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01.02.2012 14:07

Börse Frankfurt-News: Gold wieder auf dem Vormarsch (Rohstoffe)


    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 1. Februar 2012. Der Preissturz im Dezember war offenbar doch keine Wende, Gold hat im neuen Jahr wieder zum Steilflug angesetzt. ETC-Investoren interessieren sich fast ausschließlich für das gelbe Metall.

 

Alles dreht sich im Moment um Gold: Seit Jahresanfang gehen die Preise wieder rasant nach oben - auch wenn der Rekordstand vom September bei über 1.900 US-Dollar noch weit entfernt ist. "Nach einem schwierigen vierten Quartal sind Edelmetalle fulminant ins neue Jahr gestartet", meint der Rohstoffexperte Heinrich Peters von der Helaba. "Gold erlebte dabei den stärksten Januar seit über drei Jahrzehnten."

 

Eine Feinunze geht heute zu 1.746 US-Dollar über den Tisch, Anfang vergangener Woche waren es noch 1.677 und zu Jahresanfang 1.604 US-Dollar. Das zeigt sich auch im ETC-Handel: "90 Prozent der Umsätze entfallen auf Gold-ETCs. Und das sind eindeutig Käufe", erklärt Bernardus Roelofs von Flow Traders.

 

Zur Goldeuphorie beigetragen hat vor allem die Ankündigung langfristig niedriger Zinsen durch die US-Notenbank: "Die geldpolitische Lockerung, der schwächere US-Dollar und Inflationssorgen machen sich bemerkbar." Im Vergleich mit dem Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise seien die Zuflüsse zwar nicht mehr ganz so umfangreich, dafür aber stetig, wie Nigel Longley vom Emittenten ETF Securities bemerkt. Gesucht waren etwa der ETFS Physical Gold (WKN A0N62G), Xetra Gold (WKN A0S9GB), der Gold Bullion Securities (WKN A0LP78) und der db Physical Gold Euro Hedged (WKN A1EK0G).

 

Noch weiteres Potenzial für Gold

 

Nach Ansicht von Peters hat das gelbe Metall mit der Aussicht auf weitere geldpolitische Lockerungsrunden und einer robusten Charttechnik noch erhebliche Chancen, den Aufwärtstrend dynamisch fortzusetzen. "Auch die Finanzinvestoren werden sich wahrscheinlich nicht mehr so zurückhaltend zeigen und auf den fahrenden Zug aufspringen." Außerdem werde die Goldnachfrage in den Schwellenländern wegen des voraussichtlich wieder schwächeren US-Dollar an Fahrt gewinnen, zumal Gold dort weiterhin als Reservewährung gelte. Die Helaba sieht den Goldpreis zur Jahresmitte bei 1.850 US-Dollar je Feinunze.

 

Bald 1.800 US-Dollar

 

Auch das technische Bild spricht im Moment für Gold, wie Christoph Geyer von der Commerzbank erklärt: "Im langfristigen Chart von Gold ist gut zu erkennen, dass der Test des Aufwärtstrends zum Jahreswechsel offensichtlich nur ein Schwungholen für weitere Kursavancen war." Der seit Herbst des vergangenen Jahres bestehende Abwärtstrend sei inzwischen gebrochen worden. "Der MACD-Indikator steht kurz vor einem Kaufsignal. Daher dürfte ein Erreichen des letzten Topstands bei circa 1.800 US-Dollar in den kommenden Wochen möglich sein."

 

Chancen auch für Platin und Silber

 

Doch nicht nur Gold legen sich Anleger wieder ins Portfolio, die Umsätze in anderen Rohstoffen sind allerdings deutlich bescheidener. "Die stärker industriell genutzten Palladium und Platin verzeichneten Mittelzuflüsse von 16 beziehungsweise 9 Millionen US-Dollar", erklärt Longley (WKN A0N62E, A0N62D).

 

Neben den verbesserten Konjunkturaussichten gibt es für die anziehende Nachfrage noch andere Gründe: "Platin profitierte von der generellen Unsicherheit der Energieversorgungslage in den südafrikanischen Minen", erklärt Oliver Heuschuch von der Heraeus Metallhandelsgesellschaft. Auch der vom Gericht als unrechtmäßig deklarierte Streik bei der zu Implats gehörenden Rustenberg-Mine habe offensichtlich weiter die Kursphantasie der Marktteilnehmer beflügelt.

 

Palladium wird heute zu 690 US-Dollar je Unze gehandelt nach 664 Anfang Januar, Platin zu 1.603 nach 1.430. Für Silber zahlen Anleger im Moment 33,81 US-Dollar je Unze. Die Helaba prognostiziert mit Überwindung des Konjunkturtals sowohl für Platin als auch für Silber noch weiter steigende Preise, für Platin rechnen die Analysten mit 1.750 US-Dollar, für Silber mit 36 US-Dollar Ende des zweiten Quartals. Bei Silber-ETCs verkaufen sich Händlern zufolge im Übrigen der ETFS Physical Silver (WKN A0N62F) und der db Physical Silver (WKN A1E0HS) gut.

 

Industriemetalle: Tal der Tränen durchschritten

 

Die Entwicklung der Industriemetalle zeigt ebenfalls, dass die Konjunkturaussichten nicht mehr ganz so düster eingeschätzt werden wie noch vor Wochen. "Das Gespenst eines Konjunkturabsturzes in China, dem mit Abstand größten Verarbeiter von Industrierohstoffen, scheint vertrieben zu sein", erläutert Peters. Gleichzeitig halte sich das verarbeitende Gewerbe in den USA recht wacker. "Selbst in der Eurozone drehen die Geschäftserwartungen nach oben."

 

Wenn gleichzeitig die Produzenten bei den Kapazitäten etwas vorsichtiger als bislang erwartet operierten, ist Peters zufolge eine weitere Erholung der Preise durchaus möglich. In den vergangenen zwei Wochen wurde bei ETCs auf breit aufgestellte Industriemetallkörbe (WKN A0KRKG) jedenfalls gerne zugegriffen, wie ETF Securities erklärt, auch der Kupfer-ETC (WKN A0KRJU) sei auf Interesse gestoßen.

 

Setzen auf steigenden Erdgas-Preis

 

Der Preissprung beim zuletzt schwächelnden Henry Hub-Erdgas lockte Anleger außerdem in Erdgas-ETCs (WKN A0KRJ3), wie ETF Securities weiter meldet. Auch gehebelte Produkte kamen gut an (WKN A0V9Y3). Zuvor hätten ein unerwartet warmer Winter und das anhaltende Überangebot den Preis für Henry Hub-Erdgas auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren sacken lassen. "Anzeichen von Angebotsverknappung führten aber zuletzt zu einer Preisrallye."

 

Wenig los bei Öl

 

Öl ist, trotz der Konflikte mit dem Iran und dem jüngst verhängten Ölembargo gegen das Land, im Moment kein großes Thema bei Investoren. Sowohl der Preis für die Nordseesorte Brent als auch für das US-Leichtöl WTI treten seit Jahresanfang mehr oder weniger auf der Stelle. Flow Traders hat zwar überwiegend Käufe von Öl-ETCs beobachtet, etwa im S&P GSCI Enhanced Crude Oil von Source (WKN A1A72T). "Die Umsätze sind aber auch hier überschaubar."

 

© 1. Februar 2012/Anna-Maria Borse

 

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

 

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