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04.02.2012 08:00

Attraktive Renditen

«Strukis» besser als ihr Ruf


Das Misstrauen sitzt unverändert tief: Es gewinnt sowieso immer die Bank, in den komplexen Strukturen werden hohe Gebühren versteckt - und ebendiese Produkte sind einer der Hauptgründe für die jüngste Finanzkrise. Doch stimmt das wirklich?

Ein Zertifikat? Nein danke, auf keinen Fall. Eine Antwort, die Bankberater in Kundengesprächen des Öftern zu hören bekommen. Unverändert tief sitzt das Misstrauen gegenüber «Strukis» bei vielen Anlegern. Angesprochen auf die Gründe, heisst es etwa, es gewinne sowieso immer die Bank, in den komplexen Strukturen würden hohe Gebühren versteckt und, weit schlimmer, ebendiese Produkte seien einer der Hauptgründe für die jüngste Finanzkrise gewesen. Vorbei sind die Zeiten, als Anbieter mit hohen Coupons in Annoncen lockten und Zertifikate beinahe unbesehen gezeichnet wurden. Das Paradoxe an der Situation ist, dass es derzeit viele attraktive Produkte zu kaufen gäbe – die Privatanleger indes bleiben grossteils fern.

Grund genug, um einige Vorbehalte genauer zu betrachten. Denn dabei handelt es sich meist um diffuse Ängste, die einer kritischen Prüfung nicht standhalten. So haben Strukturierte Produkte «made in Switzerland» nichts mit «structured products» angelsächsischer Herkunft gemein. Die ähnlich klingende Bezeichnung scheint für Verwirrung zu sorgen. Während Structured Products à la MBS, ABS oder CDO gebündelte Kredite aller Art umfassen, sind Strukturierte Produkte aus Optionen und Null-Coupon-Anleihen konstruiert. Bei den verwendeten Optionen handelt es sich in der Regel um sogenannte LEPO (Low Exercise Price Options). Somit sollte klar sein, dass Strukis keine Gefahr für die Finanzsystemstabilität darstellen (können) und auch, dass es der Bank nicht darum geht, Kunden über den Tisch zu ziehen, sondern darum, sich abzusichern, um die versprochenen Auszahlungsprofile zu gewährleisten.

Auch das Argument mit den zu hohen Gebühren verfängt letztlich nicht, wenngleich es wünschenswert wäre, genaueren Aufschluss darüber von den Emittenten zu erhalten. Als Vorbild könnte die aus der Fondswelt bekannte Kennzahl Total Expense Ratio (TER) dienen. Dessen ungeachtet sind die Zertifikat-Konditionen für jedermann jederzeit transparent nachvollziehbar – Anleger kaufen keine Katze im Sack, sondern können je nach persönlicher Neigung das Rendite-Risiko-Profil einer Investition wesentlich präziser adjustieren als im Fall einer Direktanlage. Zu den beliebtesten Strukturen zählen in der Schweiz Barriere-Produkte. Besonders für Privatanleger bieten sie im aktuellen Tiefzinsumfeld eine Alternative zu Obligationen. Im Gegensatz zu den Zinspapieren gilt es jedoch nicht ausschliesslich die Emittentenbonität zu beachten, sondern es muss zusätzlich eine Meinung zur Wertentwicklung der zugrundeliegenden Basiswerte formuliert werden.

Hierzu ein Beispiel: Im vergangenen Sommer, als viele Standardwerte massive Einbussen erlitten, waren die Konditionen für Barriere-Produkte besonders attraktiv. Weshalb? Erstens eskomptierten die Kurse bereits sehr viele negative Erwartungen, und ein entsprechend geringes Risiko gingen Investoren ein, wenn sie auf diesen (tiefen) Niveaus Produkte mit Barrieren von 60 oder weniger Prozent kauften. Zweitens wurden trotz des stattlichen bedingten Kapitalschutzes hohe Coupons offeriert, denn die Volatilität schlug ebenfalls heftig aus.

Bei Engagements hält man sich also am besten an folgende Faustregeln: Strukturen mit mehreren Basiswerten sind lohnenswerter – höherer Coupon – als solche, die sich auf einen Einzeltitel beziehen. Im Fall von mehreren Basiswerten muss der risikoreichste bestimmt werden und die Höhe der Barriere sollte sich am geschätzten «worst case» dieser Aktie orientieren. Produkte mit Barrieren, die höher als bei 70 Prozent liegen, rät Stocks wegen der aktuellen Unsicherheiten an den Märkten zu meiden.

Grundsätzlich sind europäische Optionen amerikanischen vorzuziehen. Zwar sind sie teurer, aber sie bieten mehr Sicherheit. Sind in einem Zertifikat europäische Optionen verbaut, hat eine Barriereverletzung nicht unbedingt eine Aktienlieferung zur Folge – zumindest dann nicht, wenn die Werte bis Ende der Laufzeit über den Ausübungspreis steigen. Im Fall von amerikanischen Optionen genügt es hingegen, Restwerte geliefert zu bekommen, wenn zu irgendeinem Zeitpunkt der Laufzeit die Barriere verletzt wird.

Nähert sich ein Titel der Barriere , ist es unter Umständen sinnvoll, das Struki dem Anbieter zurückzuverkaufen. Wurde die Barriere bereits verletzt, kann das Zertifikat beispielsweise in eine Recovery-Struktur gerollt werden. So erhalten Anleger die Chance auf eine Rückzahlung zu 100 Prozent, wenn alle Basiswerte an einem Beobachtungstag oberhalb der neuen Anfangsfixierung notieren. Mittlerweile bieten bereits mehrere Anbieter den Kunden einen entsprechenden Service. Im vergangenen Sommer wurden in der Schweiz Recovery-Zertifikate für geschätzte 750 Millionen Franken gezeichnet. Damit waren sie einer der Verkaufsschlager im vergangenen Jahr. Kaufen und bis zum Ende der Laufzeit Halten ist auch im Fall von Zertifikaten eine schlechte Wahl. Wer seine Strukis aktiv bewirtschaftet und die Auswahl sorgfältig trifft, erzielt mit überschaubarem Risiko eine annualisierte Rendite im hohen einstelligen Prozentbereich.

Versierten Anlegern stehen zusätzlich internetbasierte Tools zur Verfügung, die eine Strukturierung nach Mass erlauben. Fortschritte wurden auch hier erzielt, die Eintrittshürden sind kontinuierlich gesunken: Ein Struki nach Mass gibt es bereits ab 20 000 Franken. ¦

Nutzen Sie stürmische Börsenphasen zum Kauf von Zertifikaten mit tiefer Barriere.

Strahlende Sieger Die Ausgezeichneten des letztjährigen Swiss Derivative Award haben – zu Recht – gut lachen.

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