Es schien Dougan entgangen zu sein, dass Markt und Investoren eine ganz andere Wahrnehmung der CS haben. Die Aktie hatte 2011 eine steile Talfahrt von 42 Prozent vollbracht. Das Private Banking wird aufgrund sinkender Margen und Erträge einer harten Fitnesskur unterzogen. Es werden konzernweit rund 3500 Stellen abgebaut. Die Investment Bank hat rund 100 Milliarden Franken an riskanten Assets zu viel in der Bilanz. Mit ihrem hohen Kostenblock war sie im dritten Quartal ein Verlustbringer. Das vierte Quartal war noch schlechter. Wie bankintern zu vernehmen ist, hat die CS-Investment-Bank auch im vierten Quartal einen Verlust erlitten. Die Erwartungen an das Jahresergebnis, welches Dougan am 9. Februar vorstellen wird, sind entsprechend schlecht. Der Bloomberg-Konsensus geht von einem Gewinnrückgang auf 0.30 Franken pro Aktie aus, nach 0.54 Franken im bereits wenig berauschenden Vorquartal.
Zudem wird erwartet, dass Dougan die CS-Aktionäre mit einer Dividende von nur noch 0.50 Franken enttäuschen wird. 2011 wurden noch 1.30 Franken pro Aktie bezahlt. Anleger werden kurz gehalten, weil die CS nicht so komfortabel kapitalisiert ist, wie Dougan dies mit Verweis auf die Konkurrenz darstellt. Huw van Steenis, Analyst bei Morgan Stanley, schätzt die Tier-1-Kapitalquote auf 7,5 Prozent. Das ist für Basel III zu tief und liegt auch unter jener der UBS, welche bei elf Prozent liegt. Dougan, ein Investment Banker von altem Schrot und Korn, hat zu spät erkannt, dass die Finanzindustrie sich fundamental wandeln muss. Wie seine Kollegen Lloyd Blankfein oder Jamie Dimon von Goldman Sachs und J. P. Morgan, hatte der CS-Chef zu lange geglaubt, dass das Investment Banking nur eine Talsohle durchschreitet und Eigenkapitalrenditen von 20 Prozent wieder Normalität werden. Erst das schlechte dritte Quartal 2011 liess Dougan einräumen, dass es mit dem Investment Banking, wie er es kennt, vorbei ist.
Die historisch tiefe Bewertung der CS und ein Kursverlust von 75 Prozent während seiner Zeit als CEO können als Zeichen gedeutet werden, dass Markt und Investoren das Vertrauen in Dougan verloren haben. Innerhalb der CS wird mehr oder weniger offen darüber gesprochen, dass sich mit der strategischen Fokussierung auf das Private Banking die Ära Dougan bei der CS wohl ihrem Ende nähert. ¦
Der Markt vertraut der Credit Suisse und ihrer bisherigen Strategie immer weniger.
Brady Dougan Als CEO der Credit Suisse steht er für eine Ära im Banking, mit der es zu Ende geht.