SMI 5'852 0.6%  Dow 12'489 -0.1%  Nasdaq 2'536 -0.4%  Euro 1.2027 0.1% 
SPI 5'468 0.6%  EStoxx50 2'157 1.1%  Nikkei 8'563 0.1%  Dollar 0.9556 0.2% 
DAX 6'316 0.5%  FTSE100 5'350 1.6%  Öl 106.5 0.3%  Gold 1'569 0.5% 

03.02.2012 12:17

Stärkeres Engagement in Schwellenländer-Aktien


Gewinnmitnahme bei US Small Caps; allgemein vorsichtig bei Aktien aus Industrieländern

Am 31. Januar 2012 war der amerikanische Aktienindex S&P500 bereits vier Tage in Folge gefallen und verzeichnete damit den längsten ununterbrochenen Rückgang seit Mitte Dezember. Die Aktienmärkte in Europa und den Schwellenländern schnitten jedoch im Allgemeinen besser ab. An den Finanzmärkten herrschte weitgehend Ruhe. Mit Ausnahme von Portugal waren die Risikozuschläge für Staatsanleihen aus dem Euroraum rückläufig. Die Handelsvolumen waren im Januar relativ gering, insbesondere in den USA. Hinsichtlich der Volatilität war der Trend weiterhin rückläufig.

Obwohl wir vor der vollständigen Lösung der Staatschuldenprobleme im Euroraum mit einer weiteren Welle der Risikoaversion rechnen, haben wir beschlossen, stärker in Schwellenländeraktien zu investieren und damit das mit unserem Portfolio verbundene Risiko leicht zu erhöhen. Für diese Investition spricht die Tatsache, dass die
Inflation in den Schwellenländern deutlich rückläufig ist und dass die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) ihre Geldpolitik lockern. Hinzu kommt, dass wir bezüglich der Konjunkturaussichten für die Schwellenländer inzwischen optimistischer sind.

Um ein übermäßiges Engagement in Schwellenländerwährungen zu vermeiden, ersetzten wir unsere Übergewichtung von Schwellenländeranleihen in Lokalwährung durch eine Übergewichtung von Schwellenländeranleihen in Hartwährungen. Wir sind nach wie vor von einer positiven Entwicklung von Schwellenländeranleihen überzeugt. Diese Umschichtung ermöglicht uns jedoch eine Gewinnmitnahme, da sich Lokalwährungsanleihen im Vergleich zu Hartwährungsanleihen in letzter Zeit relativ gut entwickelt hatten.

Wir hatten amerikanische Small Caps im Vergleich zu Aktien großer amerikanischer Unternehmen übergewichtet. Diese Übergewichtung haben wir inzwischen vollständig abgebaut. Unserer Ansicht nach ist die positive Dynamik der überraschend guten US-Wirtschaftsdaten bereits eingepreist. Gleichzeitig bleiben die Bewertungen von Aktien kleinerer Unternehmen relativ unattraktiv. Obwohl sich diese Faktoren nicht sehr stark verändert haben, beschlossen wir nach der jüngsten Outperformance von Small Caps, Gewinne mitzunehmen.

In den USA sind die Ergebnisse des vierten Berichtsquartals bis jetzt durchwachsen. Nur 67% der Unternehmen, die ihre Zahlen bereits veröffentlicht haben, übertrafen die Gewinnerwartungen. Das ist der niedrigste Anteil seit dem dritten Quartal 2008. Die Umsatzerwartungen wurden derzeit von 56% der Unternehmen übertroffen. Das ist der niedrigste Anteil seit dem ersten Quartal 2009. Die Gewinnprognosen werden weiterhin nach unten revidiert. Die Kursanstiege zeigten jedoch, dass ein Teil dieses Pessimismus bereits eingepreist ist.

Wir stehen Aktien aus Industrieländern weiterhin vorsichtig gegenüber und würden im Falle einer anhaltenden Kurserholung eher dazu neigen, zu verkaufen als unser Engagement in dieser Anlageklasse zu verstärken. Unserer Ansicht nach sind Geldpolitik und Liquidität positive Faktoren, während wir den Konjunkturfaktor als neutral bis leicht negativ einstufen. Herabstufungen der Gewinnerwartungen und ein möglicher Schub von Risikoaversion aufgrund der europäischen Schuldenkrise könnten sich ebenfalls belastend auswirken.

In den vergangenen Wochen sanken die Renditen für Anleihen auf einen rekordverdächtigen Tiefstand, was in erster Linie auf eine veränderte Wahrnehmung der Geldpolitik zurückzuführen war. Die amerikanische Fed rechnet inzwischen damit, dass ihr Leitzins, die Fed Funds Rate, noch mindestens bis Ende 2014 auf seinem außerordentlich niedrigen Stand bleibt und erwartet für die kommenden Quartale ein bescheidenes Wirtschaftswachstum mit dem Risiko einer Abwärtsbewegung. Angesichts einer Inflationsrate, die unter dem Sollwert von 2% liegt und der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit behielt sich die Fed die Möglichkeit einer weiteren Runde quantitative Lockerung vor. In Anbetracht des schwachen bzw. negativen Wirtschaftswachstums im Euroraum, der anhaltenden Staatsschuldenprobleme und der zunehmenden Anzahl von Banken, die auf eine EZB-Finanzierung angewiesen sind, scheint es wahrscheinlich, dass die EZB ihre Leitzinsen weiter senken wird.

Die Renditen für griechische Staatsanleihen sind weiterhin extrem hoch und zogen auch bei portugiesischen Staatsanleihen scharf an. Während Politiker behaupten, Griechenland sei ein Einzelfall, da der Privatsektor nur hier aufgefordert wurde, einen freiwilligen Teilverzicht auf Forderungen aus Staatsanleihen hinzunehmen, scheinen die Anleger zunehmend davon auszugehen, dass dies auch in Portugal der Fall sein wird. Hinzu kommt, dass es immer noch unklar ist, wie sich die Situation in Griechenland weiterentwickeln wird.

Italien und Spanien haben gerade erst mit der Umsetzung ihrer Sparprogramme begonnen. Die spanische Zentralbank rechnet inzwischen damit, dass die spanische Wirtschaft in diesem Jahr um 1,5 % schrumpfen wird. Auch für Italien rechnen die Volkswirte mit einem negativen Wachstum: -1,3%. In diesem Umfeld wird es nicht einfach sein, die Ziele für den Defizitabbau zu erreichen.

Im vierten Quartal wirkte das BIP-Wachstum in den USA auf den ersten Blick robust: + 2,8% im Quartalsvergleich auf annualisierter Basis im Vergleich zu 1,8% im Vorquartal. Doch die anderen Indikatoren zeichneten ein weniger rosiges Bild: Konsum, Investitionen und Staatsausgaben wuchsen nur geringfügig. Der BIP-Deflator, das breiteste volkswirtschaftliche Maß für das Preisniveau, stieg so langsam wie schon seit über zwei Jahren nicht mehr. Im Dezember nahmen in den USA Aufträge und Versand von Investitionsgütern deutlich zu, da die Unternehmen vor dem Auslaufen dieser Maßnahme von Steuervergünstigungen zur Förderung von Investitionen profitieren wollten. Das Verbrauchervertrauen war weiterhin relativ schwach. Wir sind weitgehend davon überzeugt, dass die amerikanische Wirtschaft weiter wachsen wird, wenn auch nur in bescheidenem Maße.

Im Euroraum verbesserten sich mehrere Frühindikatoren. Beflügelt durch den weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit verbesserte sich in Deutschland das Verbrauchervertrauen. Indikatoren, die auf konkreten Daten wie Einzelhandelsumsätzen, Konsumausgaben und neuen Industrieaufträgen beruhen, zeichnen jedoch ein weniger positives Bild. Es ist möglich, dass der Euroraum in eine leichte Rezession abrutscht, wobei einige Kernstaaten jedoch verschont bleiben könnten. Die Staatsschuldenprobleme und die Sparmaßnahmen sprechen jedoch nicht für eine schnelle wirtschaftliche Erholung.

Im Großen und Ganzen ist unser Modellportfolio in allen großen Anlageklassen neutral gewichtet. Wir haben Unternehmensanleihen übergewichtet, da sie sich bei einem schwachen Wirtschaftswachstum gut entwickeln und von den starken Bilanzen der Unternehmen profitieren müssten. Wir haben Staatsanleihen untergewichtet, setzen aber auf eine lange Duration als Absicherung für unser verstärktes Engagement in Aktien. Bei inflationsindexierten Anleihen sind wir untergewichtet, da wir die überwiegend gedämpfte Inflation und das relative starke Engagement des Index für inflationsindexierte Anleihen in den Peripheriestaaten des Euroraums als negativ ansehen.

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