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Zürich (awp) - Die Julius Bär Gruppe hat 2011 einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen müssen, dabei allerdings einen anhaltenden Neugeldzufluss verzeichnet. Vor allem aufgrund der Frankenstärke wurden die mittelfristigen Finanzziele zum Teil zurückgenommen. Im Steuerstreit mit den USA rechnet die Bank zwar mit einer Busse, sieht aber noch zu wenige Informationen für eine Rückstellung.
Der Zufluss an Neugeldern zu der Vermögensverwaltungsbank belief sich auf 10,2 Mrd CHF (2010: 8,8 Mrd) oder 6% der Kundenvermögen. Damit sei man am oberen Ende des Wachstumsziels von 4-6%, sagte Finanzchef Dieter Enkelmann an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. Wegen der negativen Marktperformance und Währungseinflüssen blieb die Höhe der verwalteten Vermögen (AuM) per Ende Jahr mit 170,3 Mrd CHF dagegen fast unverändert.
ORDENTLICHE UND SONDERDIVIDENDE
Der adjustierte Konzerngewinn - bereinigt um die einmalige Zahlung im Steuervergleich mit Deutschland - fiel 2011 mit 451,8 Mio CHF um gut 10% tiefer aus als im Vorjahr. Die Bank hatte im ersten Halbjahr 2011 eine Zahlung von 50 Mio EUR an die deutschen Behörden geleistet und damit ein mögliches Steuerverfahren abgewendet. Der Konzerngewinn für die Aktionäre gemäss IFRS lag mit 258 Mio CHF um 27% unter dem Vorjahresresultat.
Die Aktionäre sollen allerdings von der guten Kapitalsituation profitieren und neben der unveränderten ordentlichen Dividende von 0,60 CHF je Aktie eine Sonderdividende von 0,40 CHF erhalten.
VERSCHLECHTERTE KOSTENSITUATION
Verschlechtert hat sich trotz mehrerer 2011 eingeleiteter Effizienz- und Sparprogramme auch die Kostensituation: Die adjustierte Cost/Income-Ratio stieg auf 68,0% nach 65,4% im Jahr davor. Die Julius Bär-Verantwortlichen führten dies vor allem auf die Frankenstärke zurück: "Wären die Wechselkurssituation unverändert geblieben, dann hätte sich die Ratio sogar verbessert", sagte CFO Enkelmann.
Angesichts der "anhaltenden" Frankenstärke hat das Management die bisherigen Finanzziele neu definiert. So wurde das Ziel für die C/I-Ratio etwas erhöht auf neu 62-66% nach bisher 60-64%. Für die Vorsteuermarge beträgt das Ziel neu mehr als 35 Basispunkte (bisher mehr als 40 Bp). Das Zielband für den Netto-Neugeldzufluss beträgt dagegen unverändert 4-6%.
ZUWENIGE INFORMATIONEN FÜR US-RÜCKSTELLUNG
Zum Thema Steuerstreit mit den USA gaben sich die Julius Bär-Verantwortlichen zuversichtlich, ohne neue Informationen preiszugeben. Man habe "frühzeitige, proaktive und kooperative Schritte" unternommen, die Steuerangelegenheit mit den USA zu regeln und werde "weiterhin voll mit den US-Behörden kooperieren", versicherten sie.
Die Situation jeder Bank stelle sich zudem unterschiedlich dar, wehrte sich CEO Boris Collardi gegen Vergleiche mit der unter US-Anklage stehenden Bank Wegelin. 2008 seien zwar auch einige ehemalige UBS-Kunden mit unversteuerten US-Vermögen zur Bank Bär gewechselt. Bereits ab 2009 habe die Bank aber beschlossen, aus dem US-Offshoregeschäft auszusteigen.
Collardi räumte weiter ein, dass ein künftiger Vergleich mit den US-Behörden eine Zahlung an die USA beinhalten dürfte. Allerdings habe man derzeit zu wenige Informationen, um eine Rückstellung dafür vornehmen zu können, ergänzte Finanzchef Enkelmann.
NEUES AKTIENRÜCKKAUFPROGRAMM
Dennoch will die Bär-Geschäftsleitung ein neues Aktienrückkaufprogramm starten, nachdem das 2011 lancierte Program zum Rückkauf kurz vor dem Abschluss steht. Mit dem neuen Rückkaufprogramm sollen Aktien über maximal 500 Mio CHF über die nächsten zwei Jahre zurückerworben werden.
Gleichzeitig hält die Bank auch nach weiteren Gelegenheiten für Akquisitionen Ausschau. Die derzeitigen Umwälzungen in der Vermögensverwaltungs-Industrie böten "ein günstiges Umfeld" für Übernahmen, gab sich Collardi überzeugt.
BÄR-AKTIEN SINKEN
An der Börse wurde das Julius Bär-Ergebnis recht kritisch aufgenommen, auch wenn Konzerngewinn wie auch Nettoneugeldzufluss im Rahmen der Prognosen ausfielen. Die höher als erwartet ausgefallenen Kosten verbunden mit geringeren Einnahmen würden allerdings etwas Sorge bereiten, so ein Analyst. Verschiedene Marktbeobachter erwähnten auch die Ungewissheit um den US-Steuerstreit. Die Bär-Aktien sind am Montag in einem leicht rückläufigen SMI mit einem Kursrückgang von 5% auf 35,96 CHF die schwächsten Titel.
tp/uh
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