ANZEIGE Familienunternehmen

Was ist ein Familienunternehmen?

In der wissenschaftlichen Forschung lässt sich zu dieser Frage keine verbindliche Antwort finden. Allerdings nahm sich vor rund zehn Jahren die Europäische Union (EU) dieser Fragestellung an und erarbeitete 2007 eine Definition. Seither sollen alle Mitgliedstaaten bei der Beschaffung von quantitativen Informationen über den Markt der Familienunternehmen folgende Grundsätze beachten:

1. Die Mehrheit der Entscheidungsrechte muss im Besitz der natürlichen Person sein, die das Unternehmen gegründet oder dieses gekauft oder geerbt hat und
2. die Mehrheit der Entscheidungsrechte direkt oder indirekt hält, und/oder
3. mindestens ein Vertreter der Familie oder der Angehörigen muss offiziell an der Leitung respektive Kontrolle des Unternehmens beteiligt sein.

Bei börsennotierten Unternehmen sieht die Definition Familienunternehmen vor, dass die Person, die das Unternehmen gegründet oder das Aktienkapital erworben hat respektive deren Familien oder Nachfahren 25 Prozent der Entscheidungsrechte halten.

Weltweites Phänomen

In der realen Wirtschaftswelt sind Familienunternehmen eher die Regel als die Ausnahme und in allen Regionen der Erde zu finden. In der Schweiz gelten 88 Prozent aller Gesellschaften als Familienunternehmen, in Deutschland sind es mehr als 90 und in Österreich rund 80 Prozent. Das Phänomen beschränkt sich allerdings nicht nur auf deutschsprachige Länder. Nach einer Untersuchung von John Davis, Professor an der US-Kaderschmiede Harvard Business School, machen Familienunternehmen weltweit zwei Drittel aller Firmen aus und zeigen sich darüber hinaus auch noch für 70 bis 90 Prozent des global erwirtschafteten Bruttoinlandprodukts (BIP) verantwortlich.

Angesichts dieser Zahlen wundert es nicht, dass Familienunternehmen gerne als das Rückgrat der Wirtschaft angesehen werden. In dieser Gruppe von Unternehmen befinden sich zahlreiche Weltmarktführer, die das Licht der Öffentlichkeit scheuen. Dazu zählt beispielsweise der Möbelfabrikant IKEA, der mit seinen preiswerten, aber dennoch nach einem modernen Design gestalteten Einrichtungsgegenständen, die Welt erobert hat. Die Kamprad-Familie beherrscht zu 100 Prozent den Konzern. Manche sehen den langjährigen Erfolg solcher Firmen auch darin begründet, dass sie lieber im Verborgenen agieren.

Wo die Gefahren lauern

Ob börsennotiert oder nicht: Familienunternehmen sind vor den Risiken des Wirtschaftsleben nicht gefeit. Hinzu kommen spezifische Gefahren wie beispielsweise die generationenübergreifende Nachfolgeregelung. Eigentümer sind gut beraten, dieses Thema rechtzeitig anzugehen und zu lösen. Nach einer Umfrage von PriceWaterhouseCoopers (PwC) unter 245 Familienunternehmen befinden sich die Firmen durchschnittlich in der vierten Generation und sind 122 Jahre alt. Aber nicht nur das Traditionsbewusstsein sowie die Führung und Kontrolle durch die Familien sind wichtige "Überlebens"-Faktoren sondern auch die Auswirkungen von "Family Governance" dürfen nicht unterschätzt werden. Das Beratungsunternehmen PwC wies beispielsweise in einer Studie darauf hin, dass das Fehlen von Regeln für den Umgang mit und innerhalb der Familie sowie die Organisation der Unternehmerfamilie zu existenzbedrohenden Konflikten führen kann. Den Zusammenhalt sicherstellen sollen zum Beispiel regelmässige Familientreffen, eine Familienverfassung sowie auch ein Familienrat.

PwC zeigt, dass sich solche Bemühungen lohnen: Familienunternehmen mit einer ausgeprägten Family Governance konnten der Analyse zufolge ihren Umsatz im Zeitraum 2008 bis 2013 um 28 Prozent steigern, während Wettbewerber, die weniger mit vergleichbaren Instrumentarien arbeiten, nur 25 Prozent Umsatzwachstum erreicht haben.

Abbildung: Alter der von PwC befragten Familienunternehmen in Generationen

Quelle: PwC "Family Governance in Familienunternehmen"

Bildquellen: UBS, PcW

pagehit