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31.01.2012 06:50

Lufthansa-Cargo: Nachtflugverbot gefährdet Existenz der Frachterflotte


SEOUL/FRANKFURT (awp international) - Die Frachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo sieht durch das Nachtflugverbot in Frankfurt langfristig die Existenz ihrer Frachterflotte in Gefahr. "Unsere Frachter vom Typ MD-11 sind ja nicht so alt. Sie werden noch einige Jahre fliegen", sagte Lufthansa-Cargo-Chef Karl Ulrich Garnadt im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX in Seoul. "Bis zum Jahr 2025 wollen wir die Flotte ersetzen und zusätzliche Flugzeuge bestellen." Neue Frachter lohnten sich allerdings nur, wenn sich mit ihnen mehr Geld verdienen lasse, als wenn die Fracht in den Gepäckräumen der Passagierflieger mitbefördert werde.

Derzeit hat Lufthansa Cargo 18 Exemplare der MD-11 in Betrieb. Hinzu kommen acht Boeing 777-Frachter von Aero Logic, dem Gemeinschaftsunternehmen mit der Deutschen Post DHL und sechs derzeit stillstehende Boeing-Jumbos der China-Beteiligung Jade. Lufthansa Cargo hat längst fünf Exemplare des 777-Frachters bestellt, von denen die ersten beiden Ende kommenden Jahres ausgeliefert werden sollen.

"Wir hatten die neuen Maschinen bisher für das Wachstum unseres Geschäfts vorgesehen", sagte Garnadt. "Ob wir mit ihnen am Ende nicht doch Teile unserer bestehenden Flotte durch die neuen Flugzeuge ersetzen, werden wir im nächsten Jahr entscheiden, wenn wir die Konsequenzen aus der neuen Nachtflugregelung in Frankfurt einschätzen können." Mit einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig über das Nachtflugverbot wird nicht vor Ende März gerechnet.

Seit einer Eilentscheidung des Kasseler Verwaltungsgerichtshofs sind Starts und Landungen in Frankfurt zwischen 23 und 5 Uhr seit Ende Oktober strikt verboten. Wegen der kurzfristig erzwungenen Umstellung des Flugplans hat Lufthansa Cargo dadurch laut Garnadt einen zweistelligen Millionenbetrag verloren. "Wir hatten im November und Dezember einen Schaden von etwa 20 Millionen Euro. Wenn wir jetzt planbar einen langfristigen Flugplan aufbauen müssen, rechnen wir immer noch mit einer Ergebnisbeeinträchtigung von 40 Millionen Euro pro Jahr."

Vor allem den sogenannten Nachtsprung nach New York und Chicago konnte das Unternehmen seinen Kunden nur noch mit Einschränkungen anbieten. "Das sind vor allem zeitkritische Güter, die wir bisher über Nacht in die USA geflogen haben, und die am selben Tag ausgeliefert werden müssen", sagte Garnadt. Für Lufthansa Cargo sei dies besonders lukrativ. "Normale Luftfracht ist 20-mal so teuer wie Seefracht. Express- und Spezialtransporte werden aber 50-mal so hoch vergütet." Weil Lufthansa Cargo einen Preiskampf mit der Konkurrenz nicht gewinnen könne, müsse sie auf solche lukrativen Dienstleistungen setzen.

Der verschärfte Sparkurs der Lufthansa geht an der zuletzt besonders erfolgreichen Frachtsparte unterdessen nicht spurlos vorüber. "Wir werden uns im Wesentlichen anschauen, ob wir bestimmte Dinge, die wir im Moment in der Cargo machen, stattdessen gemeinsam mit dem Konzern wahrnehmen", sagte Garnadt. Dabei geht es etwa darum, beim Einkauf weitere Synergien zu erzielen. Insgesamt will die Lufthansa mit ihrem neuen Gewinnsteigerungsprogramm ihren Profit um 1,5 Milliarden Euro im Jahr verbessern.

Garnadt hat auch das Ziel von Konzernchef Christoph Franz im Blick: "Im langjährigen Schnitt eine operative Marge von acht Prozent zu erreichen, ist ein ehrgeiziges Ziel, dem wir uns auch als Cargo verpflichtet fühlen." In den ersten neun Monaten 2011 hatte die Konzerntochter diesen Wert mit 7,8 Prozent fast erreicht. "Es wird aber auch wieder Jahre geben, in denen uns der Markt nicht so gewogen ist", sagte Garnadt./stw/he

--- Gespräch: Steffen Weyer, dpa-AFX ---

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