fiel es scheinbar schwer, die riesigen Zahlen zu verdauen: Im NASDAQ-Handel sank der Kurs der Alphabet-A-Aktien letztlich um 7,13 Prozent auf 317,69 US-Dollar. Die C-Aktien verloren daneben bis zum Handelsschluss 6,89 Prozent auf 318,34 US-Dollar. Für den Anstieg der Ausgaben sind zum Teil auch die höheren Kosten für Bauteile wie Speicherchips verantwortlich. Deren Preise werden wiederum durch Engpässe wegen der exorbitanten Nachfrage für den Bau von KI-Rechenzentren hochgetrieben.
EU verhängt 890 Millionen Euro Strafe gegen Google
Die EU verhängt gegen Google wegen unfairer Geschäftspraktiken eine Strafe von 890 Millionen Euro. Der US-Konzern hat nach Ansicht der Europäischen Kommission mit seiner Suchmaschine sowie dem App-Marktplatz Google Play Wettbewerbsregeln verletzt und seine Konkurrenz widerrechtlich benachteiligt.
Mit der Strafe riskiert die EU-Kommission erneute Spannungen mit Washington. US-Präsident Donald Trump hatte die Digitalgesetze der Union in der Vergangenheit scharf kritisiert und mit Gegenmassnahmen gedroht.
Konkret wirft die Brüsseler Behörde dem US-Konzern laut Mitteilung vor, eigene Angebote wie etwa Googles Sportergebnisse oder Hotelsuche in den Suchergebnissen stärker in den Vordergrund zu stellen. Die eigenen Produkte würden zum Beispiel durch optisch hervorgehobene Darstellungen - etwa eingefärbte Boxen mit Spielpaarungen bei der WM - prominenter angezeigt als die der Konkurrenz, so die EU-Kommission.
Zudem hindere der Online-Riese App-Entwickler bei Google Play zu sehr daran, günstigere Angebote auf anderen Plattformen zu bewerben - also etwa auf einen besseren Preis in einem anderen App-Store zu verweisen.
Google: Entscheidung macht Dienste kaputt
Der US-Konzern kritisierte, die Entscheidung mache zum wiederholten Mal täglich genutzte Dienste kaputt. "Um die Vorgaben zu erfüllen, müssen wir Echtzeit-Suchfunktionen entfernen, die die Europäer schätzen, wie sofortige Preisangebote und direkte Verfügbarkeit von Hotels, Flügen und Restaurants", teilte Google mit.
Bei Google Play müssten zudem Sicherheitsfunktionen abgebaut werden. Leidtragende seien europäische Unternehmen und Verbraucher. "Regulierung sollte Produkte verbessern und sie nicht schlechter machen", hiess es weiter.
Gibt es Ärger mit Trump? - Zölle laufen eigentlich aus
Bereits vor der Entscheidung in dem EU-Verfahren wurde darüber spekuliert, ob eine solche Strafe US-Präsident Trump verärgern und politische Folgen haben könnte. Die europäischen Digitalgesetze hatte seine Regierung besonders dann kritisiert, wenn die Brüsseler Behörde gegen US-Konzerne vorgegangen war.
Nach einer Milliardenstrafe im September 2025 gegen Google wegen Verstössen gegen Wettbewerbsregeln im Werbegeschäft drohte Trump sogar mit Zöllen. Der US-Präsident hatte die Entscheidung als nächsten Schlag gegen "ein grossartiges amerikanisches Unternehmen" beklagt. Er werde sich gezwungen sehen, ein Verfahren für neue Zölle einzuleiten, wenn US-Konzerne weiter zur Kasse gebeten würden, schrieb Trump damals auf seiner Online-Plattform Truth Social.
Besonders brisant ist daher auch der Zeitpunkt der verhängten Strafe. Denn an diesem Freitag (24. Juli) endet der zeitliche Rahmen für die von den USA erhobenen Einfuhrzölle. Theoretisch kann Trump das gleiche Handelsgesetz heranziehen, um auf Basis eines anderen Paragrafen neue Zölle zu verhängen.
Google als Torwächter eingestuft
In der EU gilt die Google-Mutter Alphabet nach dem Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act, kurz DMA) als sogenannter Torwächter (Gatekeeper), stellt also mit seinen Angeboten ein wichtiges Zugangstor zu Verbraucherinnen und Verbrauchern dar.
Nach dem DMA müssen Unternehmen wie Alphabet, Amazon oder Microsoft sich deshalb an besondere Pflichten halten, um einen fairen Wettbewerb auf digitalen Märkten sicherzustellen. Hintergrund ist die Befürchtung, dass manche grosse Plattform-Betreiber so mächtig geworden sind, dass sie ihre Marktposition zementieren könnten.
EU-Kommission verlangt Änderungen
Neben der Strafzahlung verlangen die Brüsseler Wettbewerbshüter daher auch, dass Google seine Angebote anpasst. Zum einen müssten in den Suchergebnissen Drittanbieter-Dienste künftig fair und ohne Diskriminierung im Vergleich zu Googles Angeboten erscheinen. Die EU-Kommission begrüsste gleichzeitig, dass Google Änderungen an der Darstellung seiner eigenen Dienste in der Google-Suche vorgeschlagen habe und diese bereits teste.
Zum anderen sollen App-Entwickler den Forderungen nach sowohl technisch als auch vertraglich die Möglichkeit bekommen, beim App-Marktplatz Google Play Angebote auf anderen Internetseiten oder App-Stores zu bewerben. Für die erstmalige Akquise eines neuen Kunden dürfe das US-Unternehmen dann zwar eine Gebühr verlangen. Sowohl die von Google angesetzte Höhe dieser Vermittlungsgebühr als auch die Dauer des Abrechnungszeitraums seien aber bisher nicht mit den EU-Regeln vereinbar gewesen.
Google hat nun 60 Tage Zeit, die Änderungen umzusetzen. Ansonsten drohen dem US-Konzern regelmässige Strafen von bis zu fünf Prozent des weltweiten Umsatzes.
EU-Verfahren könnte wieder vor Gericht landen
Google kann sich gegen die Strafe vor Gericht wehren. Zuletzt kam es nach ähnlichen Entscheidungen der EU-Kommission zu Gerichtsprozessen, die sich zum Teil über Jahre erstreckten. Erst Anfang des Monats bestätigte der Europäische Gerichtshof (EuGH) eine Rekord-Wettbewerbsstrafe der EU-Kommission aus dem Jahr 2018. Google muss nach dem Urteil 4,1 Milliarden Euro zahlen.
Angesichts der nun verhängten, deutlich geringeren Strafe äusserten sich Unternehmen einer Koalition von über 60 betroffenen Tech-Firmen - darunter die Suchmaschine Ecosia oder das Online-Wetterportal wetter.com - enttäuscht. Google werde weiterhin Geldstrafen zahlen, solange dies günstiger sei, als sich an die Vorschriften zu halten, beklagte der Geschäftsführer der Buchungsplattform GetYourGuide, Johannes Reck.
Claudia Stephan, Julia Walter, Martina Köhler, Redaktion finanzen.ch mit Material von awp international
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