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04.02.2012 17:10

Verhandlungen in Griechenland gehen weiter - 'Stunde der Wahrheit'


ATHEN (awp international) - In Griechenland sind die seit Wochen andauernden Gespräche über einen Schuldenschnitt und weitere Milliardenhilfen der internationalen Kreditgeber in eine neue Runde gegangen. Finanzministers Evangelos Venizelos verhandelte bis in die frühen Morgenstunden mit Experten der sogenannten Troika aus Vertretern der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB). "Nach zwölf Stunden kontinuierlicher und harter Verhandlungen kann ich sagen, dass wir viele Themen gelöst haben", sagte der Minister am Samstagmorgen. Es gebe aber einige kritische Themen, die noch offen seien. Venizelos sprach von der "Stunde der Wahrheit" für das hochverschuldete Euro-Land.

Wie Venizelos weiter mitteilte, sollte es eine Telekonferenz der Eurogruppe am Samstagnachmittag geben. Dabei wollte er nach Informationen aus Kreisen des Finanzministeriums in Athen seine Amtskollegen der Eurogruppe über den Werdegang der Verhandlungen mit der Troika informieren. Die Experten beurteilen die Fortschritte Griechenlands bei den Reformbemühungen als Voraussetzung für das geplante zweite Rettungspaket im Volumen von mindestens 130 Milliarden Euro.

DEBATTE ÜBER BETEILIGUNG DER EZB LÄUFT

Ein für Samstagnachmittag geplantes Treffen des griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos mit den Vorsitzenden der Parteien, die seine Regierung unterstützen - Sozialisten, Konservative und eine kleine rechtsgerichtete Partei - wurde um 24 Stunden aufgeschoben, teilte Papademos' Büro mit. Bei dem Treffen sollen weitere harte Sparmassnahmen beschlossen werden, die hauptsächlich den privaten Sektor betreffen. Die Einschnitte sollen nach Schätzungen der Gewerkschaften bis zu 25 Prozent weniger Lohn mit sich bringen. Zudem sollen bis 2015 etwa 150 000 Staatsbedienstete entlassen werden.

Am Samstag wurden zudem der Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, und möglicherweise auch dessen Vorsitzender, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, in Athen erwartet. Auf der Agenda stand ein Treffen mit Papademos. Eine Einigung auf einen freiwilligen Schuldenschnitt mit den privaten Gläubigern, darunter Banken und Hedge-Fonds, ist auch Voraussetzung für weitere Hilfen der Troika. Parallel war eine Debatte über eine mögliche Beteiligung der EZB entfacht, die Schätzungen zufolge der grösste Gläubiger Athens ist.

BEITRAG DURCH SCHULDENSCHNITT SOLL DEUTLICH STEIGEN

Nach einem Bericht der griechische Zeitung "Ta Nea" könnte das Volumen des Schuldenschnitts unter anderem mit EZB-Beteiligung von 100 auf 170 Milliarden Euro ausgeweitet werden. Demnach sollen 147 Milliarden Euro auf die privaten Gläubiger und 23 Milliarden Euro auf öffentliche wie die Notenbank entfallen. Dies wollte das Finanzministerium in Athen am Samstag nicht kommentieren.

Für eine EZB-Beteiligung warb auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. "Wir wollen nicht, dass die öffentlichen Gläubiger an Griechenland verdienen. Das wäre aber der Fall, wenn sie beim Schuldenschnitt nicht mitmachen würden", sagte er der "Rheinischen Post" (Samstag). FDP-Generalsekretär Patrick Döring forderte Athen zu mehr Sparanstrengungen auf. "Bis heute leistet sich das Land einen der höchsten gesetzlichen Mindestlöhne in der EU - und schafft damit eine Jugendarbeitslosigkeit von 40 Prozent", kritisierte Döring in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag)./tt/DP/zb

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